Kames: Vier Entwicklungen, die die Weltmärkte verändern

Craig Bonthron, Aktienspezialist bei Kames Capital und Co-Manager des Kames Global Sustainable Equity Fund

Für den zukunftsorientierten Investor ergeben sich durch die technologischen Entwicklungen und Nachhaltigkeitsherausforderungen neue Anlagechancen. Craig Bonthron, Aktienspezialist bei Kames Capital, hat vier Entwicklungen identifiziert, von denen Anleger profitieren können.

18.01.2019 | 09:19 Uhr

Wenn man den heutigen Anlagehorizont betrachtet, befinden wir uns am Schnittpunkt zweier sehr stark ausgeprägter Angebots- und Nachfragekurven. Die technologiegeführte Deflation (Angebot) konvergiert mit den größten Nachhaltigkeitsherausforderungen, denen die Menschheit je ausgesetzt war (Nachfrage). Kapitalmärkte, insbesondere börsennotierte Unternehmen, können die Brücke zwischen Angebot und Nachfrage sein. Die Nachfrage ist leider unvermeidlich, genauso wie das Angebot. Aber ich bin optimistisch. Es ist für mich offensichtlich, dass dieser Schnittpunkt eine Welle positiver Veränderungen auf den Weltmärkten auslösen wird.

Diese Situation schafft Chancen für einen zukunftsorientierten Investor. Ich denke, dass der Markt diese Art von Disruption immer wieder unterschätzt. Es erfordert Vorstellungskraft, über die Welt hinaus zu denken, in der wir leben. Der Markt ist zwar effizient reaktiv, aber nach meiner Auffassung ist er nicht effizient proaktiv. Die Tyrannei des Leitzinses, die Kurzfristigkeit und rückblickende Anlagestrategien (passiv und quantitativ) machen den Markt blind für mittel- und langfristige Umwälzungen. Was sind also diese "unvermeidlichen" Entwicklungen?

  • Elektrofahrzeuge werden den Transport umwälzen und in den nächsten zwei Jahren mehr und mehr in das öffentliche Bewusstsein treten. Sinkende Batteriekosten und die Verfügbarkeit von sehr wünschenswerten und erschwinglichen Elektroautos werden mit einer starken Nachfrage der Verbraucher nach umweltfreundlichen Produkten einhergehen.
  • Die Disruption der Stromerzeugung und -übertragung wird sich in den nächsten fünf Jahren deutlicher abzeichnen, da kostengünstige Batteriespeicher in Verbindung mit dem unaufhaltsamen Rückgang der Solar- und Windkraftkosten die traditionellen Brennstoffquellen zunehmend unwirtschaftlich und nicht nachhaltig werden lassen. Dies könnte die Geopolitik umwälzen, da die Kohle-, Öl- und Gasförderländer in der Weltordnung an Bedeutung verlieren. Die dezentrale Mikrostromerzeugung wird das traditionell zentralisierte Utility-Geschäftsmodell des Kraftwerks umkehren. 
  • Die Genom-Analyse wird ein exponentielles Wachstum in unserem Verständnis von Biologie und Krankheiten bewirken, das zu positiven Auswirkungen auf die Medizin führt. Das Gesetz von Moore wird auch die Medizin zunehmend mit neuer Software und siliziumbasierten Gesundheitstechnologien durchdringen, die die Kosten des Gesundheitswesens senken und die Ergebnisse verbessern. Innerhalb von zehn Jahren werden Heilmittel und lebensverändernde Lösungen, die derzeit noch Wunschdenken sind, Realität werden.
  • Die Kosten für die Automatisierung werden weiter sinken. Physische Roboter, maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz werden die Arbeitsmärkte und Lieferketten auf unerwartete Weise verändern. Die Einführung wird sich in neuen Branchen und Konsumgütern beschleunigen, die Produktivität steigern und die Verschwendung drastisch reduzieren. Unqualifizierte Fachkräfte werden abgebaut und die Arbeitskräfte werden wieder in die entwickelten Märkte verlagert. Bisher ungeahnte neue Arbeitsplätze werden geschaffen. Wir werden einen deflationären Boom erleben. Innerhalb von zehn Jahren wird das völlig autonome Fahren zu der oben genannten Verkehrsdisruption beitragen.

Diese Entwicklungen mögen unvermeidlich sein, aber die größte Herausforderung für Investoren besteht darin, Unternehmen zu identifizieren, die die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage effektiv schließen können, und den Mut haben, sie zu unterstützen. Solche Unternehmen sind, wie ich es nenne, "die nachhaltigen Disruptoren", und es ist unsere Absicht, sie weiterhin zu suchen und mit ihnen Anlageportfolios aufzubauen."

Craig Bonthron, Co-Manager, Kames Global Sustainable Equity Fund (Kames Global Sustainable Equity Fund)

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