BNP Paribas: Investment Update – Je mehr sich ändert…

BNP Paribas: Investment Update – Je mehr sich ändert…

Neue Covid-Variante, vorübergehende Inflation und Rekordschwankungen am US-Arbeitsmarkt sorgen für unerwartete Veränderungen der Wirtschaft. Erfahren Sie mehr über die Gründe dahinter.

07.01.2022 | 07:10 Uhr

Gerade als wir dachten, die Lage würde sich beruhigen, tauchten einige Überraschungen auf. Die ersten waren die Neuigkeiten zur Covid-Variante Omicron, die die Märkte auf eine (kleine) Talfahrt schickten. Dann gestand der Fed-Vorsitzende Jerome Powell ein, dass es möglicherweise nicht länger angemessen sei, die Inflation als ‚vorübergehend‘ zu bezeichnen, und nicht zuletzt fiel der jüngste US-Arbeitsmarktbericht ohne Landwirtschaft enttäuschend aus.

Angesichts dieser ‚Ärgernisse‘ ist es überraschend, dass sich der Markt kaum verändert hat. Die durch Omicron ausgelösten Sorgen ließen den US-Aktienindex S&P 500 vorübergehend um rund 4 % zurückgehen. Seit jedoch erste Anzeichen dafür deutlich wurden, dass diese Variante zwar ansteckender, aber weniger gefährlich ist, macht der Index seine Verluste wieder wett. Man geht davon aus, dass die jüngste Covid-Welle – genau wie die Delta-Variante – die wirtschaftliche Wiedereröffnung zwar verzögern, aber nicht aus der Bahn werfen wird (siehe Diagramm 1).

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Die Neuigkeiten zu Omicron ließen europäische Aktien zunächst stärker zurückgehen als US-Aktien, da die Anleger davon ausgingen, dass die europäischen Regierungen eher zu neuen Einschränkungen tendieren würden als die USA. In der Tat arbeiten einige europäische Regierungen an einer Impfpflicht, während ähnliche Vorschläge der Biden-Regierung bisher durch die Gerichte verzögert wurden.

Klarstellung zur Inflation

Dann mussten die US-Anleger die Kommentare des Fed-Vorsitzenden Powell verarbeiten, dass die Fed die Inflation nicht länger als ‚vorübergehend‘ bezeichnen würde. Die US-Zentralbank wollte hiermit nicht unbedingt sagen, dass sie mit ihrer Einschätzung falsch gelegen hatte, sondern eher, dass dieser Begriff nicht so verstanden wurde, wie er von ihr gemeint war.

Für viele Anleger bedeutete ‚vorübergehend‘, dass die Inflation nur während eines begrenzten Zeitraums anhalten würde, aber die Zentralbank wollte sagen, dass der kurzfristige Inflationsdruck nicht zu einer nachhaltig höheren zukünftigen Inflationsrate führen würde.

Die von der Fed beabsichtigte Bedeutung stimmt in der Tat mit der Ansicht der Märkte und den Umfrageergebnissen vor den jüngsten Kommentaren Powells überein – und diese bleiben unverändert.

Während auf kurze Sicht weiterhin mit hoher Inflation gerechnet wird (sehr wahrscheinlich sogar höher als von der Fed erwartet), liegt die vom Markt prognostizierte Inflation in fünf bis zehn Jahren entweder nach wie vor unter den Niveaus von vor der globalen Finanzkrise oder übersteigt diese nicht (siehe Diagramm 2).

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Man hätte denken können, dass der aggressivere Ton Powells zur Inflation dazu führen würde, dass der Markt eine noch stärkere Straffung der Geldpolitik durch die Fed erwartet.

Zunächst ging die geschätzte Fed Funds Rate in einem Jahr (auf der Basis von Overnight Index Swaps) zurück. Das lag wahrscheinlich daran, dass der Markt mit einem geringeren Konjunkturwachstum und größerer Vorsicht seitens der Fed angesichts der Omicron-Variante rechnete. Obwohl die Bedenken hinsichtlich der Omicron Variante (vorerst) nachlassen, erwarten nur wenige, dass die Fed Funds Rate höher sein wird als vor Powells Kommentare (siehe Diagramm 1).

US-Arbeitsmarkt – Möglicherweise stärker als es scheint

Die Fed gab eindeutig zu verstehen, dass ihre Entscheidung, wann und wie stark sie die Zinsen erhöhen würde, nicht nur von der Inflation abhängt, sondern auch von ihrer Einschätzung des Arbeitsmarktes.

Die Fed könnte die enttäuschenden Zahlen zum Arbeitsmarkt außerhalb der Landwirtschaft (Schaffung von nur 210.000 Stellen im November, verglichen mit Markterwartungen von 550.000) als Zeichen dafür werten, dass die Drosselung der Anleihekäufe verzögert oder zumindest nicht beschleunigt werden sollte, bevor die Zinsen angehoben werden. Die Märkte gehen stattdessen jetzt davon aus, dass das Tapering schneller beginnen dürfte, als die Fed ursprünglich angekündigt hatte.

Dafür, dass sich die Fed durch diese Zahl nicht abschrecken ließ, gibt es mehrere Gründe: Die schlechten Daten beziehen sich nur auf einen Monat, nachdem die Zahlen zur Stellenschaffung mehrere Monate lang optimistischer ausgefallen waren. Vor allem bei Restaurants und Bars war ein Einbruch zu verzeichnen, während die Stellenzuwächse in den meisten anderen Branchen immer noch gut waren.

Die Beschäftigung im zivilen Bereich steigt darüber hinaus weiterhin schnell und beschleunigte sich im November sogar stark (siehe Diagramm 3).

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Viele sprechen von der Rekordzahl an Fluktuationen, aber wir sollten nicht vergessen, dass dieser Anteil im November mit nur 2,8 % der Arbeitskräfte absolut gesehen niedrig bleibt.

Allerdings ist der vergleichsweise hohe Wert wohl eher ein Zeichen für die Stärke des US-Arbeitsmarktes als für dessen Schwäche. Arbeitnehmer, die ihre Stelle verlassen, tun das meistens nicht, um nicht mehr zu arbeiten, sondern um eine andere, wahrscheinlich besser bezahlte Stelle anzutreten. Angesichts des angespannten US-Arbeitsmarktes sollte es keine Überraschung sein, dass viele Arbeitnehmer nach besseren Gelegenheiten Ausschau halten.

Die Wirtschaft wird nach der Pandemie wahrscheinlich in vieler Hinsicht anders sein. Diese Umverteilung am US-Arbeitsmarkt zeigt lediglich den Prozess, dass Arbeitskräfte in die produktiveren oder höheres Wachstum generierenden Aktivitäten der Zukunft streben.

Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung und basieren auf den verfügbaren Informationen, womit sie ohne vorherige Ankündigung geändert werden können. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen. Der Wert von Anlagen und ihrer Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihr Kapital möglicherweise nicht vollständig zurück. Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten oder beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit, weil weniger Informationen verfügbar sind, einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen. Einige Schwellenländer bieten weniger Sicherheit als die meisten internationalen Industrieländer. Aus diesem Grund können Dienstleistungen für Portfoliotransaktionen, Liquidation und Konservierung im Namen von Fonds, die in Schwellenmärkten investiert sind, mit einem höheren Risiko verbunden sein.

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