30 l Ultra-Reinstwasser für einen Chip – Investitionsmöglichkeiten entlang der KI-Wertschöpfungskette (Foto: foto qin auf Pixabay)
Kommentar

30 l Ultra-Reinstwasser für einen Chip – Investitionsmöglichkeiten entlang der KI-Wertschöpfungskette

Künstliche Intelligenz wird häufig als Software- und Technologiegeschichte erzählt. Tatsächlich basiert ihr Erfolg jedoch auf einer komplexen physischen Infrastruktur. Rechenzentren müssen gebaut, Chips produziert und enorme Datenmengen verarbeitet werden. Dafür werden nicht nur Energie und Rohstoffe benötigt, sondern auch große Mengen Wasser.

14.07.2026 | 11:36 Uhr

Von Bertrand Lecourt, Senior Fondsmanager bei J O Hambro

Insbesondere die Herstellung moderner Halbleiter erfordert Ultra-Reinstwasser. Bereits kleinste Verunreinigungen können die Produktion hochkomplexer Mikrochips beeinträchtigen. Für die Herstellung eines einzelnen modernen Mikrochips werden dabei bis zu 30 Liter Ultra-Reinstwasser benötigt. Gleichzeitig spielt Ultra-Reinstwasser eine immer wichtigere Rolle bei der Kühlung leistungsfähiger Rechenzentren, deren Kapazitäten mit dem KI-Boom weltweit ausgebaut werden. Mit jeder neuen Chipgeneration wachsen die Anforderungen an Wasserqualität und Aufbereitungstechnologien.

Der KI-Boom entwickelt sich damit zu einem unerwarteten Treiber für die Wasserwirtschaft. Unternehmen, die Lösungen für Wasseraufbereitung und Ressourceneffizienz anbieten, profitieren von einer Entwicklung, die weit über klassische Nachhaltigkeitsthemen hinausgeht. Wasser wird zunehmend zu einer strategischen Ressource der digitalen Wirtschaft und zu einem oft unterschätzten Baustein der globalen KI-Wertschöpfungskette. Ultra-Reinstwasser ist heute ein zentraler Bestandteil dieser Infrastruktur und ein wichtiger Faktor für technologische Souveränität.

Organo: Im Zentrum der Halbleiter-Wertschöpfungskette

Von dieser Entwicklung profitiert zum Beispiel das japanische Unternehmen Organo. Der Spezialist für Wasseraufbereitung verfügt über eine starke Marktposition bei Lösungen für die Herstellung von Ultra-Reinstwasser und ist damit eng mit der globalen Halbleiterindustrie verbunden. Das Unternehmen erwirtschaftet inzwischen einen Jahresumsatz von rund einer Milliarde Euro und profitiert von der steigenden Nachfrage nach Wasseraufbereitungslösungen für die Chipindustrie.

Der Ausbau von Chipfabriken in Asien und den USA, die steigende Nachfrage nach leistungsfähigeren Prozessoren und die zunehmende Verlagerung strategischer Produktionskapazitäten schaffen ein attraktives Marktumfeld. Hinzu kommen steigende Anforderungen an Umweltstandards und Ressourceneffizienz. Dank seiner technologischen Expertise und seiner starken Wettbewerbsposition konnte Organo seine Gewinne in den vergangenen drei bis fünf Jahren um durchschnittlich deutlich mehr als 15 Prozent pro Jahr steigern. Das Unternehmen zählt damit zu den direkten Profiteuren der fortschreitenden Digitalisierung und des weltweiten Ausbaus der KI-Infrastruktur.

Veolia: Nachhaltigkeit als Geschäftsmodell

Ein weiteres Beispiel ist Veolia, einer der weltweit führenden Anbieter von Umwelt- und Infrastrukturdienstleistungen. Mit einem Jahresumsatz von über 40 Milliarden Euro und Aktivitäten in rund 50 Ländern verbindet das Unternehmen die Bereiche Wasser, Abfall und Energie in einem integrierten Geschäftsmodell und profitiert von mehreren strukturellen Trends gleichzeitig.

Steigende Umweltanforderungen, zunehmende Ressourcenknappheit und der Ausbau nachhaltiger Infrastruktur erhöhen weltweit die Nachfrage nach Lösungen zur Wasseraufbereitung, Abfallverwertung und Ressourcengewinnung. Allein in den USA besteht ein Investitionsbedarf von mehr als 740 Milliarden US-Dollar für die Modernisierung der Wasserinfrastruktur. Gleichzeitig sorgen langfristige Verträge mit Kommunen und Industrieunternehmen für stabile und gut planbare Ertragsströme.

Besonders interessant ist dabei die Rolle von Veolia innerhalb der Kreislaufwirtschaft. Die Fähigkeit, Wasser aufzubereiten, wertvolle Rohstoffe zurückzugewinnen und Abfälle wieder in den Wirtschaftskreislauf einzubringen, gewinnt in einer Welt begrenzter Ressourcen zunehmend an wirtschaftlicher Bedeutung. Die operative Stärke zeigt sich auch in den Geschäftszahlen: Veolia hat seinen Nettogewinn innerhalb von fünf Jahren verdoppelt und strebt für die kommenden Jahre weiterhin ein Gewinnwachstum im hohen einstelligen Prozentbereich an.

Stabilität in einem konzentrierten Marktumfeld

Unternehmen aus den Bereichen Wasser und Abfall zeichnen sich häufig durch stabile Cashflows, solide Bilanzen und eine hohe Preissetzungsmacht aus. Da ihre Dienstleistungen auf einer wiederkehrenden Nachfrage basieren, reagieren sie oftmals weniger empfindlich auf geopolitische Spannungen oder konjunkturelle Schwankungen.

Für langfristig orientierte Anleger eröffnet sich damit ein Markt von rund 360 börsennotierten Unternehmen mit einer kombinierten Marktkapitalisierung von etwa 2,6 Billionen US-Dollar, der defensiven Charakter mit strukturellem Wachstum verbindet und zu den oft übersehenen Gewinnern der nächsten Entwicklungsstufe der globalen Wirtschaft zählt.

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