„Keine neue Anlageklasse, sondern ein Krypto-basiertes Zahlungssystem“

Dr. Jonas Krettek, Investmentstratege der apoBank
Kryptoassets

Stablecoins rücken angesichts wachsender Regulierung und ihrer zunehmenden Rolle im globalen Zahlungsverkehr stärker in den Fokus.

06.03.2026 | 06:10 Uhr

Zugleich warnen Experten vor Risiken für Finanzsystem, Banken und möglicher Nutzung im kriminellen Milieu. Dazu teilt Dr. Jonas Krettek, Investmentstratege der apoBank, mit:

„Bei Stablecoins handelt es sich weniger um eine neue Anlageklasse als um ein Krypto-basiertes Zahlungssystem - mit zusätzlichen Risiken für Anleger und Finanzsystem.

Stablecoins sind digitale Krypto-Werte, die den Wert eines stabilen Referenzwerts nachbilden sollen, meist klassische auf Vertrauen basierende Währungen wie US-Dollar oder Euro.
Damit versuchen sie, die Werthaltigkeit staatlicher Währungen mit der schnellen, globalen Zahlungsabwicklung über Blockchains zu verbinden.

Das Geschäftsmodell der Emittenten basiert auf einem Geldschöpfungsgewinn: Sie geben unverzinste Stablecoins aus und investieren die daraus zufließenden Mittel in verzinste, kurzfristige, liquide und sichere Anlagen. 

In einem Umfeld hoher kurzfristiger Geldmarktsätze kann das sehr profitabel sein - in Phasen niedriger oder negativer Zinsen gerät dieses Modell jedoch schnell unter Druck.

Entscheidend für die Stabilität ist die Art der Besicherung.
Auf Vertrauen basierende Modelle, die durch Einlagen oder kurzfristige Staatsanleihen gedeckt sind, dominieren den Markt.
Krypto-besicherte oder algorithmische Konzepte sind strukturell anfälliger - sichtbar etwa im Zusammenbruch von TerraUSD.
Gleichzeitig entstehen neue Risiken:
Da diese digitalen Einheiten von privaten Unternehmen ausgegeben werden, besteht ein erhebliches Kontrahentenrisiko.

Anleger müssen darauf vertrauen, dass die hinterlegte Besicherung tatsächlich vorhanden ist und im Bedarfsfall ausgezahlt werden kann. Mit wachsender Marktgröße können aber Risiken für das Finanzsystem entstehen. 

Wenn Anleger in Stressphasen ihre Bestände massenhaft einlösen, könnten Emittenten gezwungen sein, große Bestände an Bankeinlagen oder Wertpapieren zu liquidieren - mit potenziellen Auswirkungen auf Liquidität und Marktstabilität.
Sollten sie künftig verstärkt als Alternative zu Bankeinlagen wahrgenommen werden, könnte das zudem die Refinanzierungsbasis von Banken schwächen und die geldpolitische Transmission beeinflussen.
Gleichzeitig teilen sie die operationellen Risiken anderer Krypto-Werte. 

Da Transaktionen unwiderruflich sind, sind Anleger bei Betrug, Diebstahl oder Fehlüberweisungen häufig schutzlos.
Auch aufgrund ihres anonymeren Charakters sind sie vor allem im kriminellen Milieu beliebt.“

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