
TiAM FundResearch und DONNER & REUSCHEL: "Bitcoin, ETH & Co. -Gekommen, um zu bleiben."
27.10.2026 | 06:05 Uhr
Stablecoins: Das neue Betriebssystem des digitalen Geldes?
Stablecoins entwickeln sich vom Instrument des Kryptohandels zu einer potenziell relevanten Infrastruktur des Finanzsystems. Im Zahlungsverkehr, Corporate Treasury und bei der Abwicklung tokenisierter Wertpapiere sollen sie einen entscheidenden Vorteil bieten: die Übertragung klassischen Geldes auf digitalen Infrastrukturen, nahezu in Echtzeit und rund um die Uhr.
Anders als Bitcoin zielen Stablecoins nicht auf eine eigenständige Wertentwicklung. Fiatgedeckte Stablecoins bilden eine Referenzwährung wie Euro oder US-Dollar ab. In der EU werden an eine einzelne amtliche Währung gekoppelte Stablecoins unter MiCA als E-Geld-Token reguliert. Für Emittenten gelten Anforderungen unter anderem an Zulassung, Governance und den Schutz der Token-Inhaber. [eur-lex.europa.eu], [eur-lex.europa.eu]
Vom Krypto-Asset zur Finanzmarktinfrastruktur
Die eigentliche Relevanz liegt weniger im Stablecoin als Anlageinstrument als in seiner Funktion als digitales Transaktionsmedium. Werden Anleihen, Fondsanteile oder andere Assets tokenisiert, benötigt die digitale Wertpapierseite ein entsprechendes „Cash Leg“. Stablecoins könnten diese Funktion übernehmen und damit Settlement-Prozesse beschleunigen sowie Liquiditäts- und Kapitalbindung reduzieren.
Ähnliches gilt für Unternehmen. Grenzüberschreitende Zahlungen, konzerninterne Liquiditätstransfers und Treasury-Prozesse könnten unabhängig von Banköffnungs- und klassischen Settlement-Zeiten abgewickelt werden. AllUnity positioniert etwa seinen vollständig gedeckten Euro-Stablecoin EURAU für globale Zahlungen, Liquiditätsmanagement und On-Chain-Settlement. Entscheidend bleibt jedoch der wirtschaftliche Nutzen: Aus technologischer Innovation muss ein belastbarer Business Case entstehen. [allunity.com], [allunity.com]
Dollar gegen Euro: Stablecoins werden geopolitisch
Die Bedeutung reicht damit weit über Effizienzgewinne hinaus. In den USA schafft der seit Juli 2025 geltende GENIUS Act</GENIUS Act> einen regulatorischen Rahmen für Payment-Stablecoins. Vorgesehen ist unter anderem eine vollständige Deckung durch zulässige Reserveaktiva, zu denen auch kurzfristige US-Staatsanleihen gehören. [congress.gov], [congress.gov]
Daraus entsteht eine strategische Dimension: Mit wachsendem Volumen dollarbasierter Stablecoins kann auch die Nachfrage nach Dollar-Reserveanlagen steigen. Stablecoins könnten somit zu einem zusätzlichen digitalen Distributionskanal des US-Dollars werden.
Für Europa stellt sich deshalb die Frage: Reicht es, digitale Finanzmärkte zu regulieren, oder muss der Euro zugleich auf deren Infrastruktur wettbewerbsfähig vertreten sein? Mit MiCA verfügt Europa zwar über einen einheitlichen regulatorischen Rahmen. Regulierung allein schafft jedoch noch keine Marktakzeptanz. Entscheidend sind Liquidität, Interoperabilität sowie ein belastbares Ökosystem aus Banken, Asset Managern, Verwahrern, Börsen und Zahlungsdienstleistern. [eur-lex.europa.eu], [eur-lex.europa.eu]
Stablecoins dürften das bestehende Geldsystem daher zunächst
weniger ersetzen als technologisch erweitern. Gelingen weitere elementare
Schritte in die institutionelle Anwendung, setzt sich fort was bereits begonnen
hat, sie werden zu einer wichtigen Settlement- und Zahlungsinfrastruktur
digitaler Kapitalmärkte.
29. TIAM D&R Krypto-Talk

Unter dem Titel„Das neue Geld? Warum Stablecoins die Finanzwelt verändern werden“ diskutiert der 29. TIAM D&R Krypto-Talk am Mittwoch, 28. Oktober 2026, von 8:30 bis 9:30 Uhr genau diese Fragen. Simon Seiter, Managing Director und CFO/CPO bei AllUnity, beleuchtet die Perspektive eines regulierten Stablecoin-Emittenten. Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei DONNER & REUSCHEL, ordnet die geldpolitischen, makroökonomischen und geopolitischen Implikationen ein. Moderiert wird der Krypto-Talk von Frank Kuhn, DONNER & REUSCHEL Marketing. Hier zur Anmeldung Krypto-Talk
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