EdR AM: US-Wahlen: Gewinner und Verlierer

EdR AM: US-Wahlen: Gewinner und Verlierer

Die Investoren können kaum erwarten, zu erfahren, wer der 46. Präsident der Vereinigten Staaten sein wird. Die Spannung steigt ins Unerträgliche.

30.10.2020 | 15:11 Uhr

Besonders gespannt sind die Märkte auf den Ausgang der Kongresswahlen. Für Reformen brauchen Joe Biden oder Donald Trump die Zustimmung von Senat und Repräsentantenhaus.

Der politische Kampf ist voller Irrungen und Wirrungen, und wenn die Wahl angefochten wird, kann es noch turbulenter werden. Wir gehen aber nicht davon aus, dass die Märkte völlig aus dem Tritt geraten. Dennoch können einige Sektoren von all dem profitieren, während andere wohl in Schwierigkeiten geraten.

TRUMP-AKTIEN UND BIDEN-AKTIEN

Unabhängig davon, wer gewinnt, können sich die Aussichten für viele Aktien ändern. Die Investoren gehen von einem Sieg Bidens aus und haben sich entsprechend positioniert. Sie erwarten auch, dass die Demokraten, die schon jetzt die Mehrheit im Repräsentantenhaus stellen, den Senat zurückgewinnen. Viele Beobachter meinen, das Ergebnis stünde bereits fest. „Nach dem überraschenden Ausgang der Wahlen 2016 sollten wir uns dessen aber nicht zu sicher sein. Über den Sieger werden am Ende eine Handvoll Swing States entscheiden: Arizona, Florida, Georgia, Michigan, North Carolina, Pennsylvania und Wisconsin“, sagt Christophe Foliot, Co-Head of Equities bei Edmond de Rothschild Asset Management.

Wenn die Demokraten gewinnen, werden einige Sektoren von dem Richtungswechsel profitieren. „Es ist etwas überraschend, dass ein Sieg Bidens – zumindest indirekt – dem Bankensektor zugutekäme. Wenn Biden seine Wahlversprechen einhält und umfangreiche Konjunkturprogramme auflegt, könnten die langfristigen Staatsanleiherenditen steigen, während die Fed die Kurzfristzinsen noch einige Zeit niedrig halten dürfte. Aufgrund dieser Renditedifferenz dürften die Banken automatisch rentabler werden“, meint Foliot.

Eine „Blaue Welle“ wäre auch gut für grüne Aktien. Kürzlich stellte Joe Biden seinen Clean Energy Plan vor. Das 2 Billionen US-Dollar umfassende Klimaprogramm ist ambitionierter als die Pläne, die in den Vorwahlen präsentiert wurden. Es besteht aus fünf Teilen:

- Stromerzeugung, mit dem ehrgeizigen Ziel, den Sektor bis 2035 zu dekarbonisieren

- Transport, mit strengeren Emissionsstandards, der Förderung von Elektrofahrzeugen und dem Versprechen, das Schienennetz zu reparieren und modernisieren

- Bau, mit dem Ziel, den CO2-Fußabdruck bis 2035 um 50 Prozent zu verringern

- Wasserstoff, mit einer starken Forschungsförderung, um mit Elektrolyse einen grünen Wasserstoff herzustellen, der nicht teurer ist als der „graue“ Wasserstoff aus Erdgas

- Landwirtschaft, mit der Förderung von Investitionen, die eine Dekarbonisierung des Sektors vorantreiben

Von einer Wiederwahl Donald Trumps würde dagegen der Sektor fossile Brennstoffe profitieren. Trump ist ein weniger starker Gegner des hydraulischen Frackings als der linke Flügel der Demokraten.

„Der Technologiesektor und die GAFA-Aktien (Google, Amazon, Facebook, Apple) könnten unter einem Sieg der Demokraten leiden, wenn er zu mehr Regulierung und einer strengeren Umsetzung des Kartellrechts führt. Allerdings könnte sich die Einführung dieser Maßnahmen als langwierig und komplex erweisen“, sagt Christoph Foliot. Zugleich wird der neue Präsident die Weltpolitik im Auge behalten müssen. Der US-Technologiesektor muss innovativer werden, wenn er mit den asiatischen Konzernen mithalten will.

GESUNDHEIT IM MITTELPUNKT

Der Gesundheitssektor hatte in den letzten Jahren Probleme mit der Politik. Man fürchtete Forderungen nach niedrigeren Arzneimittelpreisen. „Wir gehen aber nicht davon aus, dass in der ersten Amtszeit des nächsten Präsidenten alle Preiskontrollen vom Tisch gefegt werden. Jegliche Reformen mit dem Ziel, die Arzneimittelpreise an das international übliche Niveau anzugleichen, würden Medicare betreffen, die staatliche Krankenversicherung für Menschen, die über 65 sind oder bestimmte andere Voraussetzungen erfüllen“, sagt Adeline Salat-Baroux, Fondsmanagerin des Edmond de Rothschild Fund Healthcare. Jedenfalls verspricht Joe Biden 1,5 Billionen US-Dollar für den Gesundheitssektor in den nächsten zehn Jahren, der aufgrund der Pandemie wieder im Blickpunkt steht. Durch Tests und die Behandlung von COVID-19-Patienten haben Pharmakonzerne in der Krise bereits eine wichtige Rolle gespielt. Dies wird auch in Zukunft der Fall sein, weil sie Impfstoffe entwickeln. „Zurzeit wächst der Gesundheitssektor enorm, aber er dürfte auch langfristig erfolgreich sein. Weltweit steigen die Gesundheitsausgaben in Regionen mit Nachholbedarf sogar zweistellig. Außerdem profitiert der Sektor von einer Innovationswelle. Die aktuelle Krise hat gezeigt, dass große Pharmakonzerne sowie Biotechnologie- und Medizintechnikfirmen neue Ansätze entwickeln können“, ist Salat-Baroux überzeugt.

Die interessantesten Innovationen sind neue Therapien, vor allem in den Bereichen Immunologie und Immunonkologie. Hier steigen die Umsätze stark. Auch in der Genomik, der Robotik und bei Online-Diagnosen und -Behandlungen gibt es zahlreiche Neuerungen. „Wir halten die Bewertungen der großen Pharma- und Biotechnologieunternehmen zurzeit für besonders attraktiv. Sie werden mit 23 Prozent Abschlag gegenüber dem S&P500 gehandelt – ein 30-Jahres-Rekord. Zudem ist der Sektor nicht nur defensiv. Auch das langfristige Gewinnwachstum ist dank der stabil steigenden Nachfrage gut prognostizierbar“, sagt Salat-Baroux.

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