EdR AM: Konzentration im Luxussektor könnte sich verstärken

Isabelle Carpentier, Fondsmanagerin internationale Aktien, Edmond de Rothschild Asset Management

Die Geschichte wiederholt sich nicht. COVID-19 ist nicht das SARS-Virus von 2003. Der europäische Luxussektor wird nicht nur unter der Epidemie in China leiden.

15.04.2020 | 07:41 Uhr

Ein Kommentar von Isabelle Carpentier, Fondsmanagerin internationale Aktien, Edmond de Rothschild Asset Management


Im Januar dachten wir, dass der Ausbruch des Coronavirus in China den Luxussektor im ersten Quartal treffen würde, sich aber nicht auf das Wachstum fürs gesamte Jahr auswirken würde. Das stimmte damals auch, bevor sich das Virus über die restliche Welt ausbreitete. 

Die Abfolge der Ereignisse in China  eine Ausgangssperre, ein Reiseverbot für Einheimische und Touristen, die behördliche Schließung fast aller Geschäfte ab Januar und nun eine allmähliche Rückkehr zu normalen Bedingungen - lässt vermuten, dass wir mit einer langsamen Erholung der Konsumausgaben in China im zweiten Quartal rechnen können. Es überrascht nicht, dass die Verkaufszahlen der europäischen Luxusunternehmen für das erste Quartal weltweit einen starken Januar, einen Einbruch von durchschnittlich 80 Prozent im Februar (wobei die chinesischen Verbraucher, die 35 Prozent der Luxusgüterverkäufe ausmachen, völlig fehlen) und einen geringeren Rückgang im März in China zeigen werden. 

Womit wir im Januar nicht rechnen konnten, war eine lokale Epidemie, die sich zu einer globalen Pandemie mit Ausgangssperren und einem Herunterfahren des alltäglichen Lebens und Konsums auf der ganzen Welt entwickelte. Die erwartete Erholung in China wird den Umsatzrückgang in anderen Ländern, insbesondere in Europa und den USA, nicht ausgleichen können. Für das zweite Quartal wird nun ein noch größerer Einbruch bei den Verkäufen von Luxusgütern erwartet. Darauf sollte ein allmählicher Aufschwung im dritten Quartal und eine Rückkehr zur Normalität im vierten Quartal, dem wichtigsten Zeitraum für den Absatz, folgen. Das setzt natürlich voraus, dass die Krise das Ausgabeverhalten der Kunden nicht verändern wird.

Verstärkte Polarisierung

Angesichts eines solch beispiellosen Umsatzrückgangs könnte die Antwort der Luxusindustrie darin bestehen, die Kosten anzupassen und zu versuchen, die Ausgaben für Marketing und Werbung zu senken, zumindest für die in diesem Jahr geplanten Veranstaltungen. Die Unternehmen könnten auch versuchen, die Mieten neu zu verhandeln. Die Personalkosten werden jedoch nur geringfügig betroffen sein, da die Industrie ihr Fachpersonal langfristig bindet und seit jeher ein starkes Bekenntnis zur sozialen Verantwortung zeigt. Die Margen werden in diesem Jahr ernsthaft in Mitleidenschaft gezogen werden. Dennoch ist es unwahrscheinlich, dass mittel- und langfristige Investitionen zurückgestellt werden, da der Sektor als Ganzes bereits Schulden abgebaut hat. 

Die Polarisierung im Luxussektor hat im zyklischen Aufschwung der letzten Jahre nicht aufgehört zu wachsen. Die stärksten Marken erwirtschaften die höchsten Margen und sichere Einnahmen. Die aktuelle Krise wird die Ranglisten zementieren: Die guten Schüler von heute werden auch morgen noch Klassenbeste sein. Sie sind diejenigen, denen es am leichtesten fallen wird, die Kosten in den Griff zu bekommen und Marktanteile zu gewinnen. Unternehmen, die bei Ausbruch der Krise bereits anfällig waren - jene, die mit Umstrukturierungen beschäftigt sind, deren Angebot nicht ausreichend diversifiziert ist oder die zu stark saisonalen Risiken ausgesetzt sind - werden am Ende der Krise noch anfälliger sein und ohne Hilfe von außen möglicherweise nicht einmal überleben können. Vor diesem Hintergrund glauben wir, dass die Branchenkonzentration auch nach Abklingen der Krise anhalten wird. Die Konsolidierung von Unternehmen wird eine noch größere Rolle spielen, sobald neue Ziele auftauchen.

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