EdR AM: COP26 - Das Treffen der letzten Chance?

Jean-Philippe Desmartin, Leiter für nachhaltige Investments bei Edmond de Rothschild Asset Management

Sechs Jahre nach dem Pariser Abkommen findet vom 1. bis 12. November im schottischen Glasgow die 26. UN-Klimakonferenz (COP26) statt.

27.10.2021 | 07:47 Uhr

Die Staats- und Regierungschefs der Welt kommen zur COP26 zusammen, die wegen der Pandemie um ein Jahr verschoben werden musste, um den Kampf gegen den Klimawandel voranzutreiben.

Nach Ansicht von Jean-Philippe Desmartin, Leiter für nachhaltige Investments bei Edmond de Rothschild Asset Management, ist es noch nicht zu spät, um die 2015 eingegangenen Verpflichtungen zu erfüllen.

Worum es bei der COP26 geht

Die COP26 ist nicht die letzte Chance, sondern ein wichtiger Schritt, um das Ziel des Pariser Abkommens, den Temperaturanstieg auf unter 2 Grad Celsius und wenn möglich auf 1,5 Grad zu begrenzen, gemeinsam zu erreichen.

Dabei gibt es zwei Prioritäten:

  • Eine hohe Transparenz hinsichtlich der Einhaltung der nationalen Verpflichtungen der Länder, die am meisten Treibhausgase ausstoßen (China, USA, Indien, Japan oder auch die europäischen Länder) und gegebenenfalls eine Ausweitung der Verpflichtungen. Wenige Tage vor Beginn der Konferenz liegt dieses Ziel noch in weiter Ferne.
  • Die Bereitstellung von Mitteln in Höhe von 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr durch die Industrieländer, um die Schwellenländer bei der Finanzierung von Investitionen in die Energie- und Umweltwende zu unterstützen, wie auf der COP21 zugesagt. Tatsächlich werden diese Finanzierungszusagen nur etwa zu 80 Prozent erfüllt, wobei Fortschritte regelmäßig angezweifelt werden können.


Die gute Nachricht ist, dass trotz der Trump-Ära noch alle großen Nationen an Bord sind. Außerdem sind sich alle Entscheidungsträger darüber im Klaren, dass wir uns unabhängig von der Pandemie oder ihrem Ende in einer Klimanotlage befinden.

Schnell und entschlossen handeln

Zwei aktuelle Berichte, zum einen von der Internationalen Energieagentur (IEA) vom vergangenen Mai und zum anderen vom Zwischenstaatlichen Ausschuss für Klimaänderungen (IPCC) aus dem vergangenen Sommer, verdeutlichen das Ausmaß und die Dringlichkeit der Herausforderung. Die globale Temperatur wird sich Prognosen zufolge in den nächsten 100 Jahren in jedem Fall um mindestens 1 Grad Celsius erhöhen, unabhängig davon, welche Maßnahmen in Zukunft ergriffen werden. Um den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, bedarf es nicht einer Energiewende, sondern einer Energierevolution.

Die Experten des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung gehen in ihrem jüngsten Basisszenario von einem Anstieg der globalen Oberflächentemperatur um 2,7 Grad Celsius aus, sofern die Länder mit den höchsten CO2-Emissionen nicht handeln. Es ist noch nicht zu spät, um das Ruder rumzureißen, wobei zu bedenken ist, dass sich die Folgen eines Temperaturanstiegs von 1,8 Grad Celsius erheblich von denen eines Anstiegs um 3 Grad Celsius unterscheiden. Deshalb muss schnell und entschlossen gehandelt werden.

Es steht ein Elefant im Raum. Eine wichtige Maßnahme fehlt: eine globale CO2-Bepreisung. Dies wird seit Jahren gefordert, konnte aber leider nicht ins Pariser Abkommen aufgenommen werden. Dieses Thema taucht immer wieder auf. Leider ist jedoch davon auszugehen, dass es trotz seiner immensen Bedeutung nicht auf der COP26 behandelt werden wird.

Ehrgeizige Klimapläne

Der Kampf gegen die Erderwärmung ist eine unserer Prioritäten und steht im Zentrum unseres ESG-Modells EDR BUILD, das wir vor mehr als 10 Jahren eingeführt haben. Bereits 2015 haben wir uns verpflichtet, die CO2-Bilanz unserer Investitionen zu veröffentlichen. Darüber hinaus haben wir unsere Datenanalysekapazitäten in den letzten zwei Jahren erheblich ausgebaut.

Unsere Klimastrategie, die wir 2017 auf der Grundlage der TCFD-Methodik[1] und des Szenarios für nachhaltige Entwicklung der IEA festgelegt haben, wurde Anfang 2020 aktualisiert und wird Anfang 2022 erneut überarbeitet. Sie unterstützt unsere Politik des Dialogs und Engagements für Klimaschutz, die sich in der Praxis auf einige Dutzend europäische Unternehmen konzentriert.

Darüber hinaus reduzieren wir unsere Investitionen in risikoreichen Sektoren (z. B. Ausschluss von Kraftwerkskohle, die Ausarbeitung der Öl- und Gaspolitik befindet sich in der Abschlussphase) und verstärken unsere Investitionen in Unternehmen, die Lösungen im Kampf gegen den Klimawandel bieten (Energieeffizienz, erneuerbare Energien). Schließlich beschäftigen wir uns eingehend mit der Frage, was es bedeutet, sich als Investor durch konkrete Maßnahmen zu einem Net-Zero-2050-Ziel zu verpflichten.

[1] Initiative zur Unternehmensberichterstattung zu klimabezogenen Finanzrisiken (Task Force on Climate-related Financial Disclosures - TCFD).

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