BNP Paribas: Wie Widerstandsfähigkeit gegen den Klimawandel finanziert wird

BNP Paribas: Wie Widerstandsfähigkeit gegen den Klimawandel finanziert wird

Um die physischen Risiken des Klimawandels zu minimieren, ist es notwendig, noch mehr in Lösungen zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit und zur Anpassung an den Klimawandel zu investieren.

30.12.2021 | 07:10 Uhr

Alex Bernhardt, Global Head of Sustainability Research, BNPP AM

Katastrophale Überschwemmungen in Deutschland und in Belgien, Waldbrände in Südeuropa, den USA und Australien, oder das «Hitzekuppel-Phänomen» in Nordamerika – an Beispielen extremer, auf Klimaänderungen zurückzuführender Ereignisse hat es in jüngster Vergangenheit weltweit nicht gemangelt.

Klimabedingte physische Risiken gibt es in zwei Formen:

  • Chronische – kontinuierlich steigende Temperaturen werden sich zunehmend nachteilig auf die Produktivität der Böden und auf die Menschen auswirken, die für ihren Lebensunterhalt darauf angewiesen sind; sich verändernde Niederschlagsverläufe werden in immer zahlreicheren Gebieten zu Wasserstress führen; der Anstieg des Meeresspiegels wird Industriebetriebe und Siedlungen in niedriggelegenen Landstrichen beeinträchtigen.
  • Akute – erhöhte Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von extremen Hitzewellen, Waldbränden, Dürreperioden und extremen Stürmen.
    Wie kann die Finanzbranche diesen Risiken begegnen?
    Den Markt für Klima-Anpassung vergrössern

Es ist entscheidend, dass der Markt für die Finanzierung der Klimaanpassung und -resilienz sich ausweitet, umso mehr als sich bereits jetzt ein gewisses Mass an Erwärmung in der Erdatmosphäre «eingenistet» hat. Die jetzigen Finanzierungsströme in Richtung Anpassungsbemühungen sind zwar nachweislich nutzbringend, mit einem geschätzten Ertrag von 7,1 Billionen Dollar bei einem theoretischen Gesamteinsatz von 1,8 Billionen Dollar über eine Zeitspanne von zehn Jahren. Trotzdem sind sie unzulänglich – insbesondere seitens der Privatwirtschaft.

Hohe Kosten

Es wird geschätzt, dass die Kosten für die Anpassung an den Klimawandel sich bis 2030 auf etwa 300 Milliarden Dollar pro Jahr belaufen könnten. Im Vergleich dazu sind im Zeitraum 2017 bi 2018 in diesem Bereich gerade einmal 30 Milliarden Dollar investiert worden. Davon stammen bloss 1,6 Prozent von privaten Quellen. Innovative Lösungen zur Finanzierung der Anpassung an den Klimawandel sind beispielsweise:

  • Katastrophenanleihen
  • Umweltbelastungsanleihen
  • Resilienzanleihen

Diese Mittel werden benötigt, da herkömmliche grüne und klimaorientierte Anleihen derzeit eingesetzt werden, um die Folgen des Klimawandels zu mindern - nur gerade 3 bis 5 Prozent dieser herkömmlichen Anleihen wurden bisher Anpassungsprojekten zugewiesen.

Wo es bei der Umsetzung hapert

Es ist beispielsweise erfolgversprechend, Projekte zu finanzieren, die Gebäude gegen extreme Wetterphänomene widerstandsfähiger machen sollen und die dadurch eine effizientere Energieausnutzung und den Zugang zu alternativen Stromquellen als zusätzliche Vorteile mit sich bringen.

Es kann dazu kommen, dass Projekte mit kurzen und klar definierten Amortisationszeiten den Zuschlag erhalten gegenüber solchen, die auf eine Verbesserung der Widerstandsfähigkeit abzielen aufgrund von hohen Vorlaufkosten und schwer berechenbaren Renditen.

Effiziente Massnahmen

Ein anderes Problem besteht darin, dass ein Grossteil der den Risiken des Klimawandels ausgesetzten Infrastrukturen in öffentlichem Besitz ist, was für gewerbliche Einrichtungen einen geringen Anreiz darstellt, der Gemeinschaft zugutekommende Verbesserungen zu unterstützen.

Ausserdem können öffentliche Einrichtungen, die für die Überwachung dieser Infrastrukturen verantwortlich sind, überschuldet sein oder nicht über die technische Leistungsfähigkeit verfügen, um im Hinblick auf Klimawandel-Resilienz effiziente Massnahmen zu planen.

Angesichts der Ungewissheiten rund um die Auswirkungen der Klimaveränderungen ist es schliesslich schwierig, eine Bewertung des Klimarisikos vorzunehmen und Klimafragen in herkömmliche Kosten-Nutzen-Analysen einfliessen zu lassen.

Was sind die Lösungen?

Es ist erforderlich, die Qualität der klimabezogenen Angaben innerhalb des gesamten Finanzsystems zu verbessern. Während immer mehr Einrichtungen sich den Prinzipien der «Taskforce for Climate-related Financial Disclosures (TCFD)» verpflichten, sind derzeit Bestrebungen im Gange, um auf der Grundlage eines gemeinsamen Sockels von Kennzahlen Orientierungshilfen und Standards zur Darstellung physischer Klimarisiken und -chancen zu entwerfen.

Dies braucht aber seine Zeit. Darüber hinaus bedarf es eines Aufbaus von Kapazitäten, weil so viele Akteure an der Entwicklung von klimabeständigen Infrastrukturen beteiligt sind.

Klimabeständiges Finanzsystem

Zusammenarbeit, Vernetzung und Wissenserweiterung, zum Beispiel auf städtischer Ebene, können dazu beitragen, ein klimabeständiges Finanzsystem zu schaffen, das diese Gemeinschaften unterstützen kann. Auftragsbasierte Ökosysteme könnten ein Ansatz sein, um verschiedene Akteure zusammenzubringen.

Des Weiteren können öffentlich-private Partnerschaften oder Mischfinanzierungen ebenfalls eine Schlüsselrolle darin spielen, insbesondere in Entwicklungsländern,

Angemessenes Investitionsniveau

Wenn diese Ansätze mit innovativen Finanzierungstechniken kombiniert werden, kann ein angemessenes Investitionsniveau erreicht werden, um mit den bereitgestellten Mitteln das zukünftige Ausmass des Klimawandels sowie dessen Auswirkungen zu begrenzen.

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