Land- und Forstwirtschaft eröffnen Investoren konkrete Chancen für positive Biodiversitätseffekte

Land- und Forstwirtschaft eröffnen Investoren konkrete Chancen für positive Biodiversitätseffekte
Investment

Institutionelle Investoren betrachten den Verlust der biologischen Vielfalt zunehmend als systemisches Risiko.

26.03.2026 | 08:13 Uhr

Gleichzeitig bleiben konkrete Investitionsmöglichkeiten begrenzt: Projekte sind oft kleinteilig, das Thema abstrakt und die Renditen ungewiss. Für Triodos IM liegt der Schlüssel in der Landnutzung: Über 70 % der Flächen in Europa und Nordamerika entfallen auf Land- und Forstwirtschaft – gleichzeitig die Haupttreiber des Biodiversitätsverlusts.

Land- und Forstwirtschaft bieten einen konkreten Ansatzpunkt

Durch die Verknüpfung von Biodiversität mit nachhaltiger Landnutzung entsteht ein belastbares Geschäftsmodell mit positivem Impact und attraktiven Renditen. Studien zeigen, dass der Verlust von Ökosystemen nicht nur ökologische, sondern auch erhebliche wirtschaftliche Folgen hat – von gestörten Lieferketten bis hin zu Risiken für Finanzmärkte. Dennoch fließen weltweit lediglich rund 220 Milliarden US-Dollar in den Schutz und die Wiederherstellung von Natur, während etwa 7,3 Billionen US-Dollar in naturbelastende Aktivitäten investiert werden. Die private Finanzierung hinkt deutlich hinterher, was die Investitionslücke noch vergrößert. Viele Pensionsfonds prüfen, wie sie Biodiversität in ihre Anlagepolitik integrieren können. In der Praxis liegt der Fokus jedoch nach wie vor hauptsächlich auf der Minderung naturbezogener Risiken und der Begrenzung von Umweltschäden.

Transformation zu regenerativer Landwirtschaft und nachhaltiger Forstwirtschaft

In den kommenden Jahren wird in Europa und Nordamerika viel Land den Besitzer wechseln, da viele Landwirte kurz vor dem Ruhestand stehen. Das Risiko besteht darin, dass sich die Bodenqualität weiter verschlechtert, wenn das Land ein Teil großer Anbausysteme wird, die auf Monokulturen und den massiven Einsatz von Chemikalien setzen. Gleichzeitig entstehen für Akteure Chancen, die das verfügbare Land nachhaltig bewirtschaften wollen, dafür aber Kapital benötigen. Vor diesem Hintergrund plant Triodos IM in diesem Jahr die Auflage eines Biodiversitätsfonds mit Fokus auf Landwirtschaft und Forstwirtschaft in Europa und Nordamerika. In Nordamerika arbeitet der Vermögensverwalter mit dem kanadischen Partner Fondaction zusammen, einem Pensionsinvestor mit umfassender Erfahrung in nachhaltigen Investitionen in Natur, Landwirtschaft und Forstwirtschaft. Diese Sektoren sind maßgeblich für Biodiversitätsverluste verantwortlich, bieten jedoch zugleich konkrete Hebel für positive Veränderungen. Genau hier setzt der Triodos IM Ansatz an und umfasst Investitionen in eine regenerative und nachhaltige Bewirtschaftung.

Zukunftsfähige Strukturen schaffen, die stabile Erträge sichern und die Biodiversität stärken

Ein zentraler Hebel liegt dabei in der Transformation der Land- und Forstwirtschaft hin zu nachhaltigeren Bewirtschaftungsformen. In der Landwirtschaft geht der Trend zunehmend von konventionellen hin zu regenerativen Ansätzen – etwa durch Mehrfruchtanbau, verbesserte Bodenbewirtschaftung, den Einsatz organischer Düngemittel sowie die Wiederherstellung von Bodenqualität und Wasserhaushalt. Gleichzeitig trägt der reduzierte Einsatz von Betriebsmitteln wie Pestiziden und Wasser wesentlich zur Effizienzsteigerung und Kostensenkung bei. Auch in der Forstwirtschaft zeichnet sich ein Wandel hin zu naturnahen Bewirtschaftungsformen ab. Dazu zählen eine stärkere Diversifizierung von Baumarten und Altersstrukturen, die Förderung natürlicher Regeneration sowie der Ausbau von Schutzgebieten und die bessere Vernetzung von Ökosystemen. Nachhaltige Bodenbewirtschaftung senkt langfristig die Kosten – ein Effekt, der durch Studien zunehmend belegt ist. Zudem steigt die Nachfrage nach nachhaltig produzierten Lebensmitteln und Holz, insbesondere in Europa, was sich in entsprechenden Preisaufschlägen niederschlägt. Technologische Entwicklungen verstärken diesen Effekt: Sensorik und Satellitendaten ermöglichen eine präzise Überwachung von Boden, Wachstum und Klimarisiken.

Zu den wirtschaftlichen Vorteilen der Transformation zu regenerativer Landwirtschaft und nachhaltiger Forstwirtschaft zählen neben die erwähnten geringeren Betriebskosten auch die steigende Nachfrage nach nachhaltig produzierten Gütern sowie zusätzliche Erlösquellen wie CO₂-Zertifikate.

Autor: Karel Nierop, Head of Products & Solutions bei Triodos Investment Management (IM)

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