Mentoren, Familie und Prozentrechnung

Mentoren, Familie und Prozentrechnung

Dr. Markus Elsässer über Erfolg und sein neues Buch „Dieses Buch ist bares Geld wert“

04.05.2021 | 11:21 Uhr

Warum trägt Ihr neues Buch den Titel „Dieses Buch ist bares Geld wert“?

Wir hatten lange überlegt, ob wir das Buch nicht „Tipps und Tricks aus dem Privatkontor“ nennen sollen. Das trifft es auch. Dann hatten wir aber die Befürchtung, dass die sehr vielen jungen Leser gar nicht mehr wissen, was ein Privatkontor ist. Daraufhin haben wir gesagt: In dem Buch sind so viele wertvolle Erkenntnisse aus meinen persönlichen Fehlern und positiven Erfahrungen enthalten, dass wenn ein Leser vielleicht nur einen Satz liest und hieraus eigene Fehler korrigieren kann, das Buch mit 15 Euro tatsächlich bares Geld wert ist; insbesondere für die Menschen, die auf dem Weg zum Erfolg einen Sparringspartner haben wollen. Wahrscheinlich die beste Aktie überhaupt.

Wird manchen Menschen der Erfolg in die Wiege gelegt?

Das ist leider der grandiose Irrtum zumindest in unserer westeuropäischen Kultur. Die Menschen werden viel zu früh von der Familie oder Schule in ein bestimmtes Muster gepresst. Die Betonung liegt zu sehr auf den Schwächen und den Abweichungen, die nicht der Norm entsprechen. Jeder kommt mit einer Stärke zur Welt und die Herausforderung ist, diese im Laufe des Lebens zu entdecken. Das gelingt dem einen schon in der Jugend und manchen erst mit 40,50 oder später. Die Kunst ist es, sich auf die Förderung dieser Stärke zu konzentrieren. Daraus erwachsen Zufriedenheit, Gesundheit: auch ein Erfolg, egal in welchem gesellschaftlichen Umfeld.

Sie empfehlen in dem Buch, dass jeder sich einen Mentor suchen sollte. In welchen Bereichen sollte ich mir diesen suchen, und was macht einen guten Mentor aus?

Generell ist der Spruch „jeder muss im Leben seine eigenen Erfahrungen machen“ richtig. Aber es ist von einem unschätzbaren Vorteil, wenn man sich in Erfahrungen anderer einklinken kann und von diesem Punkt aus seine eigenen Erfahrungen macht. Nicht in jeder Familie kann man einen Rat zu dem Feld bekommen, in dem man sich bewegt. Viele Menschen sind auf einem beruflichen Umweg und die lassen sich ersparen, wenn man auf einen Mentor stößt.

Was einen guten Mentor ausmacht, muss mit viel Bedacht überlegt werden. Im Laufe des Lebens werden manche Menschen großherzig und haben eine Freude daran anderen zu helfen. Andere beneiden junge Leute um die Jugend. Tiefenpsychologisch ist das wichtig zu spüren, das sagt Ihnen keiner. Der Mentor muss jemand sein, der in gar keiner Weise einen Interessenskonflikt hat und irgendetwas von Ihnen will. Er muss Ihnen etwas Gutes wollen, ohne Sie zu lieben. Deshalb würde ich einen Mentor außerhalb der Familie suchen. Diese Liebe ist nicht immer ein guter Nährboden für ein Mentoring.

Wo finde ich einen solchen Mentor?

Das kommt natürlich sehr auf die jeweilige Lebenssituation an. Sehr viele können im beruflichen Umfeld jemanden finden. Wenn man sich an ältere Menschen wenden möchte, ist es ideal jemanden zu fragen, der in Pension geht. Diese Leute sind noch topfit, in der Blüte ihres Lebens. Wenn man jemanden sieht, der in der Zeit geblieben ist, kann man um ein Vier-Augen-Gespräch bitten und sagen: „Ich habe in Ihrem Team gearbeitet oder Sie in vielen Sitzungen erlebt. Möchten Sie nicht mein Mentor werden und wir treffen uns 4x im Jahr und Sie begleiten mich auf meinem Weg.“ Vielleicht verweist er Sie an jemand anderen, das ist aber nicht schlimm. Man muss sich da handverlesen vorrobben, das kann man nicht über Google finden. Das A und O ist, dass man keine Hemmungen hat, jemanden anzusprechen. Mehr als nein sagen kann er ja nicht.

Muss es immer ein kostenloser Mentor sein?

Es gibt viele Vollzeit-Mentoren, die hinter den Kulissen davon leben. Wenn man ein junger Mensch ist, muss man die Trumpfkarte der Jugend ausspielen. In dieser Phase kann man ja nicht dauerhaft einen Mentor bezahlen. Später ist es aber sicher eine falsche Stelle, an der gespart wird. Wenn man nicht weiterkommt und einen Rat braucht, das ist ein sehr kluges Investment. Es gibt auch Vorstände von großen Unternehmen, die hinter sich einen Mentor haben und keine großen Entscheidungen ohne ein Gespräch mit diesem treffen. Der Vorteil ist, dass sie eine Antwort bekommen, die manchmal nur 30 Sekunden braucht: „In gar keinem Fall, weil…. Auf Wiederhören.“ Das ist ein Vermögen wert, so ein Satz. Das geht nur mit Menschen, die unglaubliche Erfahrung haben und den Wilen und die Passion, sich voll und ganz in den anderen hineinzuversetzen. Diese Kombination bringt es.

Sie raten zu dem sogenannten Clantreffen, was 2x im Jahr abgehalten werden sollte. Was steckt dahinter?

Eine gute Ausbildung ist sehr wichtig, aber was als weitere Quelle für Erfahrung und Knowhow völlig ungenutzt bleibt, ist die Orientierung auf die Familie im weiteren Sinn. Dieser Trend, nach dem Erwachsenwerden so schnell es geht sein eigenes Süppchen zu kochen, ist nicht immer zielführend. Um im Leben gut voran zu kommen, ist es besonders gut, sich mit denjenigen auszutauschen, die Ihnen mit Liebe zugewandt sind und Sie seit dem Sandkasten kennen. Oft liegt es nicht an Detaildingen bei einer Entscheidung, sondern an Grundsätzlichem. Wenn jemand z.B. von der Grundkonstitution ein Langschläfer ist und jetzt mit dem Modell ankommt, verfaultes Fallobst aus Rumänien nachts bis früh morgens am Rotterdamer Großmarkt zu verkaufen, wird er das nicht drei Jahre voller Freude durchhalten. Solche Ratschläge geben Ihnen keine Unternehmensberater. McKinsey sagt Ihnen das nicht so.

Was sollte auf so einem Clantreffen besprochen werden und was nicht?

Das kommt ganz auf die Familienkultur an. Zwei Dinge sind dabei fundamental wichtig: Das eine ist das Thema Geld. Je ehrlicher man da ist, umso besser. Das zweite ist das Potenzial jedes einen zu mobilisieren. Die meisten Menschen holen nicht genug aus der Wundertüte des Lebens hinaus. Die Familie ist ein wunderbarer Ort über Entscheidungen wie Ausbildungsschritte, Selbstständigkeit oder einen Jobwechsel zu sprechen, weil die Familie nie zusammenbricht. Regierungen oder Währungen können zusammenbrechen, aber der Austausch in so einem Clan ist am Ende das, was bleibt.

Wie wichtig ist aus Ihrer Sicht das eigene Umfeld für den Erfolg eines Menschen?

Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Es bringt nichts, ein einsamer Wolf zu werden, der auf Grund seiner eigenen vermeintlichen Klugheit meint, er selbst sei oberschlau. Auf der anderen Seite bring es nichts, sich selbst zu ignorieren, selbst zu erforschen und man stürzt sich nur in einen tollen Freundeskreis. Gute lange Beziehungen sind Gold wert. Gefährlich sind Freundschaften, die sich zufällig z.B. aus dem Beruf ergeben, weil man damit bestimmte Erwartungen verbindet. Wichtig ist, dass man sich ein Netzwerk aus Personen aufbaut, die Erfahrungen und Wissensgebiete haben, die man selbst nicht hat und man sich sympathisch ist und zum Hörer greifen kann, um seinen Horizont zu erweitern. Das Netzwerk ist wichtig für den Erfolg, Wissensausbau und Freunde wirklich für tiefe Herzensfreundschaften. So würde ich die Trennung sehen.

Was sollte man bei den Finanzen berücksichtigen, wenn man lange erfolgreich sein will?

Das Entscheidende ist, dass man weiß, wo man hinwill. Der Punkt ist, nicht entscheiden, wie der 1. Job aussieht und was man da verdient, sondern welches Ziel man finanziell hat. Die Eltern, Schulen und Universitäten erziehen uns das Träumen ab. Besonders bei der Potenzialanalyse und -kommunikation kommt ein Mentor toll zum Einsatz. Wenn ich mit 70 Jahren 5 Mio. Euro haben möchte, hat das maßgeblichen Einfluss darauf, welchen Anfangsjob ich wähle. Ich kann z.B. einen Job wählen, der mir am Anfang sehr viel Geld bringt, aber mich in eine Sackgasse führt, aus der ich nicht mehr herauskomme. Genauso gut kann ich zu einem Arbeitgeber gehen, bei dem ich gut bezahlt werde und gleichzeitig sehr viel lerne. Jeder, der ein Gehalt bezieht, schuldet seine ganze Arbeitskraft seinem Arbeitgeber. Egal wo ich bin, liefere ich gute Arbeit ab und wenn ich klug bin, liefere ich 110 Prozent. Wenn Sie das ein Leben lang durchhalten, müssen Sie sich gar nicht viele Gedanken machen. Dann kommt der Aufstieg von alleine. Kapitalbildung, Träumen, daraus eine Vision machen und dann pragmatisch Berufsschritte in diese Richtung umsetzen. Das erhöht die Chance, mit dem Kapital erfolgreich zu werden. Sie können ein noch so guter Geldanleger sein später. Wenn Sie einfach zu wenig verdienen, ist da eine Decke eingezogen. Weiterhin brauchen Sie eine optimistische Grundhaltung, trotz aller knallharten realistischen Analysen des Zeitgeschehens und Umfeldes. Ohne eine solche Grundeinstellung brauchen Sie sich mit Kapitalthemen nicht zu beschäftigen.

Weiterhin empfehle ich von Anfang Ihres Berufslebens an das 10 Prozent Bruttolohnmodell. Sobald Sie einen Job haben und es irgendwie geht, müssen Sie 10 Prozent vom Bruttoeinkommen wie eine Zahlung an eine Krankenkasse als eine Dauersparrate auf ein Sonderkonto übertragen. Wenn Sie das ein Leben lang durchhalten und mit dem Geld lernbereit arbeiten, werden Sie sehr vermögend sterben. Wenn Sie sich einmal an Ihren Nettolohn gewöhnt haben und davon ausgehen, haben Sie Ihre Lebensverhältnisse auf dieses Niveau eingestellt. Wenn ich weiß, warum ich das tue, bin ich motiviert. Wer das nicht macht und denkt das Geld fällt vom Himmel, schafft das nicht. Das Geld muss runter von dem Konto, von dem alles bezahlt wird. Nur mit solchen pragmatischen Tricks kriegen Sie den inneren Schweinehund, den Konsumverführer, in den Griff.

Ein weiterer Tipp ist, in Prozent zu rechnen. Als 15-Jähriger habe ich in vier Monaten 16 Prozent verdient. Das waren 48 Euro. Da wusste ich: ich kann 16 Prozent verdienen. Ob von meinem damaligen Betrag oder von einer Million. Wüsste ich nicht, warum ich das tue, hätte ich gesagt. „Ja gut, 48 Euro so ein Quark. Bringt mich das meinem Ziel näher reich zu werden?“ Von den 48 Euro kaufe ich mir jetzt eine Flasche Wein. Mit 55 Euro habe ich angefangen, und alles andere kommt nur aus Fleiß, Sparsamkeit und einer intensiven Beschäftigung damit, was ich mit meinen Ersparnissen mache.

Der Autor Dr. Markus Elsässer ist seit 1998 selbstständiger Investor und Fondsberater sowie Gründer der ME-Fonds, die er seit mehr als 18 Jahren betreut. In seinem Buch, im "Des klugen Investors Podcast" und auf seinem YouTube-Channel geht er regelmäßig auf Handwerkszeug zum Value-Investing, psychologische Gefahren beim Investieren und wertvolle Tipps zum Vermögensaufbau ein.

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