Greiff AG: Wir stehen am Beginn eines neuen Rohstoff-Zyklus

Greiff AG: Wir stehen am Beginn eines neuen Rohstoff-Zyklus

Seit 15 Jahren beraten Joachim Berlenbach und seine Earth Resource Investment Group Anlagen in Rohstoffaktien. Der promovierte Geologe blickt trotz aller Erfahrung auf ein herausforderndes Jahr zurück, das u.a. einen negativen Ölpreis hervorbrachte.

19.01.2021 | 10:32 Uhr

„Wir stehen am Beginn eines neuen Rohstoff-Zyklus“

Rohstoff-Experte Joachim Berlenbach und Greiff Vertriebsvorstand Udo Wedler im Interview

Seit fast 15 Jahren beraten Joachim Berlenbach und seine Earth Resource Investment Group (ERIG) Anlagen in Rohstoffaktien. Der promovierte Geologe blickt trotz aller Erfahrung auf ein herausforderndes Jahr 2020 zurück, das unter anderem einen negativen Ölpreis hervorbrachte. Warum Berlenbach trotz aller Herausforderungen für Rohstoffe so positiv wie lange nicht mehr auf Industriemetalle wie Kupfer, Nickel oder Silber blickt, den Beginn eines neuen Rohstoff-Zyklus erwartet und wie er es erfolgreich schafft, die Themen Nachhaltigkeit und Rohstoffe in einem neuen Impact-Ansatz zu kombinieren, erklären er und sein Vertriebspartner Udo Wedler von der Greiff AG im Gespräch mit der PartnerLOUNGE.

PartnerLOUNGE: Herr Berlenbach, ein bewegtes Jahr liegt hinter uns. Das gilt auch für Rohstoffe und Edelmetalle. Wie fällt Ihr Rückblick auf das vergangene Jahr aus?

Berlenbach: Das ist richtig. Bereits im November 2019 analysierten wir in Erwartung eines dynamischen Wachstums der Weltwirtschaft steigende Rohstoffpreise ab 2020, nachdem Industriemetalle und Rohstoffe generell fast zehn Jahre ohne jegliches Interesse für viele Investoren waren. Vor allem Industriemetalle wie beispielsweise Kupfer zeigten ein enormes Aufholpotential bei einem Anziehen der Weltkonjunktur. Außerdem haben wir eine deutlich positive Einschätzung in Öl gehabt. Die Nachfrage nach Öl war Ende 2019 stark angestiegen und hatte zum ersten Mal die Marke von 100 Millionen Barrel Öl pro Tag überschritten. Insofern war der Rahmen zu Beginn des vergangenen Jahres sehr positiv. Und dann kam Corona…

PartnerLOUNGE: … wodurch vor allem auch Rohstoffe wie Öl hart getroffen wurden.

Wedler: Es kam im Rohstoff-Bereich durch die Corona-Krise zu einer heftigen Korrektur, die sich im März auch auf die Rohstoffstrategien der Universal Investment (Earth Gold Fund UI, Earth Exploration Fund UI und Earth Sustainable Resources Fund; Anmerkung der Redaktion) auswirkte. Aber die hohe Flexibilität in der Sektor-Rotation und in der Kassehaltung ist eine der größten Stärken der Fonds. Industriemetalle und Öl wurden z.B. fast komplett aus dem Portfolio des Earth Exploration Fund UI genommen, die Allokation in Gold und Silber ausgebaut und eine höhere Kasseposition aufgebaut. Gold und Silber liefen zu Beginn der Corona-Krise sehr gut. Der Earth Sustainable Resources Fund, der erst Ende 2019 gestartet wurde, war ohnehin noch nicht voll investiert und hatte deswegen eine höhere Kasseposition. Außerdem investiert der Earth Sustainable Resources Fund auch in erneuerbaren Energien, die über das ganze Jahr hinweg gut liefen. Das war im Corona-Umfeld hilfreich.

PartnerLOUNGE: Dass viele Investoren in der Krise auf Gold gesetzt haben ist verständlich. Warum sollte man aber auch Silber im Auge behalten?

Berlenbach: Silber ist nicht nur der kleine Bruder von Gold, sondern hat auch einen höheren Industriemetall-Charakter als jemals zuvor. Denn Silber ist einer der großen Gewinner der Energiewende und wird für Solaranlagen zwingend benötigt.

Wedler: Basierend auf dieser Einschätzung wurde die strategische Silber-Gewichtung in allen Fonds stärker aufgebaut. Im Earth Exploration Fund UI lag die Silber-Quote Ende August beispielsweise bei rund 30 Prozent, das ist historisch gesehen sehr hoch. Ergänzt wurde diese Allokation durch eine taktische Gold-Gewichtung von über 50 Prozent, einer hohen Cash-Quote sowie einer nur niedrigen Gewichtung bei den Industriemetallen. Dieser hohe Silber-Anteil hat den Fonds aber vor allem im zweiten Quartal geholfen, eine positive Performance zu erzielen.

PartnerLOUNGE: Schwierig hatte es hingegen vor allem der Ölpreis, wobei die nordamerikanische Marke WTI kurzfristig sogar im negativen Bereich notierte. Sie haben viele Jahrzehnte Erfahrung als Geologe und Fonds-Berater. Aber ein negativer Ölpreis war auch für Sie Neuland, oder?

Berlenbach: (lacht) Allerdings, das habe auch ich noch nicht erlebt. Klar war aber auch, dass dieser Preis nur kurzfristig negativ sein konnte. Aber die Lager der Fracking-Unternehmen in den USA waren voll und die Unternehmen wussten nicht wohin mit ihrem Öl, das sich aufgrund der erodierten Nachfrage quasi aufstaute. Aufgrund der Corona-Krise ist der Ölbedarf rapide auf teilweise 85 Millionen Fass Öl pro Tag gefallen. Das ist eine Menge, wie sie vor 15 Jahren pro Tag benötigt wurde. Mittlerweile sind wir aber wieder bei 92 Millionen Fass Öl angekommen und irgendwann wird auch die Corona-Krise vorbei sein und Öl wieder stark nachgefragt werden. Natürlich muss und wird die Nutzung von fossilen Brennstoffen sinken. Aber das wird schrittweise passieren und nicht auf einen Schlag. Deswegen wird Öl für die globale Wirtschaft weiterhin sehr wichtig bleiben; und auch der Ölpreis wird sich dann deutlich erholen.

PartnerLOUNGE: Ein Rohstoff, den viele Investoren bisher nicht so sehr auf dem Radar hatten, ist hingegen Kupfer. Welche Bedeutung hat Kupfer für Sie?

Berlenbach: Der Kupferpreis kennt seit April 2020 eigentlich nur eine Richtung: Steil nach oben. Von unter 5.000 US-Dollar hat sich der Kupferpreis bis zum Ende des Jahres 2020 auf fast 8.000 US-Dollar pro Tonne gesteigert. Hier sehen wir eine Dynamik, deren Geschwindigkeit uns auch überrascht hat.

Wedler: Im dritten Quartal hat der Earth Exploration Fund UI langsam begonnen, wieder Positionen in Industriemetallaktien aufzubauen. Per Ende August 2020 hielt der Fonds elf Prozent Industriemetalle im Portfolio, wobei der Fokus auf unterbewerteten Produzenten wie First Quantum und Capstone Mining lag. Der stetig gestiegene Kupferpreis kam vor allem dem Earth Sustainable Resources Fund zugute, dessen Mandat auf Industriemetalle für erneuerbare Energien fokussiert ist und der über das ganze Jahr hinweg Aktien von Industriemetallproduzenten hielt. Rückblickend war der Fonds aber zu vorsichtig, weil die erwartete weitere Korrektur bei den Industriemetallen angesichts der zweiten Corona-Welle ausblieb.

PartnerLOUNGE: Setzt sich dieser positive Trend fort und stehen wir am Beginn eines neuen Rohstoff-Zyklus?

Berlenbach: Wir sehen ein großes Momentum für Industriemetalle wie Kupfer, Kobalt, Zink und Nickel. Unter anderem getrieben durch den neuerlichen Aufschwung in China sehen wir bei fast allen Industriemetallen eine hohe Nachfrage bei einer gleichzeitig sinkenden Produktion. Langfristig kommt hinzu, dass die Nachfrage nach diesen Industriemetallen aufgrund der Energiewende und dem steigenden Bedarf für Solaranlagen und Windkraftwerken steigen wird. Steigende Investitionen in die Infrastruktur spielen hier auch eine große Rolle. Nickel wird beispielsweise für Teslabatterien, aber auch für die Herstellung von Stahl benötigt. Wir als Geologen fragen uns, wo diese Menge an Metallen in den kommenden Jahren herkommen soll. Man kann zum Beispiel ausrechnen, dass wir in den nächsten 30 Jahren so viel Kupfer, wie in der gesamten bisherigen Menschheitsgeschichte benötigen! Die Nachfrage nach Kupfer und anderen Industriemetallen steigt exponentiell. Deswegen ist diese Rohstoff-Nachfrage kein Hype, sondern ein langfristiger Trend.

PartnerLOUNGE: … der zu weiter steigenden Rohstoffpreisen führt?

Berlenbach: Richtig. Die Nachfrage steigt enorm, aber das Angebot hinkt hinterher. Vom ersten Bohrloch bis zur Produktion benötigt ein Minenprojekt zehn bis 15 Jahre. Deswegen sind steigende Rohstoff-Preise fundamental begründet. Wir stehen am Beginn eines neuen Rohstoff-Zyklus. Viele Jahre wurden Rohstoffe gemieden, jetzt gibt es aber mehrere positive Treiber: Die Aktien der Rohstoff-Unternehmen sind unterbewertet, die großen Unternehmen schütten Dividenden aus und aufgrund des massiven Rohstoff-Bedarfs bei der Energiewende haben Rohstoff-Unternehmen und deren Aktien ein insgesamt positives Umfeld. In den vergangenen zehn Jahren war der Rohstoff-Sektor von der allgemeinen positiven Marktentwicklung abgekoppelt. Aber seit dem vierten Quartal 2020 sehen wir einen Trendwechsel, der nachhaltig sein wird.

PartnerLOUNGE: Schließen sich Nachhaltigkeit und Rohstoffe nicht per se aus?

Berlenbach: Ganz und gar nicht. Man macht es sich zu einfach, wenn man aufgrund der steigenden Bedeutung von Nachhaltigkeit die Minenbetreiber verteufelt. Rohstoffe sind zentral für die Energiewende. Ohne Rohstoffe wie Kupfer, Nickel oder Silber können wir keine nachhaltige Infrastruktur, keine Solarkraftwerke oder Windturbinen bauen.

Wedler: Ein Rohstoff-Fonds lässt sich durchaus mit Nachhaltigkeit vereinen, wenn man die ESG-Analyse bei den Firmen selbst ansetzt. Ende 2019 hat Universal Investment mit dem Earth Sustainable UI Fund einen nachhaltigen Rohstoff-Fonds gestartet. Dieser Fonds basiert auf einem Nachhaltigkeitsfilter, der von Dr. Pereshia Berlenbach im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit entwickelt wurde. Bei diesem neuartigen Ansatz wird auch der direkte Kontakt mit den Rohstoff-Firmen gesucht und es konnten erwiesenermaßen auch schon Verbesserungen bei den Nachhaltigkeitsstrategien dieser Firmen erzielt werden. Mit diesem Impact-Engagement kann der Fonds zu einer positiveren Einstellung der Investoren zum Bergbau beitragen. Denn: Für den Übergang zu einer nachhaltigen Gesellschaft müssen Bergbau und Rohstofferzeugung als Teil einer nachhaltigen Politik akzeptiert werden. Ziel des Earth Sustainable Resources Fund ist es, einen positiven Beitrag zu leisten und Mehrwerte zu schaffen.

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Mit unseren PartnerLOUNGE Green Friday Fondspräsentationen des Earth Sustainable Resources Fund richten wir uns an interessierte Zuhörer, die eine grundlegende produktspezifische Vorstellung zum Fonds wünschen. Das Webinar ist auf 45 Minuten ausgerichtet und erklärt in seiner Agenda folgende Schwerpunkte:

1. Investmentthese
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3. Expertise
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Quelle Schaubilder: Eigene Berechnungen

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