FAM: Mit High Yields den Niedrigzinsen trotzen und auch mal in „gehasste“ Sektoren investieren

FAM: Mit High Yields den Niedrigzinsen trotzen und auch mal in „gehasste“ Sektoren investieren

Insgesamt dürfte es rund 50 aktiv gemanagte High Yield-Fonds mit Fokus auf in Euro denominierten Papiere geben. Diese unterscheiden sich teilweise recht deutlich.

22.01.2021 | 09:01 Uhr

So haben einige beispielsweise einen klaren Branchen-Fokus – wie etwa Banken oder Infrastruktur – und andere sind ausschließlich in sog. Hybrid-Bonds investiert. Auch in puncto Wertentwicklung unterscheiden sich die Fondslösungen. Seit Jahren vorne dabei ist die Frankfurt Asset Management AG.

Herr Wolf, für das abgelaufenen Jahr steht beim FAM Renten Spezial I (WKN A14N87) eine Wertentwicklung von 4,65 Prozent zu Buche. Mit Anleihen kann der Anleger in der Niedrigzinsphase als doch Geld verdienen?

Ottmar Wolf: In jedem Fall, denn im Gegensatz zum Aktienmarkt ist der Bondmarkt sehr heterogen. Es gibt sehr viele unterschiedliche Segmente. Während bei AAA-Staatsanleihen, wie beispielswiese. Bundesanleihen, keine nennenswerten Erträge mehr drin sind, sehen wir aktuell bei Hochzinsfirmenanleihen sehr viele spannende Investmentmöglichkeiten.

Im Fokus Ihrer Anlagestrategie stehen die erwähnten High Yields, wie definieren Sie diese für sich?

Wolf: Entscheidend ist die Einstufung der Rating-Agenturen. Bonds, die ein Sub-Investmentgrade-Rating erhalten, sind sog. High Yield Bonds. Manche bezeichnen es auch als „Junk Bonds“, wobei diese Bezeichnung teilweise etwas irreführend ist.

Was bedeutet das konkret für Ihre Investments?

Wolf: Wir interessieren uns insbesondere für Unternehmen mit einem stabilen Geschäftsmodell, einer starken Markt- und Wettbewerbsposition und klaren Markteintrittsbarrieren, und ganz wichtig einer soliden Cash-Generierung. Bei solchen Unternehmen kann dann ein höherer Verschuldungsgrad, welcher zwangsläufig zu einem Sub Investment Grade Rating führt, in Kauf genommen werden. Wir nennen solche Firmen „Strong Horse Companies“.

Gleichzeitig sortiert unser Investmentprozess jedoch über 90% der am Markt ausstehenden High Yield Bonds aus, einerseits mangels ausreichender Rendite und andererseits aufgrund zu hoher Risiken. Hier hilft unser FAM Credit Scoring Model, um Pleitekandidaten erfolgreich auszusortieren. Eine differenzierte Vorgehensweise ist entscheidend für den Anlageerfolg.

Erzählen Sie uns noch ein wenig mehr zu ihrem Investmentansatz für den FAM Renten Spezial.

Wolf: Der Ansatz ist chancenorientiert bei gleichzeitiger Risikokontrolle. Wir interessieren uns insbesondere für High Yields mit Renditen von über fünf Prozent und scheuen uns auch nicht, Anleihen die weit unter 100 notieren und zweistellige Renditen bringen, anzuschauen und in Einzelfällen auch zu allokieren. Gerne investieren wir dort, wo bekannte Risiken eingepreist sind bzw. übertrieben stark eingepreist sind.

Ein Kernelement ist bei uns neben den bereits erwähnten Kriterien die sog. „Rekapitalisierungs-Chance“, also die Fragestellung, ob die Firma notfalls frisches Geld bekommen würde. Bei vielen Investments war dies der Fall, z.B. durch Kapitalerhöhungen. Der Aktionär „blutet“ dann quasi und der Bondholder profitiert. Beispiele hierfür waren in der letzten Zeit die Airlines und Kreuzfahrtunternehmen. Hier sind wir inzwischen aber ausgestiegen, weil sich die Kurse mit dem Impfstoffmeldungen extrem erholt haben.

Gibt es Merkmale, mit denen Sie sich von den anderen Marktteilnehmern im Fondssegment High Yields unterscheiden?

Wolf: Der FAM Renten Spezial ist nicht festgelegt und schaut sich alle Anleihen mit attraktiver Rendite (typischerweise ab fünf Prozent) an, unabhängig von der Rangstellung, des Sektors oder der Region. Zuletzt sind wir so auch im Segment der Wandelanleihen mehrfach fündig geworden und konnte hier Titel mit 2stelliger Rendite in den Fonds reinkaufen. 2016 haben wir verstärkt Mining-Bonds und Nachrang-Financials im Fonds gehabt, denn das waren es damals die meist-gehassten Sektoren. Dieser breite Blick ist sicherlich ein Unterscheidungsmerkmal.

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