Was deutsche institutionelle Anleger vom niederländischen Vorstoß lernen können

Karim Chatti, Senior Relationship Manager DACH bei Triodos Investment Management (IM)
Impact Investing

Der niederländische Beirat für Impact Investing (NAB) fordert institutionelle Anleger auf, mindestens 10 Prozent ihres verwalteten Vermögens in Impact-Investments zu investieren. Das Ziel ist freiwillig, aber strategisch relevant:

02.09.2026 | 09:12 Uhr

Es soll die Impact-Allokation von derzeit geschätzten 4 bis 6 Prozent innerhalb von fünf Jahren verdoppeln – und Impact Investing aus der Nische in die Portfoliosteuerung überführen. Die Größenordnung ist nachvollziehbar. Für die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen werden jährlich rund 4 Billionen US-Dollar benötigt. Öffentliche Mittel allein reichen dafür nicht aus. Privates institutionelles Kapital muss stärker mobilisiert werden. Entscheidend ist dabei, Impact nicht als Verzicht auf Rendite zu verstehen, sondern als Kombination aus Intentionalität, messbarer Wirkung und finanzieller Rendite.

Vom Zielwert zur Anlagepraxis

Die Funktion des 10-Prozent-Ziels liegt darin, eine konkrete Größenordnung für die Diskussion in den Führungsgremien von Pensionsfonds und Versicherern vorzugeben. Einige niederländische Investoren investieren bereits mindestens diesen Anteil oder haben Milliardenbeträge in wirkungsorientierte Anlagen alloziert, ohne das Ziel formal zu übernehmen. Damit verschiebt sich die zentrale Frage: Nicht mehr, ob Impact Investing mit der treuhänderischen Verantwortung vereinbar ist, sondern wie sich Impact systematisch über verschiedene Anlageklassen hinweg umsetzen lässt. Erneuerbare-Energien-Infrastruktur, Speicher und Netzausbau bieten bereits investierbare Lösungen mit institutionell anschlussfähigen Risiko-Rendite-Profilen. Auch bezahlbarer Wohnraum, Gesundheitsversorgung, Land- und Forstwirtschaft eröffnen Möglichkeiten.

Eine enge Definition des Marktes greift daher zu kurz. Impact ist keine eigenständige Anlageklasse. Entscheidend ist, ob Investoren über Aktien, Anleihen, Infrastruktur oder Private Markets hinweg eine beabsichtigte und nachweisbare positive Wirkung erzielen.

Drei Engpässe bremsen die Skalierung

Der Weg zu größeren Allokationen ist dennoch nicht frei. Erstens wirkt die Kultur vieler Finanzinstitutionen bremsend: Bestehende Mandate, Prozesse und Risikomodelle lassen wenig Raum für neue Ansätze. Zweitens fehlt es an einheitlichen Definitionen und belastbaren Standards für Wirkungsmessung und Berichterstattung. Unterschiedliche Begriffe und Methoden erschweren Vergleichbarkeit und erhöhen die Due-Diligence-Kosten. Drittens mangelt es in bestimmten Themenfeldern noch an einer ausreichenden Pipeline. Das gilt insbesondere für Natur und Biodiversität. Hier müssen Asset Manager Projekte strukturieren, Risiken transparent machen und aus noch jungen Märkten institutionell investierbare Produkte entwickeln.

Für Schwellenländer kommt eine weitere Hürde hinzu: Die wahrgenommenen Länderrisiken liegen teilweise über den tatsächlich beobachteten Ausfallrisiken. Blended-Finance-Strukturen können diese Lücke überbrücken, indem öffentliches oder philanthropisches Kapital Teile des Risikos übernimmt und so institutionelle Investitionen den Einstieg ermöglicht.

Auch die Regulierung wird den Markt prägen

Die auf europäischer Ebene verordnete Nachhaltigkeitsberichterstattung kann Transparenz und Verantwortlichkeit erhöhen – vorausgesetzt, die Daten werden konsistent erhoben und tatsächlich in Anlageentscheidungen genutzt. Gleichzeitig bleibt politische Langfristorientierung notwendig, um regulatorische Signale, Kapitalangebot und Projektentwicklung zusammenzubringen.

Das 10-Prozent-Ziel ist deshalb vor allem ein Marktsignal. Es schafft einen ambitionierten Referenzpunkt und erhöht den Druck auf Investoren, Asset Manager und Politik, sich von Wirkungsvorsätzen hin zu investierbaren Lösungen zu bewegen. Ob daraus ein breiter Markt entsteht, wird nicht an der Zahl allein entschieden, sondern an der Qualität der Messung, der Robustheit der Renditemodelle und der Fähigkeit, Kapital in bislang unterentwickelte Märkte zu lenken. Langfristig könnte der Begriff Impact Investing sogar an Bedeutung verlieren. Denn jede Investition hat ökologische und gesellschaftliche Folgen. Die eigentliche Zukunftsfrage lautet daher nicht, welcher Anteil des Portfolios als Impact klassifiziert wird, sondern ob Wirkung, Risiko und Rendite gleichberechtigt in jede Anlageentscheidung einfließen.

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