Janus Henderson Investors: Umfeld für den High Yield-Markt

Janus Henderson Investors: Umfeld für den High Yield-Markt

Tom Ross, Portfoliomanager für Unternehmensanleihen, erörtert das Umfeld für den High Yield-Markt. Dabei spricht er über künftige Zahlungsausfälle, die Bedeutung geld- und fiskalpolitischer Anreize sowie darüber, ob Hochzinsanleihen mit Inflation zurechtkommen können.

20.10.2020 | 11:23 Uhr

Zentrale Erkenntnisse

  • Am Markt für High Yield Bonds sind die Spreads derzeit höher als zu Jahresbeginn. Darin spiegelt sich die Erwartung vermehrter Zahlungsausfälle wider, wenngleich nicht in so gravierendem Umfang, wie das noch im März von den Marktteilnehmern befürchtet wurde.
  • Die Geldpolitik wirkt sich in dreifacher Hinsicht positiv auf das Hochzinssegment aus: durch direkte Unterstützung in Form von Anleihenkäufen der Notenbanken, die Bereitstellung umfangreicher Liquidität zur Refinanzierung der Unternehmen und durch niedrige Zinsen, die den Renditehunger verstärken.
  • Ein möglicher Anstieg der Inflation bereitet im Hinblick auf High Yield Bonds die geringere Sorge. Zum einen bieten ihre Bonitäts-Spreads einen gewissen Puffer für den Fall steigender Renditen bei Staatsanleihen. Zum anderen kann sich ein Preisanstieg positiv auf die Unternehmenserträge auswirken.


Videotranskript

Wie hat sich das High Yield-Segment in der COVID-19-Krise geschlagen?

Die Hochzinsmärkte reagieren sensibel auf die Konjunkturentwicklung, und so sind auch im Zuge der COVID-Krise erwartungsgemäß die Preise gefallen und haben sich die Spreads deutlich erweitert. Seit März erleben wir nun wieder sinkende Spreads, d.h. die Renditen sind im Jahresvergleich weitgehend neutral geblieben. Sie sind aber noch immer höher als zu Jahresbeginn, und dadurch eröffnen sich Chancen für die Zukunft.

Werden Hochzinsanleger für das Ausfallrisiko kompensiert?

Einer der Gründe dafür, dass die Spreads etwas weiter sind als zu Jahresbeginn, liegt darin, dass sie eine Kompensation für das erhöhte Niveau an Zahlungsausfällen am Markt darstellen. Wenn wir in den März zurückgehen, so war damals ein deutlicher Anstieg der Ausfallquoten zu erwarten. Tatsächlich haben aber geldpolitische und fiskalische Anreize seitdem dafür gesorgt, dass die Ausfallquoten zwar dieses Jahr erhöht sind, aber längst nicht so hoch wie man angesichts des Ausmaßes der COVID-Krise im März erwartet hätte. Und für uns als aktive Anleger geht es nun darum, diejenigen Unternehmen auszuwählen, von denen höhere Renditen zu erwarten sind, wenn sie diese Phase erst einmal überstanden haben.
Können Emittenten von Hochzinsanleihen eine höhere Schuldenaufnahme verkraften?

Emittenten von Hochzinsanleihen mussten natürlich höhere Schulden aufnehmen, um den wirtschaftlichen Schock zu überbrücken, der durch die COVID-Krise ausgelöst wurde. Momentan halten wir Ausschau nach Unternehmen, die effektiv versuchen, ihrer Bilanz zu reparieren. Dies ist in der Regel in der Frühphase eines Kreditzyklus der Fall, und diese Unternehmen versuchen nun, die Einnahmen für ein etwas freundlicheres Wachstumsszenario einzusetzen, um die Verschuldung wieder in die Nähe des Vorkrisenniveaus zu bekommen.

Wie wichtig sind geld- und fiskalpolitische Anreize?

Geldpolitische und fiskalische Anreize haben in dieser Krise eine so wichtige Rolle gespielt. Zunächst einmal die Geldpolitik: Sie hatte eine dreifache Wirkung auf die Märkte. Die direkte Wirkung der Käufe, vor allem im Investment-Grade-Markt, aber auch jetzt im Hochzinsmarkt, besonders von Seiten der US-Notenbank. Dann haben wir die Situation, dass die Zinsen für Staatsanleihen weltweit so niedrig sind, dass diese geldpolitischen Anreize die Jagd nach Rendite wirklich befeuern. Tatsache ist auch, dass die geldpolitischen Anreize den Kreditmärkten, dem Hochzinsmarkt, wirklich die Möglichkeit gegeben haben, wieder zu öffnen und Anleihen zu emittieren, Finanzierung bereitzustellen, um den wirtschaftlichen Schock zu überbrücken. Eine wesentliche Rolle spielten auch fiskalische Anreize, denn die Verbraucher waren natürlich von den Lockdowns, die in vielen Ländern verhängt wurden, massiv betroffen, und die fiskalischen Anreize sorgten dafür, dass die Verbraucher in einer viel besseren Lage waren als in jeder Krise der Vergangenheit.

Kommt das Hochzinssegment mit höherer Inflation zurecht?

Der High Yield-Markt kommt aus unserer Sicht auch mit höherer Inflation zurecht und hat sich in entsprechenden Marktsituationen tendenziell recht gut entwickelt. Das liegt teilweise daran, dass Hochzinsanleihen einen zusätzlichen Spread-Puffer gegenüber Staatsanleihen haben, die auf einen Inflationsanstieg sensibler reagieren. Es liegt aber auch daran, dass in Zeiten steigender Preise Hochzinsunternehmen tendenziell recht gut abschneiden. Das potenzielle Risiko höherer Inflation besteht darin, ob sie dazu führt, dass geldpolitische und fiskalische Anreize frühzeitig zurückgezogen werden. Wenn wir uns aber die jüngste geldpolitische Wendung der Fed anschauen, wird ziemlich klar, dass diese bereit ist, höhere Inflation zu tolerieren, und sich eher Sorgen um eine deflationäre Entwicklung wie in Japan macht.

Erläuterungen


Erträge: Der Ertrag des ICE Global High Yield Bond Total Return Index in den ersten neun Monaten des Jahres 2020 betrug -0,3 %. Quelle: Bloomberg, Zeitraum: 31. Dezember 2019 bis 30. September 2020, Wertentwicklung in US-Dollar. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Indikator für die zukünftige Wertentwicklung.

Credit Spread: Renditedifferenz einer Unternehmensanleihe gegenüber einer Staatsanleihe mit derselben Restlaufzeit. Der Spread-to-Worst des ICE Global High Yield Bond Total Return Index lag am 30. September 2020 bei 558 Basispunkten. Am 31. Dezember 2019 war er mit 382 Basispunkten niedriger (Quelle: Bloomberg, 30. September 2020). Weist eine Anleihe besondere Bedingungen auf, beispielsweise wenn sie vom Emittenten zu einem vorab festgelegten Zeitpunkt gekündigt werden kann, ist die Yield-to-Worst die niedrigste Rendite, die die Anleihe erzielen kann, sofern der Emittent nicht ausfällt.

Verbrauchervertrauen: Beispielsweise fiel das Verbrauchervertrauen in den USA gemessen am Conference Board Consumer Confidence Index im April 2020 auf ein Jahrestief von 85,7 %. Im Vergleich dazu lag sein Tiefpunkt während der globalen Finanzkrise bei 25,3 im April 2009. Der Wert für das Verbrauchervertrauen im April 2020 lag höher als in jeder Krise während der letzten 50 Jahre. Quelle: Refinitiv Datastream, Conference Board Consumer Confidence Index; Stand: 30. September 2020.

Inflation: Nimmt man den US-Markt stellvertretend für den globalen Gesamtmarkt, kann man vergleichen, wie sich Hochzinsanleihen, Investment Grade-Unternehmensanleihen und Staatsanleihen aus den USA in Phasen entwickelt haben, in denen die Inflation von einem Tief zu einem Hoch anstieg. Dabei haben High Yield Bonds insgesamt am besten abgeschnitten und lagen über die meisten Zeiträume an erster Stelle (schraffierte Werte).

US-Inflation und Gesamtertrag von US-Anleihenindizes in Phasen steigender Inflation

Tabelle-Inflation

Quelle: Refinitiv Datastream, 31. Dezember 1993 bis 30. September 2020; jährliche Inflationsrate gemessen am US All Urban Consumer Price Index, Gesamtertrag in US-Dollar des ICE BofA US High Yield Index, des ICE BofA US Corporate Index und des ICE BofA US Treasury Index. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Indikator für die zukünftige Wertentwicklung.

Die vorstehenden Einschätzungen sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung und können von denen anderer Personen/Teams bei Janus Henderson Investors abweichen. Die Bezugnahme auf einzelne Wertpapiere, Fonds, Sektoren oder Indizes in diesem Artikel stellt weder ein Angebot oder eine Aufforderung zu deren Erwerb oder Verkauf dar, noch ist sie Teil eines solchen Angebots oder einer solchen Aufforderung.

Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein zuverlässiger Indikator für die künftige Wertentwicklung. Alle Performance-Angaben beinhalten Erträge und Kapitalgewinne bzw. -verluste, aber keine wiederkehrenden Gebühren oder sonstigen Ausgaben des Fonds.

Der Wert einer Anlage und die Einkünfte aus ihr können steigen oder fallen. Es kann daher sein, dass Sie nicht die gesamte investierte Summe zurückerhalten.

Die Informationen in diesem Artikel stellen keine Anlageberatung dar.

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