Meta, Anthropic, Nvidia, Google, OpenAI und SpaceX bilden das neue Börsen-Akronym MANGOS. Doch die Unternehmen sind höchst unterschiedlich. LAIQON setzt bei KI-Aktien vor allem auf Halbleiter und Hyperscaler – und sieht bei den KI-Modellanbietern wachsenden Preisdruck.
01.09.2026 | 10:30 Uhr
Das nächste große Börsenkürzel ist geboren: MANGOS. Seit dem Börsengang von SpaceX im Juni 2026 kursiert der Begriff für eine Gruppe von sechs Unternehmen, die als wichtige Akteure rund um Künstliche Intelligenz und Technologie gelten: Meta, Anthropic, Nvidia, Google, OpenAI und SpaceX. Einige Marktbeobachter sehen in MANGOS bereits den möglichen Nachfolger der bekannten FAANG-Aktien. Doch Frank Schwarz, Senior Portfoliomanager bei LAIQON Asset Management Switzerland, hält das neue Akronym für wenig hilfreich bei der Suche nach attraktiven KI-Investments. Entscheidend sei nicht die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe, sondern die Frage, welche Unternehmen entlang der KI-Wertschöpfungskette nachhaltig Wert schaffen.
Ein genauer Blick auf die sechs Unternehmen zeigt, wie heterogen die Gruppe ist. Meta ist vor allem ein Consumer-Internet-Unternehmen, entwickelt sich nach Einschätzung von Schwarz aber zunehmend in Richtung Hyperscaler. Anthropic und OpenAI sind Anbieter großer Sprachmodelle (Large Language Models, LLMs), während Nvidia als Halbleiterunternehmen vom Aufbau der KI-Infrastruktur profitiert. Google vereint gleich mehrere Geschäftsbereiche: Hyperscaler, Consumer Internet und Large Language Models. SpaceX wiederum verfolgt mit Rechenzentren im Weltraum über Satelliten ein ungewöhnliches Konzept und könnte nach Einschätzung von LAIQON perspektivisch zu einer Art Hyperscaler der Zukunft werden. Gerade diese Unterschiede sprechen aus Sicht des LAIQON-Teams gegen MANGOS als Investmentkategorie. Die Geschäftsmodelle, Ertragsquellen und Risiken der Unternehmen seien zu unterschiedlich, um sie allein aufgrund des Akronyms als zusammengehörige Investmentgruppe zu betrachten.
Besonders positiv beurteilt LAIQON die Perspektiven von Halbleiterunternehmen und Hyperscalern. Sie stellen die technologische Infrastruktur bereit, auf der die weitere Entwicklung der Künstlichen Intelligenz aufbaut. Bei Unternehmen, deren Geschäftsmodell unmittelbar auf Large Language Models basiert, fällt die Einschätzung dagegen zurückhaltender aus. Der Grund ist der zunehmende Wettbewerb. Die Leistungsfähigkeit verschiedener KI-Modelle nähert sich nach Einschätzung von Schwarz immer weiter an. Dadurch könnten die Anbieter stärker unter Preisdruck geraten. Als Beispiele nennt der Portfoliomanager ChatGPT, Gemini und Claude. ChatGPT habe seinen anfänglichen Vorsprung inzwischen verloren. Im Konsumentenbereich sei Gemini aufgeschlossen, während Claude bei Geschäftskunden als stärkeres Produkt eingeschätzt werde. Auch chinesische KI-Modelle würden leistungsmäßig aufholen und könnten teilweise zu niedrigeren Kosten angeboten werden.
Auch das etablierte FAANG-Konzept bildet die aktuelle Technologielandschaft nach Einschätzung von LAIQON nur noch unzureichend ab. Die ursprüngliche Abkürzung stammt aus der klassischen Internetära und umfasst Facebook beziehungsweise Meta, Amazon, Apple, Netflix und Google. Seither haben sich die Geschäftsmodelle der Unternehmen deutlich verändert. Besonders deutlich wird das am Beispiel Google: Das Cloud- beziehungsweise Hyperscaler-Geschäft hat nach Einschätzung von Schwarz inzwischen eine größere Bedeutung als die klassische Google-Suche oder YouTube. Gleichzeitig werden die neuen Geschäftsbereiche rund um KI durch FAANG nicht ausreichend erfasst. Trotzdem will Schwarz für die Investmentanalyse nicht auf MANGOS setzen, sondern weiterhin die Magnificent Seven als Ausgangspunkt verwenden. Der entscheidende Unterschied: Mit Amazon und Tesla sind dort Unternehmen enthalten, denen LAIQON ebenfalls erhebliches KI-Potenzial zuschreibt. Darüber hinaus nennt Schwarz unter anderem TSMC, Samsung, SK Hynix, Micron, AMD, Broadcom und SpaceX als Unternehmen mit großem Potenzial im KI-Bereich. Bei den KI-Anwendern seien zudem beispielsweise Axon und Palantir interessant.
Ein weiterer Unterschied zwischen MANGOS und den Magnificent Seven ist die Börsennotierung. Während Nvidia, Google und Meta bereits seit längerer Zeit börsennotiert und profitabel sind, sind Anthropic und OpenAI bislang nicht an der Börse. Beide Unternehmen sind nach Einschätzung von LAIQON auf frisches Kapital angewiesen. Der zunehmende Preiskampf unter den LLM-Anbietern erhöht dabei den Finanzierungsdruck. Bei OpenAI könnte ein möglicher Börsengang besonders relevant werden. Sollte dieser nicht gelingen, könnte Microsoft nach Einschätzung von Schwarz gezwungen sein, sich stärker an dem Unternehmen zu beteiligen. Anthropic werden dagegen größere Chancen für einen Börsengang eingeräumt. Allerdings sei offen, ob die angestrebte Bewertung von 2.000 Milliarden US-Dollar erreicht werden könne. Bei Nvidia, Google und Meta sieht LAIQON dagegen eine andere Ausgangslage. Die drei Unternehmen seien bereits profitabel und nach Einschätzung des Investmentteams nicht zu hoch bewertet. Anthropic, OpenAI und SpaceX würden hingegen hohe Wachstumsraten voraussetzen und seien bislang nicht profitabel.
Eine besondere Rolle spielt in der Analyse SpaceX. Sollte es dem Unternehmen gelingen, KI-Rechenleistung mithilfe von Satelliten in den Weltraum zu verlagern, könnte daraus ein neues Geschäftsmodell entstehen. LAIQON sieht darin potenziell eines der größten Chancenfelder innerhalb der MANGOS-Gruppe. SpaceX könnte in diesem Szenario zu einer Art Hyperscaler der Zukunft werden. Gleichzeitig zeigt das Beispiel, wie stark sich die KI-Wertschöpfungskette derzeit verändert und wie neue Infrastrukturkonzepte entstehen.
Für LAIQON bleibt deshalb nicht ein bestimmtes Börsenkürzel, sondern der Ausbau der KI-Infrastruktur das entscheidende strukturelle Wachstumsthema. Das Investmentteam erwartet, dass die Nutzung von Künstlicher Intelligenz in den kommenden Jahren weiter stark zunimmt. Neue Anwendungsfelder könnten unter anderem selbstfahrende Autos, humanoide Roboter und die Automatisierung zahlreicher Bürotätigkeiten sein. Davon könnten Unternehmen entlang der gesamten KI-Wertschöpfungskette profitieren. Gleichzeitig sieht LAIQON erhebliche Herausforderungen. Dazu gehören die Profitabilität einzelner KI-Geschäftsmodelle, die Finanzierung des weiteren Ausbaus sowie die Frage, ob ausreichend Strom für die wachsende Zahl von Rechenzentren zur Verfügung steht. Der KI-Boom dürfte deshalb keine geradlinige Entwicklung sein. Das Fazit der Analyse fällt dennoch grundsätzlich positiv aus: Nicht MANGOS oder FAANG sollten für Anleger im Mittelpunkt stehen, sondern die Frage, wer die Infrastruktur für den weiteren KI-Ausbau bereitstellt und damit langfristig an der Wertschöpfung partizipiert. (jk)
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