DONNER & REUSCHEL: Mumm kompakt – Die unmögliche Aufgabe der EZB

DONNER & REUSCHEL: Mumm kompakt – Die unmögliche Aufgabe der EZB
Geldpolitik

Anfang Februar wurde die konkrete Ankündigung eines weniger expansiven geldpolitischen Kurses auf die Sitzung am 10. März verschoben. Gründe hierfür waren die dann vorliegenden neuen Projektionen zum Wirtschaftswachstum und der Inflation.

08.03.2022 | 09:28 Uhr

Doch angesichts der zwischenzeitlichen Eskalation des Ukrainekonflikts sind volkswirtschaftliche und Kapitalmarkt-Prognosen derzeit kaum treffsicher möglich. Der EZB-Rat wird daher voraussichtlich eine abwartende Haltung einnehmen und somit dem Markt erneut die Deutungshoheit überlassen – was schon im Februar zu massiv steigenden Zinsen und einer entsprechenden Verunsicherung an den Börsen geführt hat.

Dabei wäre mehr Orientierung durch die Notenbank derzeit besonders wichtig, denn die kriegsbedingten Kapriolen an den Kapitalmärkten haben massive Auswirkungen auf Realwirtschaft und Verbraucher, die weit über die offensichtlichen Energie- und Rohstoffpreisexplosionen hinausgehen. Dieser Effekt wird innerhalb der Eurozone durch die zunehmende Euro-Abwertung gegenüber dem US-Dollar weiter verstärkt.

Damit einher gehen zwei parallele und sich gegenseitig verstärkende Effekte: eine erhebliche Schwächung der Wachstumsperspektiven sowie eine Steigerung des ohnehin hohen Inflationsdrucks über importierte Inflation. Schwächeres Wachstum spräche gegen eine Straffung der geldpolitischen Zügel, während eine zunehmende Inflation einen weniger expansiven Kurs nahelegen würde.

Erschwerend kommt hinzu, dass die US-Notenbank Fed Mitte März voraussichtlich eine erste Leitzinsanhebung vornehmen wird und damit bei gleichzeitiger Untätigkeit der EZB die Abwertungstendenz des Euro noch untermauern dürfte.

Die Pressekonferenz nach dem Zinsentscheid wird somit eine sehr komplizierte verbale Gratwanderung für die EZB-Präsidentin werden, die kaum eine Chance auf eine positive Überraschung der Marktteilnehmer hat. Zur Beruhigung der angespannten Nervosität kann die EZB in dieser Woche somit kaum etwas beitragen.

Ihr Carsten Mumm

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