
Rushabh Amin, Portfoliomanager für Multi-Asset-Lösungen bei Allspring Global Investments, äußerte sich zur bevorstehenden Zinsentscheidung der Fed
27.10.2026 | 07:51 Uhr
FED: „Wir gehen davon aus, dass die Fed den Leitzins im Oktober bei 4,0 Prozent belassen wird, obwohl die Märkte angesichts wachsender Inflationssorgen eine Zinserhöhung im Dezember und drei weitere Erhöhungen im Jahr 2027 einpreisen. Die Inflation dürfte weiterhin den dominierenden Teil des doppelten Mandats der Fed ausmachen, sofern es nicht zu einer großen Überraschung bei den Arbeitsmarktbedingungen kommt, insbesondere nach starken Schwankungen an den Rohstoffmärkten. Gleichzeitig ist die Geldpolitik nur begrenzt in der Lage, gegen angebotsgetriebene Inflation vorzugehen. Die Kerninflation des Indexes für private Konsumausgaben (PCE) dürfte kurzfristig kaum Entlastung bringen, da ungünstige Basiseffekte die Inflation auf einem hohen Niveau halten. Dies dürfte sich jedoch in der ersten Hälfte des Jahres 2027 deutlich umkehren.
Die Signale beim Wachstum sind gemischt. Starke kurzfristige Prognosen und Stabilität am Arbeitsmarkt stehen im Gegensatz zu einer sich abzeichnenden Schwäche beim Lohnwachstum und bei den Gesamtausgaben. Die Lohn-Disinflation könnte für die Einschätzung der Fed zunehmend an Bedeutung gewinnen, während der Investitionsboom im Bereich der künstlichen Intelligenz der geldpolitischen Herausforderung eine neue Dimension verleiht: potenziell höhere Produktivität auf der einen Seite, aber eine durch Investitionsausgaben getriebene Nachfrage auf der anderen.
Die Zinsmärkte preisen daher eine zunehmend anspruchsvolle Kombination aus starkem Wachstum und hartnäckiger Inflation ein. Das entspricht nicht unserem Basisszenario. Der Overnight Index Swap (OIS) deutet auf drei weitere Zinserhöhungen im nächsten Jahr hin, doch die Wahrscheinlichkeit sinkender Zinsen in den nächsten 12 Monaten hat ebenfalls zugenommen. Unserer Ansicht nach zeigt dies die ungewöhnlich breite Streuung der möglichen Ergebnisse und macht den aktuellen Zinspfad anfällig für eine Neubewertung, sollte entweder das Wachstum enttäuschen oder die Inflation nachlassen.
Die Schätzungen zum Kern-PCE und zum BIP werden am Tag nach der Fed-Sitzung veröffentlicht und stellen damit im Vorfeld der Zwischenwahlen einen konzentrierten makroökonomischen Impuls dar. Wir gehen davon aus, dass sich der Markt aber weiterhin auf die Einschätzung der Fed zum Ausbau der KI, zur Fed-Bilanz und zu den globalen Entwicklungen bei Staatsanleihen konzentrieren wird.“
EZB: „Der EZB-Rat befindet sich weiterhin in einer heiklen und unangenehmen Lage. Aufkommende und zunehmende Stagflationsrisiken treffen nicht nur in Frankreich in einem ohnehin schon schwierigen Wachstumsumfeld auf fiskalische Spannungen.
In den vergangenen Monaten haben die Konjunkturindikatoren im Vorfeld eines voraussichtlich schwierigen Winters nachgelassen. Wie die Geschichte zeigt, erhöhen diese Faktoren die Wahrscheinlichkeit, dass die politischen Entscheidungsträger eine geldpolitische Straffung, in einer Wirtschaft, die rasch an Schwung verliert, vornehmen müssen.
Die bevorstehende Sitzung wird mit ziemlicher Sicherheit zu einer Beibehaltung des Leitzinses führen. Doch gleichzeitig werden Marktbeobachter auf der Pressekonferenz genauestens auf Details oder Änderungen der Prognosen achten. Die Marktpreise deuten auf etwas mehr als zweieinhalb Zinserhöhungen bis September nächsten Jahres hin. Damit ist es wahrscheinlich, dass uns ein Winter voller Unzufriedenheit bevorsteht.
Die aktuelle Marktbewertung befindet sich auf Kollisionskurs mit den weltweit bereits hohen Anleiherenditen. Zusammen mit den sich ausweitenden Spreads zwischen Peripherie- und Kernländern wird das Wachstum mit ziemlicher Sicherheit durch den jüngsten Anstieg der Renditen beeinträchtigt werden.“
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