
Das Jackson Hole Economic Symposium verspricht dieses Jahr aus einem besonderen Grund spannend zu werden: Es ist Kevin Warshs erstes Symposium als Fed-Chef.
26.08.2026 | 04:00 Uhr
Für seine Ansprache hat er bereits zwei mögliche Richtungen skizziert: eine Rede zu den „großen Fragen“ wie Produktivität, Demografie, Weltwirtschaft oder eine traditionellere „Vorbereitungsrede“, die einen Ausblick auf die geldpolitischen Schritte zwischen September und Dezember gibt. Unabhängig davon dürfte er ein Update zu seinen fünf Arbeitsgruppen geben. Vor allem aber muss Warsh einen deutlichen Akzent setzen und die geldpolitischen Ziele der Fed klarstellen.
Der Markt erwartet mehr Klarheit, als er bislang geliefert hat: Künftig soll es weder Forward Guidance noch die bekannten Dot-Plot-Prognosen geben; Warsh vermeidet es zudem, konkrete Bedingungen zu nennen, die Zinsschritte auslösen. Seit der Pressekonferenz des Fed-Chefs im Juli sind die Renditen von US-Staatsanleihen schrittweise gestiegen, die Zinskurve zwischen zwei- und 30-jährigen Laufzweiten hat sich versteilt. Das Fehlen einer klaren Orientierung hat den Markt in zwei Richtungen zugleich gezogen: Inflationssorgen drücken auf das lange Ende, Unsicherheit über die Handlungsbereitschaft der Fed hält die kurzfristigen Zinssätze vergleichsweise stabil.
Signale zur Zinsentscheidung im September
Im Fokus steht die September-Entscheidung. Das Juli-Protokoll zeigte breitere
Inflationssorgen im Ausschuss; zugleich fielen die Inflationsdaten für Juli
moderater aus, während der Arbeitsmarkt Schwächetendenzen zeigte. Der Markt
preist derzeit rund 40 Prozent Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung ein.
Umso wichtiger ist Warshs Erklärung, wie die Fed auf Inflation und Arbeitsmarkt
reagiert und wie hoch ihre Bereitschaft ist, Inflation oberhalb von zwei
Prozent zu tolerieren.
Wachsende Spannungen mit dem Finanzministerium
Zusätzliche Spannung liegt auf der Bilanz: Warsh will die Fed-Bilanz, derzeit
6,8 Billionen US-Dollar, verkleinern und lehnt Anleihekäufe zur künstlichen
Senkung langfristiger Renditen ab – im Gegensatz zu „Operation Twist“-ähnlichen
Ideen aus dem Finanzministerium. Warshs letzte FOMC-Pressekonferenz ließ die
Politik der Fed „so klar wie trübes Wasser“ erscheinen. Die Märkte haben ihren
Unmut darüber zum Ausdruck gebracht, indem sie die langfristigen Renditen auf
Niveaus steigen ließen, die seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen wurden. Der
Ansatz, „dem Ball statt dem Schiedsrichter zu folgen“, führte in der Praxis
dazu, dass das Spiel außer Kontrolle zu geraten drohte.
Inzwischen ist mit dem Finanzministerium faktisch ein zweiter Schiedsrichter aufs Spielfeld getreten. Entscheidend ist daher, dass Warsh Jackson Hole nutzt, um die tatsächliche Politik der Fed im Hinblick auf ihr duales Mandat klarzustellen, anstatt nur eine allgemeine Einschätzung der Wirtschaftslage abzugeben. Andernfalls droht weiterer Schaden für die Glaubwürdigkeit der Fed.
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