
Der Markt rechnet mit einer weiteren Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank, sowie mit weiteren Schritten nach der September-Sitzung. Die apoBank erwartet dagegen nach der bevorstehenden Sitzung eine geldpolitische Pause, so Dr. Björn Ohl, Ökonom der apoBank:
08.09.2026 | 12:05 Uhr
„Wir gehen davon aus, dass die EZB auf ihrer Sitzung am Donnerstag den Leitzins wie bereits im Juni um 25 Basispunkte anheben wird. Der Einlagesatz würde damit auf 2,50 % steigen. Unsere Einschätzung deckt sich sowohl mit dem Konsens der Volkswirte als auch mit den aktuellen Markterwartungen.
Da der Zinsentscheid selbst kaum Überraschungspotenzial birgt, richtet sich der
Fokus der Anleger auf die neuen Wachstums- und Inflationsprojektionen sowie auf
die geldpolitischen Signale, die EZB-Präsidentin Christine Lagarde auf der
anschließenden Pressekonferenz senden wird. Angesichts der bislang
robusten Konjunktur im Euroraum rechnen wir bei den Wachstumsprognosen mit
leichten Aufwärtsrevisionen für dieses und das kommende Jahr. Gleichzeitig
spricht einiges für eine Abwärtsrevision der Gesamt- und Kerninflationsprognose
für das laufende Jahr. Wie bereits im März und Juni erwarten wir, dass die EZB
neben den regulären Projektionen auch aktualisierte Szenarioanalysen
veröffentlicht.
Lagarde dürfte am Donnerstag erneut die Datenabhängigkeit der Geldpolitik
betonen und damit bewusst zinspolitische Flexibilität für die kommenden Monate
bewahren. Aus Sicht der EZB dürfte weiterhin gelten, dass die Risiken für das
Wachstum überwiegend abwärtsgerichtet sind, während bei der Inflation die
Aufwärtsrisiken dominieren.
Eine der zentralen Fragen aus Investorensicht wird sein, ob und wie sich
Lagarde zu den jüngsten Energiepreisanstiegen sowie zu den aktuell am Markt
eingepreisten weiteren Zinsschritten äußert.
In unserem Basisszenario gehen wir weiterhin davon aus, dass die EZB den
Leitzins nach der September-Sitzung nicht weiter anheben wird. Damit
positionieren wir uns deutlich vorsichtiger als die derzeitige Markterwartung.
Für eine Geldpolitik der ruhigen Hand nach der September-Sitzung sprechen aus
unserer Sicht mehrere Faktoren. Das Wachstum im Euroraum dürfte in der
zweiten Jahreshälfte unter dem Potenzialwachstum liegen, während der Druck
auf die Kerninflation begrenzt bleiben sollte. Gleichzeitig gibt es bislang
keine überzeugenden Hinweise auf nennenswerte Zweitrundeneffekte. Die seit März
zu beobachtenden energiepreisbedingten Inflationsanstiege sind vor allem angebotsseitig
verursacht und entziehen sich damit weitgehend dem direkten Einfluss der
Geldpolitik. Weitere Leitzinserhöhungen würden bei ausbleibenden
Zweitrundeneffekten daher eher der geldpolitischen Glaubwürdigkeit dienen als
einen substanziellen Beitrag zur Eindämmung der temporär höheren Inflation
leisten. Mittelfristig erwarten wir zudem nachlassenden Inflationsdruck
von der Energieseite. Bereits um Ostern kommenden Jahres dürfte die
Gesamtinflation wieder in die Nähe des EZB-Inflationsziels von 2 %
zurückkehren.“
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