UBS AM: Schwellenländer im Aufwärtstrend

"Nach dem perfekten Top down-Sturm 2018 bieten Schwellenländeraktien jetzt große Gelegenheiten", so Geoffrey Wong, Head of Emerging Markets and Asia-Pacific Equities bei UBS AM.

13.12.2018 | 13:37 Uhr

Unsere positive Haltung gegenüber den Schwellenländern seit 2016 basierte auf der zunehmenden Wachstumslücke zwischen Schwellen- und Industrieländern sowie auf einem für die Schwellenländer günstigen Zyklus nebst verbesserten Fundamentaldaten auf Länder- und Unternehmensebene. Diese gingen großteils auf einen Rückgang der Investitionsausgaben in den letzten Jahren, der zu einer Erholung der Margen und der Rentabilität beitrug, auf Chinas anhaltende Neuausrichtung hin zu mehr Dienstleistungen und Konsum sowie auf faire und im Vergleich zu den USA deutlich günstigere Bewertungen zurück.

Scrfere Finanzierungsbedingungen

Angesichts der starken Binnenkonjunktur in den Schwellenländern waren die Aktienmärkte gut positioniert, um dem Anstieg der US-Anleiherenditen bis Anfang 2018 standzuhalten. Die Stärke der US-Wirtschaft, wachsende Handelsspannungen zwischen den USA und China und die Abschwächung der Wachstumsaussichten außerhalb der USA führten jedoch zu Gegenwind für die Entwicklung der Schwellenländeraktien.

Deutliche höhere Renditen von US-Treasuries und ein stärkerer USD haben die Finanzierungsbedingungen für die Schwellenländer verschärft und ihre Währungen erneut unter Druck gesetzt. Gleichzeitig sind die Volkswirtschaften der Schwellenländer ungeachtet des in den letzten Jahren zunehmenden gegenseitigen Handels weiterhin stärker vom Welthandel  abhängig als die Industrieländer.

Zusammen führten diese Faktoren besonders in kleineren Volkswirtschaften mit großen Leistungsbilanzdefiziten und hoher Nettoauslandsverschuldung wie Argentinien und der Türkei zu Problemen – und verstärkten die Sorge der Investoren über eine breite Ansteckungswelle im ganzen Schwellenländeruniversum. Dieses reflexhafte  und nervöse Verhalten entsprach eher einer vergangenen Sicht auf die Schwächen der Schwellenländer. Die genannten Entwicklungen führten zu Abflüssen aus Rentenmärkten und Schwellenländer-ETFs, was wiederum die Schwellenländerwährungen nach unten und die Zinsen nach oben drückte. Da der Kursrückgang selbst Unternehmen mit starken Fundamentaldaten getroen hat, halten wir den Ausverkauf für übertrieben

Chinesische Behörden wollen Verlangsamung abfedern 

All dies geschieht, während Chinas Bemühungen, systemische Risiken durch eine Stabilisierung der Schuldenlast zu reduzieren, in nächster Zeit unweigerlich und besonders in Asien zu einer Störung der Wachstumsaussichten führen werden. Die chinesischen Behörden haben jedoch mit verstärkter geld- und fiskalpolitischer Unterstützung reagiert, um die Wachstumsverlangsamung abzufedern – und behalten gleichzeitig ihr langfristiges Bekenntnis zu Schuldenabbau und Reformen bei. Das Ergebnis sollte letzten Endes ein nachhaltigeres und qualitativ besseres Wachstum sein. Wir glauben, dass die chinesischen Behörden noch viele Hebel nutzen können, um die allmähliche Verlangsamung erfolgreich zu managen und eine harte Landung zu vermeiden.

Die langfristigen Argumente für Investitionen in China konzentrieren sich weiterhin auf die strukturelle Neuausrichtung hin zu mehr Dienstleistungen und die damit verbundenen Anlagegelegenheiten in Sektoren wie elektronischer Handel und Zahlungsverkehr, soziale Medien, Bildung und Versicherungen. Wir beobachten jedoch aufmerksam die zunehmenden regulatorischen Eingrie in Bereichen wie Bildungsdienstleistungen und Spielbetriebe, die zuletzt dazu beigetragen haben, die Stimmung der Anleger zu dämpfen.

Trotz kurzfristiger Risiken bieten sich große Gelegenheiten in verschiedenen Sektoren

Mit Blick auf die Zukunft scheint es unwahrscheinlich, dass die Handelsspannungen zwischen den USA und China kurzfristig abgebaut werden. Unserer Ansicht nach hat die Eskalation des US-chinesischen Handelskonflikts die Risiken für eine wirtschaft- liche Erholung in den Schwellenländern erhöht. Doch obwohl die Bedenken der Anleger angesichts der jüngsten Ereignisse verständlich sind, bleiben die tatsächlichen langfristigen Auswirkungen aller dieser Faktoren auf das Wirtschaftswachstum und die Unternehmensgewinne in den Schwellenländern relativ begrenzt. Vor diesem Hintergrund scheint die Marktreaktion von einem starken Stimmungsumschwung und nachfolgenden Abflüssen getrieben zu sein.

Allerdings zeigt uns die Vergangenheit, dass es sich hier um eine Anlageklasse handelt, die anfällig für kurzfristige Stimmungs- und Marktpreisschwankungen ist. Zum Teil spiegelt dies aus unserer Sicht die Tatsache wider, dass Schwellenländeraktien für viele globale Investoren immer noch eine taktische und keine strategische Allokation darstellen.

Wir gehen davon aus, dass die aktuellen Risiken in den Bewertungen bereits weitgehend eingepreist sind. Diese sind auf Basis des Kurs-Buchwert-Verhältnisses (KBV) von 1,9 im Januar auf 1,6 gefallen. Die aktuellen Bewertungen bewegen sich nun deutlich unter ihrem langfristigen Durchschnitt von 1,8. Auch die Währungen der Schwellenländer haben in diesem Jahr erheblich korrigiert und sind aus unserer Sicht unterbewertet.

Unser positiver mittel- bis langfristiger Ausblick für Schwellenländeraktien bleibt daher unverändert. Schwellenländeranlagen erscheinen attraktiv bewertet. In Bezug auf Leistungsbilanzen und Nettoauslandsverschuldung behalten wir die Meinung bei, dass die meisten Schwellenländer fundamental gesund sind. Auf Unternehmensebene gehen wir davon aus, dass die Aussichten für Profitabilität und Ertragswachstum insgesamt stabil bleiben.

Unsere Analyse zeigt, dass verschiedene Sektoren, darunter Konsumgüter, Internet/E-Commerce und Finanzwesen, große Gelegenheiten bieten. Zwar weisen die Schwellenländer einige verwundbare Punkte auf, doch sind wir uns dieser Risiken bewusst und engagieren uns nur sehr begrenzt auf diesen Gebieten.

Während jedoch weiterhin kurzfristige Risiken bestehen, könnte eine Kombination der folgenden Auslöser zu einem raschen Stimmungsumschwung der Anleger gegenüber den Schwellenländern führen: eine verbesserte Rhetorik zwischen den USA und China in Handelsfragen, weniger regulatorische Eingrie in China und, vielleicht als wichtigster Punkt, eine Stabilisierung des zuletzt sehr starken USD.

Schwellenländer sind günstig bewertet
Schwellenländer sind günstig bewertet


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Investieren im Jahr 2019

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