ChainBerry : Science ja, fiction nein: die Digital Hyper Economy

ChainBerry : Science ja, fiction nein: die Digital Hyper Economy

Weil immer mehr Lebensbereiche digitalisiert werden, ergeben sich ganz neue Möglichkeiten der intelligenten Nutzung von Ressourcen. So könnte das autonome Fahren, noch bevor es wirklich reif ist, bereits wieder abgelöst werden.

19.12.2019 | 15:28 Uhr

Digitale Agenten steuern für die Fahrzeuge Zeiten und Routen – nach marktwirtschaftlichen Kriterien und ohne Crash-Ängste. Die Infrastruktur dazu liegt auf der Blockchain.

Saudi-Arabien will für geplante Kosten von 500 Milliarden US-Dollar die futuristische Mega-Stadt Neom errichten. Das Geld ist aber nur der eine Teil der Geschichte. Interessanter ist der Beirat, der die Stadt mit planen oder, besser gesagt, neu denken wird: Uber-Mitbegründer Travis Kalanick, SoftBank-CEO Masayoshi Son, Risikokapitalgeber und Facebook-Vorstandsmitglied Marc Andreessen und der Präsident von Y Combinator Sam Altman gehören zu den Schwergewichten, die bei dem Projekt mitwirken.

Bei einem vollständigen Neubau einer Megastadt kann, ohne die sonst notwendige Rücksichtnahme auf bestehende Strukturen, neu gedacht werden. So bezeichnete Softbank-CEO Son den Plan, eine automatisierte Stadt mit selbstfahrenden Autos und Passagierdrohnen von Grund auf neu zu bauen, als „fantastische Gelegenheit“. Wird hier etwa das autonome Fahren, noch bevor es richtig Einzug gehalten hat, schon wieder neu erfunden? Gut möglich, weil sich hier ein völlig neues Konzept abzeichnet.

Bislang werden autonome Fahrzeuge individuell technologisch hochgerüstet. Jedes Auto ist zum Beispiel mit umfangreicher Sensorik ausgestattet und muss in die Lage versetzt werden, sich selbständig zu orientieren und autarke „Entscheidungen“ zu treffen. Neue Ansätze folgen einer anderen Philosophie. Hier werden die Fahrzeuge von digitalen Agenten ferngesteuert. Die Fahrzeuge selbst werden zu Marionetten und sind nur noch mit den Basics ausgestattet. Da jedes Fahrzeug durch einen individuellen digitalen Agenten ferngesteuert wird, können sich die Agenten untereinander verständigen. Sie koordinieren sich auf der digitalen Ebene. Jeder findet sein Ziel, eine Kollision wird damit ausgeschlossen.

Allerdings ist die Abstimmung zwischen diesen digitalen Agenten keineswegs trivial. Je größer die Anzahl der zu steuernden Fahrzeige wird, desto komplexer werden die Situationen. Um diese Herausforderung zu bewältigen, bieten sich marktwirtschaftliche Mechanismen an. So lässt sich zum Beispiel die komplette Straßeninfrastruktur in Form kleiner Quadratmeter-Einheiten digital abbilden. Für jeden dieser Straßen-Quadratmeter werden Mikro-Börsen aufgesetzt, auf denen die Benutzung des Straßenabschnittes pro Zeiteinheit gekauft und verkauft wird. Hat nun ein digitaler Agent die Aufgabe, ein Fahrzeug von A nach B zu navigieren, kauft der Agent die Strecke Quadratmeter für Quadratmeter zusammen. Dies tut er natürlich in Konkurrenz zu anderen Agenten und unter Berücksichtigung verschiedener Streckenalternativen. So ist der digitale Agent in der Lage, sowohl zeitliche Anforderungen, als auch monetäre Rahmenbedingungen zu berücksichtigen. Digitale Agenten organisieren sich so untereinander mittels marktwirtschaftlicher Prinzipen. Komplexe Abstimmungen zwischen vielen Agenten lassen sich auf diese Weise beherrschen.

In der Praxis erhält ein Passagier, der von A nach B möchte, Angebote von digitalen Agenten entsprechend der aktuellen Marktpreise und Fahrzeugpositionen. Damit kommt dem digitalen Agenten gleichzeitig die Aufgabe zu, sein Fahrzeug zu vermarkten und zu bewirtschaften.

Die Technologien, auf denen diese Konzepte umgesetzt werden, basieren auf der Blockchain. Die Nutzung der Straßeninfrastruktur wird tokenisiert. Auf den kleinen Mikro-Börsen werden digitale Nutzungs-Token pro Quadratmeter und Zeiteinheit erworben und mittels Blockchain verbucht. Und auch die Buchung und Bezahlung der Fahrzeuge durch Passagiere finden in Blockchain-Ecosystemen statt. Übrigens eignen sich diese Blockchain-basierten Konzepte keineswegs nur für das autonome Fahren. Viele Bereiche der Realwirtschaft lassen sich so marktwirtschaftlich digitalisieren.

Aktuell befinden sich Blockchain-basierten Konzepte in der Realwirtschaft noch im Versuchsstadium. Auch der Baubeginn der futuristischen Megastadt Neom steht noch in den Sternen. Anders sieht es jedoch in der Finanzindustrie aus. Hier ist die Tokenisierung von Assets, also die Digitalisierung des Besitzes von Vermögensgegenständen, bereits in vollem Gange. Unternehmen wie Ideanomics, Overstock mit seiner tZero-Tochter oder Galaxy Digital mit einem großen Blockchain-Beteiligungsportfolio schaffen die notwendige Infrastruktur. Weltweit werden Vermögensgegenstände wie Immobilien und Infrastrukturanlagen, Fremd- oder Eigenkapitalanteile und in Zukunft auch Schiffe, Maschinen oder Fahrzeuge in Form von digitalen Anteilsscheinen mittels Blockchain verbrieft. Sogenannte Digital Assets werden geschaffen. Jeder Anleger kann sich im Rahmen der regulatorischen Möglichkeiten durch den Erwerb von Digital Assets an einem breiten Spektrum von Vermögensgegenständen beteiligen. Übrigens geht das bereits für sehr kleine Summen. Da sich Digital Assets fast beliebig teilen lassen, kann sich ein Anleger alsbald schon mit wenigen Euros zum Beispiel weltweit an Immobilien beteiligen.

Denkt man hier ein wenig weiter und verbindet die aktuelle Tokenisierungswelle in der Finanzindustrie mit den zukünftigen Blockchain-Projekten der Realwirtschaft, dann entstehen faszinierende Perspektiven. So kann zum Beispiel ein Anleger in Form von Token einen Anteil an einem autonomen Fahrzeug erwerben, das sich wiederum mittels seines digitalen Agenten selbst vermarktet. Der digitale Agent sorgt für Einnahmen, die den Inhabern der Token gutgeschrieben werden. Eine Digital Hyper Economy entsteht.

Übrigens kann man bereits jetzt von dieser Entwicklung profitieren. Es bietet sich zum Beispiel der Kauf von Aktien von Unternehmen an, die diese Infrastruktur aufbauen. Oder man überlässt die Arbeit den Spezialisten und investiert in einen Blockchain-Aktienfonds wie den ChainBerry Equity.

Karsten Müller ist Geschäftsführer der ChainBerry Asset Management GmbH.

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