Mehr Einzelwerte und einzelne Biotech-Schwergewichte als stabilisierende Beimischung - Rachael Burri, Head Investor Relations bei BB Biotech, erläutert im Gespräch die künftige Anlagestrategie im Portfolio der Beteiligungsgesellschaft.
01.06.2026 | 09:30 Uhr von «Stefan Riedel»
TiAM FundResearch: BB Biotech hat die Zielbandbreite des Portfolios von bisher 20 bis 35 auf neu 20 bis 50 börsennotierte Beteiligungen erweitert. Was hat Sie zu diesem Strategieschwenk bewogen?
Rachael Burri: Diese Erweiterung ist eine konsequente Weiterentwicklung unseres Ansatzes. Für Investoren sind die Opportunitäten im Biotechsektor in den letzten Jahren deutlich gewachsen – und zwar sowohl in der Breite als auch in der Reife der Unternehmen. Mit einem breiteren Portfolio können wir diese Chancen systematisch abbilden, ohne unsere Selektivität aufzugeben. Gleichzeitig erlaubt uns die höhere Anzahl an Positionen eine bessere Risikodiversifikation entlang klinischer, regulatorischer und kommerzieller Meilensteine. Unser Fokus bleibt klar auf High-Conviction-Investments, wird aber durch zusätzliche, gezielt kleinere Positionen ergänzt.
Neu im Portfolio sind die drei Branchenschwergewichte Amgen, Gilead Sciences und Regeneron Pharma. Welche Gründe gaben den Ausschlag?
Diese Unternehmen vereinen mehrere attraktive Eigenschaften: starke Cashflows, etablierte Plattformen und gleichzeitig substanzielle Innovationskraft in ihren Pipelines. In einem Marktumfeld mit erhöhten Unsicherheiten bieten solche Titel eine robuste Basis im Portfolio. Zudem sehen wir bei allen drei Unternehmen konkrete Werttreiber – sei es durch Pipelinefortschritte, Kapitalallokation oder strategische Optionen wie M&A. Die Beimischung solcher Large Caps verbessert damit das Risiko-Rendite-Profil des Gesamtportfolios.
Halten Sie in Zukunft an der Strategie fest, fünf oder mehr Kernbeteiligungen höher zu gewichten?
Ja, an unserem Grundprinzip der Kernbeteiligungen halten wir fest. Diese spiegeln unsere höchste Überzeugung wieder und sind entscheidend für die Wertentwicklung. Gleichzeitig wird die Gewichtung künftig etwas flexibler gehandhabt, da wir mit mehr Positionen auch mehr relative Chancen adressieren. Das Portfolio bleibt also klar fokussiert, aber insgesamt granularer.
Was sind innerhalb des Beteiligungsportfolios die in diesem Jahr wichtigsten Value Inflection Points?
Bei Argenx stehen insbesondere die weitere Indikationsexpansion von Efgartigimod sowie zusätzliche klinische Daten im Fokus. Vertex verfügt 2026 über mehrere bedeutende klinische und regulatorische Meilensteine, unter anderem in den Bereichen IgA-Nephropathie und Typ-1-Diabetes. Bei Viridian Therapeutics erwarten wir wichtige Phase 3 Daten im Bereich Thyroid Eye Disease. Darüber hinaus beobachten wir bei innovativen Mid-Caps wie Wave Life Sciences bedeutende Fortschritte bei RNA-basierten Therapien. Solche klinischen, regulatorischen und kommerziellen Meilensteine sind zentrale Treiber für die Neubewertung von Biotechunternehmen.
Zuletzt hat die Zahl der Biotech-Börsengänge in den USA wieder zugenommen. Welche Faktoren sind dafür ausschlaggebend?
Wir sehen eine Kombination aus verbesserten Kapitalmarktbedingungen, steigender Risikobereitschaft der Investoren und einer stabileren Bewertungsbasis im Sektor. Zudem haben sich viele Unternehmen in den letzten zwei Jahren operativ weiterentwickelt und erreichen nun einen Reifegrad, der den Gang an die Börse rechtfertigt. Nicht zuletzt spielen auch erfolgreiche Finanzierungsrunden im Private-Equity-Bereich eine Rolle, die als Sprungbrett für IPOs dienen.
Unter welchen Voraussetzungen investiert BB Biotech in private Firmen, wie es in der Vergangenheit etwa bei Moderna (vor dem IPO) oder Rivus erfolgte?
Private Investments tätigen wir selektiv und nur dann, wenn mehrere Kriterien erfüllt sind: ein klar differenziertes wissenschaftliches Profil, ein überzeugendes Managementteam, sichtbare Werttreiber sowie ein attraktives Chance-Risiko-Verhältnis im Vergleich zu börsennotierten Alternativen. Zudem achten wir auf ausreichende Transparenz und eine realistische Perspektive für Liquiditätsereignisse, etwa einen IPO oder eine Übernahme.
BB Biotech zählt unter den Biotech-Investoren zu den Pionieren beim Anwenden von KI-basierten Datenanalysten im Investmentprozess. Wie haben sich dadurch die Schritte bis zum Stockpicking verändert?
Die Effizienz entlang der gesamten Wertschöpfungskette hat sich deutlich gesteigert – von der Analyse wissenschaftlicher Daten über die Auswertung klinischer Studien bis hin zur systematischen Identifikation neuer Investmentopportunitäten. Diese gesteigerte Kapazität zeigt sich im Output: Allein im ersten Quartal 2026 haben wir elf neue Positionen aufgebaut, was die Leistungsfähigkeit unseres Ansatzes verdeutlicht. Gleichzeitig ist unser Ansatz klar als „augmented“, nicht als „automated“ zu verstehen. In der Praxis bedeutet das: KI unterstützt unsere Analysten bei der Hypothesenbildung und Priorisierung, ersetzt aber nicht die fundamentale Analyse und das Urteil erfahrener Investmentprofis. Die finalen Entscheidungen bleiben konsequent conviction-driven und basieren auf tiefem wissenschaftlichem Verständnis und langjähriger Expertise.
Der Nasdaq Biotechnology Index hat als maßgeblicher Branchen-Leitindex seit Jahresanfang unter größeren Schwankungen zwei Prozent an Wert gewonnen. Wie wollen Sie diese Performance mit BB Biotech übertreffen?
Unsere Aktienkursentwicklung hat diesen Benchmark auch im ersten Quartal erneut übertroffen. Diese Outperformance ist das Ergebnis eines klar fokussierten Investmentansatzes. Wir investieren gezielt in Unternehmen mit überdurchschnittlichem Innovationspotenzial und klar definierten Werttreibern. Ein wesentlicher Vorteil ist dabei unsere Struktur mit permanentem Kapital, die es uns erlaubt, einen konsequent langfristigen Anlagehorizont einzunehmen und auch durch Phasen erhöhter Volatilität hindurch investiert zu bleiben. Gleichzeitig kombinieren wir unterschiedliche Risikoprofile im Portfolio: Wachstumsstarke Mid- und Small Caps bilden das Rückgrat, während wir diese selektiv durch Large Caps ergänzen. Diese ausgewogene Mischung, gepaart mit einer disziplinierten Portfolioallokation und unserem langfristigen Ansatz, ist aus unserer Sicht entscheidend, um nachhaltig eine Outperformance gegenüber dem Index zu erzielen.
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