Bellevue: Hohe Nachfrage beflügelt Biotechsektor

Bellevue: Hohe Nachfrage beflügelt Biotechsektor

Historisch niedrige Zinsniveaus, eine noch stabile Wirtschaftslage in den USA und Europa und expansive Notenbanken machen Aktieninvestments derzeit zur attraktivsten Anlageklasse.

16.12.2019 | 09:52 Uhr

Von Christian Lach, Portfoliomanager Healthcare bei Bellevue Asset Management AG

Im November tendierten die globalen Aktienmärkte erneut freundlich. Der Biotechbereich hatte im Vergleich zu anderen Branchen Nachholbedarf und wurde von Investoren besonders nachgefragt.

Die starke Erholung bei Gesundheitsaktien in den letzten Wochen liegt nicht nur an den versöhnlicheren Tönen und der Entschärfung von Sanktionen im Handelsstreit zwischen den USA und China. Sie geht auch auf überdurchschnittlich gute Quartalszahlen vieler Unternehmen zurück, die von Marktteilnehmern genutzt wurden, um vor allem bei grossen Biotechunternehmen Positionen aufzubauen. Neue politische Querschüsse im Vorfeld der Kandidatenselektion bei den US-Demokraten blieben aus und gaben dem Sektor zusätzlich Sicherheit. Wir stehen dem Biotechsektor aufgrund starker Fundamentaldaten und sehr attraktiver Bewertungen (KGV für 2020 von 12x bei einem PEG von 0.6 im Large-Cap-Bereich) weiterhin positiv gegenüber. Dies ist nicht nur historisch, sondern insbesondere im Vergleich zum Pharmasektor (KGV 14x; PEG 1.5) sehr attraktiv.Die Ankündigung, dass Novartis The Medicines Company übernehmen will, sorgte bei kleineren Biotechunternehmen für wieder aufflammende M&A-Phantasie.

Im letzten Monat konnten zahlreiche Unternehmen aus unserem Portfolio positive News vermelden, die zum Anstieg der Aktienkurse führten.

Clovis profitierte von anhaltenden Übernahmespekulationen nach guten Umsatzzuwächsen ihres PAPR-inhibitors Rubraca im 3. Quartal und angekündigten Kosteneinsparungen. Alnylam stieg aufgrund mehrerer guter Nachrichten: Die FDA liess Givlaari (givosiran) zur Behandlung von akuter hepatischer Porphyria (AHP) drei Monate früher als erwartet zu und am Kapitalmarkttag verkündete das Unternehmen, dass es 2020 vier Produkte vermarkten werde und 2022 profitabel sein könnte. Alnylam ist zudem Lizenzpartner von The Medicines Company, die für USD 9.7 Mrd. von Novartis übernommen werden soll.

Das chinesische Unternehmen BeiGene stieg nach Bekanntgabe einer breiten Kollaboration mit Amgen zur Vermarktung seiner Produkte in China. Im Gegenzug kaufte Amgen 20.5% am chinesischen Unternehmen.

Neurocrine überzeugte mit guten Quartalszuwächsen von Ingrezza zur Behandlung von tardiver Dyskinesie sowie mit klugen Zukäufen zum Ausbau der früheren Pipeline.

Etwas weniger positiv verlief der November für einige anderen Positionen. Radius Health verlor nach Bekanntgabe von Verkaufsplänen seines Onkologieportfolios und der Verzögerung bei der klinischen Entwicklung seines Osteoporosepflasters. Der chinesische Auftragsforschungsdienstleister WuXi Biologics tendierte in einem starken Markt ohne Nachrichten seitwärts und Akorn gab die Gewinne des Vormonats nach verhaltenen Quartalszahlen wieder ab.

Unsere Portfoliounternehmen entwickeln Technologien oder Produkte für neuartige Therapeutika. Der BB Adamant Biotech (Lux) Fonds ist gut aufgestellt, um von 2019 und 2020 erwarteten Meilensteinen zu profitieren. Das regulatorische Umfeld begünstigt die Innovation der Biotechbranche weiterhin, obwohl Preisängste die Investorenstimmung noch immer belasten. Nach der Übernahme unserer Portfoliounternehmen Celgene, Loxo und Array durch grosse Pharmaunternehmen erwarten wir weitere M&A-Aktivitäten.

Wir gehen optimistisch ins nächste Jahr. Im Januar wird die weltweit grösste Biotech-Konferenz von JP Morgan für neue Impulse sorgen: Die Konferenz wird traditionell von Unternehmen genutzt, um wichtige Neuigkeiten wie Übernahmen, neue Kooperationen, Jahresprognosen und klinische Neuigkeiten zu verbreiten. Im weiteren Jahresverlauf könnten politische Diskussionen über die Gesundheitskosten in den USA für Volatilität sorgen. Eine Versachlichung der Diskussion vor den Wahlen erscheint uns wahrscheinlich und dürfte die stark wachsende Branche nur wenig beeinträchtigen.

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