WisdomTree: Nach US-Wahlen stehen die Märkte vor einer Fülle von Ereignissen

Mobeen Tahir Associate Director, Research bei WisdomTree

Der November entpuppt sich als äusserst ereignisreich. In der wöchentlichen Reihe "Ein Blick auf die Märkte" widmet sich Mobeen Tahir Associate Director, Research bei WisdomTree, diesmal den wichtigsten makroökonomischen Triebkräften für unterschiedliche Anlageklassen.

19.11.2020 | 12:05 Uhr

Makrokräfte im Spiel

Der November entpuppt sich an den Märkten als ein ereignisreicher Monat. Die folgenden fünf makroökonomischen Kräfte erweisen sich als entscheidend für die Bewegungen in den Anlageklassen:

  1. Die Sorgen um die US-Wahlunsicherheit haben sich zerstreut, was die Nerven beruhigte. Der CBOE-Volatilitätsindex sank von seinem jüngsten Höchststand von über 40 im Oktober - dem höchsten Stand seit Juni - auf rund 23[1].
  2. Vielversprechende Impfstoff-Studienergebnisse aus Moderna folgten denen von Pfizer und BioNTech. Das gab den Märkten Hoffnung auf eine "Normalität" im Jahr 2021.
  3. Chinas kürzlich angekündigter 14. Fünf-Jahres-Plan für den Zeitraum 2021-2025 legt einen erneuten Schwerpunkt auf Wissenschaft und Technologie hat das Ziel, die nächste Wachstumsphase des Landes voranzutreiben.
  4. Führende Persönlichkeiten aus 15 asiatisch-pazifischen Ländern, darunter China, Japan und Australien, haben in achtjährigen Verhandlungen den Weg für eine umfassendere wirtschaftliche Zusammenarbeit geebnet und ein Handelsabkommen unterzeichnet.
  5. Die Zahl der Covid-Fälle steigt in vielen Ländern weiter an und die Märkte bereiten sich zunächst auf einen weiteren Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität im vierten Quartal vor, bevor sich die Lage wieder bessert. Das gilt insbesondere für Europa, wo die Lockdowns strenger geworden sind.


Auswirkungen auf die Märkte

Der Gegenwind durch steigende Covid-Infektionen hält die Rallye zwar in Schach, der Rückenwind hinter den Risiko-Assets im November war bisher allgemein stärker (siehe Grafik unten).

Auswirkungen auf die Märkte

Bloomberg, Daten per 17. November. Alle Preisrückgaben lauten in USD. Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance. Zudem können alle Anlagen an Wert verlieren.



Die oben erwähnten makroökonomischen Kräfte treiben die folgenden wichtigen Marktbewegungen an:

  1. US-Aktien: Sektoren, die aufgrund der Pandemie in Schwierigkeiten geraten sind, haben im November aufgrund des Handels mit der "wirtschaftlichen Erholung" die bisher größten Gewinne erzielt. Innerhalb des S&P-500-Index wurden die größten Gewinne in den Bereichen Energie erzielt, da sich die Aussichten für Öl verbesserten. Zu den Gewinnern gehörten daneben auch Finanzwerte, da sich die Kreditbedingungen in einer sich erholenden Wirtschaft verbessertenund auchw Industriewerte in Erwartung einer Nachfragebelebung.
  2. Chinesische Aktien: Die chinesischen Märkte erhielten zum einen Auftrieb durch eine Kombination aus robusten Wirtschaftsdaten für Q3, zweitens dem neuen Fünf-Jahres- Plan und drittens dem neuen Asia-Pac-Handelsabkommen. Die jüngste Stärke der chinesischen Aktien hat sich aufgrund des Gewichts Chinas in den Schwellenländerindizes auch insgesamt auf die Aktien der Schwellenländer ausgewirkt. Aktientitel aus dem asiatisch-pazifischen Raum wurden wegen der dort im Vergleich zu Europa weniger weit verbreiteten zweite Covid-Welle angekurbelt und sind durch das Handelsabkommen weiter katalysiert worden.
  3. Industriemetalle: Chinas Konzentration auf die Förderung von Wachstum durch technologische Innovation ist zwangsläufig ein gutes Vorzeichen für die Rohstoffe, die zur Erfüllung seiner Bestrebungen benötigt werden, d.h. für Industriemetalle. Beispielsweise ist China für mehr als die Hälfte des weltweiten Kupferbedarfs verantwortlich und importiert seit Juni das Grundmetall auf einem deutlich höheren Niveau als in den vorangegangenen 5 Jahren. Die Kupferpreise haben in der Folge stark zugelegt.


[1] per 17. November



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