EdR AM: Schwellenländeranleihen - Die Suche nach Rendite in High-Beta-Märkten

EdR AM: Schwellenländeranleihen - Die Suche nach Rendite in High-Beta-Märkten

Die Corona-Krise hat auch die Schwellenländer nicht verschont, für 2021 wird aber ein starkes Wachstum erwartet. Stéphane Mayor und Romain Bordenave, Senior Portfolio Manager Emerging Markets bei Edmond de Rothschild Asset Management, berichten über die Entwicklungen.

09.03.2021 | 07:42 Uhr

Angesichts der Fortschritte bei der Impfstoffentwicklung und der expansiven Geldpolitik erwartet der Internationale Währungsfonds ein BIP-Wachstum für die Schwellenländer von insgesamt sechs Prozent und für China 8,2 Prozent in diesem Jahr. Aufgrund attraktiver Fundamentaldaten werden sich vermutlich viele Investoren, die auf der Suche nach höhere Renditen sind, in diesem Jahr Schwellenländeranleihen zuwenden. Deshalb dürften die Mittelzuflüsse und die High-Yield-Emissionen deutlich steigen.

Dies hat vor allem die Rohstoffpreise in die Höhe getrieben, beispielsweise die Preise von Öl und Metallen. Hinzu kommt, dass Emerging-Market-Anleihen in der Regel besser abschneiden, wenn der US-Dollar schwach ist, und wegen der lockeren Geldpolitik der Fed steht der Greenback zurzeit unter starkem Druck.

Eine Erholung der Nachfrage unter anderem aus China, den USA und Europa dürfte rohstoffexportierenden Schwellenländern weiter zugutekommen. Wir gehen davon aus, dass zyklische Sektoren überdurchschnittlich abschneiden werden, allen voran Bergbau, Metalle, Energie, Transport und Infrastruktur. Letzterer Sektor dürfte sich besonders in Afrika sehr gut entwickeln. Ebenso sind die Preise der meisten Basismetalle wie Eisenerz, Kupfer und Nickel auf deutlich höherem Niveau als Ende 2019. Wir gehen davon aus, dass sie sich auf diesem Niveau stabilisieren, wenn sich die Nachfrage erholt.

Angolanische Staatsanleihen günstig bewertet

Mit Blick auf einzelne Länder sind beispielsweise angolanische Staatsanleihen im Peergroup-Vergleich derzeit günstig bewertet. Das Land ist politisch stabil, und seine Finanzen werden von drei wichtigen bilateralen Gläubigern gestützt: China hat Angola 6,2 Milliarden US-Dollar Schulden erlassen, die G20 setzt Couponforderungen in Höhe von 1,78 Milliarden US-Dollar aus, und der Internationale Währungsfonds stellt 4,5 Milliarden US-Dollar verteilt auf drei Jahre zur Verfügung. Außerdem entfallen 95 Prozent der Staatseinnahmen auf Öl. Nach dem Ölpreiseinbruch zu Beginn der Corona-Krise hatte Angola seinen Haushalt und die geplanten Staatsausgaben überarbeitet und an einen Preis von 35 US-Dollar je Barrel angepasst. Ursprünglich war man davon ausgegangen, zu 55 US-Dollar verkaufen zu können. Jetzt, bei einem aktuellen Ölpreis von über 55 US-Dollar je Barrel, muss sich Angola weniger Sorgen um sein Haushaltsdefizit machen und dürfte vom Wiederanlaufen der Märkte profitieren.

Gute Chancen bei High-Yield-Emissionen

In einer Welt, in der die Zentralbanken die Zinsen niedrig halten und die Zahl der Anleihen mit negativen Renditen in die Höhe schnellt, dürfte das Interesse an Schwellenländeranleihen zusätzlich steigen. Die Spreads von Emerging-Market-High-Yield-Staatsanleihen sind so hoch wie nie und liegen gegenüber Investmentgrade-Anleihen sogar etwa 100 Basispunkte über dem Vorkrisenniveau. Die Mehrertragschancen sind also enorm. Staatliche Emittenten und Unternehmen, die die Krise überstehen, wie nationale Flughafenbetreiber, dürften zu den großen Gewinnern zählen.

Hinzu kommt, dass die Fundamentaldaten von Unternehmen in den Schwellenländern immer noch deutlich besser sind als die ihrer Pendants in den Industrieländern. Zudem sind die Spreads von High-Yield-Unternehmensanleihen weiter sehr attraktiv. Gegenüber Investmentgrade-Emissionen betragen sie knapp 300 Basispunkte und sind höher als vor Corona. Ebenso erfreulich ist die recht niedrige Ausfallquote. Laut JP Morgan lag sie 2020 bei 2,7 Prozent1, während am US-High-Yield-Markt 6,8 Prozent der Unternehmen Zahlungsausfälle produzierten. Nach den Prognosen für 2021 dürfte sich dieser Trend fortsetzen. Für das US-High-Yield-Segment rechnet man mit 3,5 Prozent und für Unternehmensanleihen aus Schwellenländern mit 2,2 Prozent Zahlungsausfällen. Angesichts dessen dürften sich High-Yield-Emissionen besser entwickeln als Investmentgrade-Papiere.

Märkte mit hohem Beta haben viel Aufholpotenzial

Aus unserer Sicht haben Länder mit hohem Beta viel Aufholpotenzial, vor allem Argentinien, Ukraine und die Türkei, die wir noch immer für unterbewertet halten.

Die Türkei ist nur wenig verschuldet und verzeichnet ein recht stabiles, wenn auch sehr geringes Wachstum. Der neue Zentralbankchef Naci Ağbal gewinnt bereits wieder das Vertrauen der Anleger in die Geldpolitik des Landes zurück. Er verspricht den Wiederaufbau von Währungsreserven und die Abkehr von den jahrelangen Währungsinterventionen. Diese Vorhaben sind an den Märkten nicht unbemerkt geblieben, und die Mittelzuflüsse in die Türkei sind bereits wieder gestiegen.

Diese Trends, allesamt gute Nachrichten für die Emerging Markets, könnten durchaus das ganze Jahr über anhalten. Wichtige Sektoren wie Energie und Bergbau und Metalle dürften von jeglicher Konjunkturerholung profitieren. Bei Staatsanleihen aus den Schwellenländern dürften Länder mit hohem Beta wieder aufholen, wenn die politischen Risiken nachlassen. Eines sollte man aber beachten: auch wenn risikoreichere Länder höhere Erträge bieten, könnten Schwellenländeranleihen mit langen Laufzeiten unter einem möglichen Anstieg der Renditen von langlaufenden US-Anleihen leiden, wobei hiermit möglicherweise frühestens in der zweiten Jahreshälfte zu rechnen ist.

1JP Morgan Global Credit Research, Stand: 6. Januar 2021. Zahlungsausfälle von Unternehmensanleihen bezogen auf den CEMBI-Index.


Wollen Sie noch mehr über Edmond de Rothschilds Überzeugungen zu den Emerging Markets erfahren? Benjamin Melman, Global Chief Investment Officer Edmond de Rothschild Asset Management, berichtet über die Aussichten zu den Schwellenländern in 2021:


Warum sollten Investoren Unternehmensanleihen aus den Schwellenländern im Auge behalten? Lisa Turk, Fondsmanagerin Emerging Market Credit, erläutern die Chancen für 2021.

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