Die Intervention des US-Finanzministeriums dürfte kaum dauerhafte Unterstützung bieten

Eoin Walsh, Portfoliomanager bei TwentyFour Asset Management
Anleihen

Das US-Finanzministerium überraschte die Märkte mit der Ankündigung, seine Rückkaufprogramme auszuweiten.

21.08.2026 | 06:11 Uhr

Diese sollen vom 9. September bis zum 4. November auf „mindestens das Doppelte“auf vier Mrd. US-Dollar erhöht werden. Die Käufe werden sich auf den Laufzeitenbereich zwischen 10 und 30 Jahren konzentrieren. Langlaufende US-Staatsanleihen reagierten deutlich positiv auf die Nachricht: Die Rendite der 30-jährigen Anleihe schloss bei 5,19 % und sank damit um 9 Basispunkte (Bp), während die Rendite der 10-jährigen Anleihe auf 4,65 % fiel, was einem Rückgang von 6 Bp gegenüber dem Tageshöchststand entspricht. Die Bewegung beschränkte sich natürlich nicht nur auf die Treasury-Kurve. Auch Aktien erhielten Auftrieb, Gold legte um 4 % zu, während der US-Dollar-Index unter Druck geriet und um nahezu 1 % nachgab.

Rally war nicht überraschend, aber was sind die Gründe für die Intervention?

Obwohl die Rally angesichts des unerwarteten Charakters der Ankündigung kaum überraschte, richtete sich die Aufmerksamkeit rasch auf die Frage, weshalb das Finanzministerium überhaupt eingegriffen hatte und ob dies langfristige Auswirkungen haben könnte. Finanzminister Scott Bessent erwirbt sich zunehmend den Ruf, aktiv in Märkte einzugreifen, nachdem er noch vor wenigen Wochen versucht hatte, den japanischen Yen zu stabilisieren. Während die offizielle Begründung für die gestrige Maßnahme in der Verbesserung der Marktliquidität lag (bemerkenswerterweise ein Thema, das bei der regulären vierteljährlichen Ankündigung vor nur zwei Wochen noch nicht als notwendig angesehen wurde), deutet dieser inländische Eingriff eher auf den Versuch hin, die Marktteilnehmer zu beruhigen, nachdem sich die Renditen von US-Staatsanleihen kontinuierlich ihren Höchstständen der vergangenen 20 Jahre angenähert hatten.

Der Zeitpunkt der Maßnahme legt nahe, dass die Trump-Regierung den Druck steigender Zinsen zunehmend spürt, möglicherweise auch mit Blick auf die bevorstehenden Zwischenwahlen. Möglicherweise liegt der Schritt auch daran, dass keine anderen wirksamen Optionen zur Verfügung stehen: Präsident Trump verschärft seinen Kurs der „Zerschlagung wirtschaftlicher Aktivitäten“ des Iran, während die ebenfalls gestern Abend veröffentlichten Protokolle des Federal Open Market Committee (FOMC) zeigten, dass viele Teilnehmer weitere Zinserhöhungen für notwendig halten, falls die Inflation nicht zurückgeht. Es ist nicht leicht zu erkennen, welches letztendliche Ziel die US-Regierung verfolgt.

Renditen dürften im Bereich von 4% bleiben

Obwohl die Maßnahme den Optimisten am Treasury-Markt etwas Erleichterung verschaffte, sind wir weiterhin der Ansicht, dass die Faktoren, die die Renditen von hier aus deutlich nach unten treiben könnten, begrenzt sind. Der „einfachste“ Weg zu einer erneuten Einpreisung von Zinssenkungen wäre vermutlich ein längerfristiger Waffenstillstand zwischen den USA und Iran, der die Wiederöffnung der Straße von Hormus ermöglichen und damit den Weg für nachhaltig niedrigere Energiepreise ebnen würde. Doch selbst wenn ein Waffenstillstand wahrscheinlich eine Rally auslösen würde, dürften die Renditen wohl im mittleren 4 %-Bereich verbleiben, bis eindeutige Anzeichen dafür vorliegen, dass sich die Inflation wieder auf einem klaren Abwärtspfad befindet und die US-Notenbank (Fed) Zinssenkungen in Betracht ziehen kann.

Ohne disinflationären Schock bleibt der Druck zu höheren Renditen bestehen

Damit sich eine umfassendere Rally etabliert, müssten die Märkte wahrscheinlich mit schwächerem Wirtschaftswachstum oder niedrigeren Haushaltsdefiziten rechnen. Beides erscheint derzeit wenig wahrscheinlich. Das BIP-Wachstum bleibt robust, und für das zweite Quartal wurden starke Unternehmensgewinne berichtet. Gleichzeitig verharren die staatlichen Ausgaben in den USA auf hohem Niveau; die US-Staatsverschuldung überschritt Anfang dieser Woche die Marke von 40 Billionen US-Dollar. Darüber hinaus dürften die derzeit sehr hohen Kreditaufnahmen und Investitionen der Hyperscaler kurzfristig eher inflationäre Effekte haben, selbst wenn die von ihnen unterstützte Technologie der Künstlichen Intelligenz (KI) langfristig deflationär wirken könnte. Angesichts des enormen Emissionsvolumens treten Hyperscaler derzeit sogar als Konkurrenz zu US-Staatsanleihen auf. Ohne einen disinflationären wirtschaftlichen Schock dürfte der Druck hin zu höheren Renditen und steileren Zinskurven unserer Einschätzung nach bestehen bleiben.

Signal an die Märkte, dass US-Regierung bereit ist, einzugreifen

Auch wenn wir bezweifeln, dass dieser Schritt allein die Renditen nachhaltig senken kann, zumal die Rendite der 10-jährigen Anleihe inzwischen nur noch 4 Basispunkte unter dem gestrigen Höchststand liegt, sendet die Intervention ein starkes Signal an die Märkte, dass das US-Finanzministerium bereit ist einzugreifen, wenn die Renditen ein unangenehm hohes Niveau erreichen. Zusammen mit dem Umstand, dass sowohl nominale als auch reale Renditen in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen sind, könnte dies zumindest kurzfristig dazu beitragen, eine Obergrenze für weitere Renditeanstiege zu schaffen. Zudem bedarf es derzeit eines mutigen Investors, um US-Staatsanleihen auf diesem Niveau direkt leerzuverkaufen. Sollte das Finanzministerium jedoch auf deutlich niedrigere Renditen und damit auch auf spürbar niedrigere Hypothekenzinsen gehofft haben, dürfte es enttäuscht werden.

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