
Die US-Innenpolitik dürfte in den kommenden zwei Jahren von zähen Verhandlungen und dem Risiko politischer Blockaden geprägt sein.
06.11.2026 | 10:06 Uhr
Kay-Peter Tönnes von Antecedo sieht Chancen für US-Aktien – warnt aber zugleich vor wachsenden Risiken, falls sich die Republikaner stärker isolationistisch ausrichten und die USA ihr außenpolitisches Engagement zurückfahren.
Deutlicher als zuvor erwartet hat die Demokratische Partei in den USA die Zwischenwahlen gewonnen. Damit verfügen die Demokraten zukünftig über Mehrheiten in beiden Parlamentskammern und maßgeblichen Einfluss auf Gesetzgebung und Staatsfinanzen. Auch Spitzenämter können künftig nur mit Zustimmung der Demokraten besetzt werden. Trump bleibt jedoch Präsident mit Vetorecht in der Innenpolitik und ungebrochener Handlungsmacht in der Außenpolitik.
„Unter diesen Voraussetzungen wird die amerikanische Innenpolitik in den nächsten beiden Jahren zum Basar“, sagt Kay-Peter Tönnes, Gründer und Geschäftsführer von Antecedo Asset Management. „Es wird stets darum gehen, für die eigene Seite möglichst viel herauszuholen – auch mit Blick auf die nächste Präsidentschaftswahl in zwei Jahren. Werden keine Kompromisse erreicht, bestehen hohe Risiken, dass es zu Shutdowns kommt, die die Wirtschaft beeinträchtigen können.“
„Neben dem reinen Wahlergebnis war auf republikanischer Seite vor allem die Reaktion von Vizepräsident Vance von Bedeutung“, sagt Tönnes. „Indem dieser erklärte, man habe alles richtig gemacht hat, nur der Iran-Krieg sei falsch gewesen, machte er klar seinen Führungsanspruch in der MAGA-Bewegung und mit Blick auf die Nachfolge Trumps deutlich. Wenn sich diese Sichtweise in der republikanischen Partei durchsetzt, könnten die USA noch viel isolationistischer werden, als dies bisher unter Trump der Fall war.“
Die Folgen sind für Tönnes klar: „Dies würde bedeuteten, dass sich die USA sehr bald aus dem Iran-Krieg zurückziehen und ein besseres Verhältnis zu Russland höher gewichten könnten als die weitere Unterstützung Europas. All dies wäre dem Ziel untergeordnet, die Rohstoffpreise wieder zu senken und teure außenpolitische Engagements zu beenden. Denn sinkende Inflation und niedrigere Zinsen in den USA könnten die Aussichten der Republikaner für die Wahl 2028 deutlich verbessern.“
Für Anleger bedeute dies sowohl größere Chancen als auch zunehmende Risiken, so Tönnes. „Als besonders aussichtsreich erscheinen amerikanische Aktien, die von besseren Wirtschaftsdaten in den USA am direktesten profitieren würden.“
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