Schroders: Zwei Wege mit Anlagen Einkommen zu generieren

Wer mit seinen Investments herkömmliche Einkommensquellen ersetzen möchte, kann zwischen zwei Herangehensweisen wählen. Jede Option hat ihre Vorteile.

09.08.2018 | 09:48 Uhr

Viele Anleger wollen mit ihrem privaten Portfolio ausreichende laufende Erträge generieren, um herkömmliche Einkommensquellen zu ersetzen. Das ist jedoch nicht so einfach, wie es scheint.

Dazu ist es unerlässlich, dass die Anleger die verschiedenen Methoden zur Generierung von Erträgen aus den Anlagen verstehen. Wie Gelder abgezogen werden, beeinflusst spürbar die Zeitspanne, bis die Geldquelle versiegt.

Generell gibt es zwei gegensätzliche Methoden, wie Gelder ausbezahlt werden: die Methode der „natürlichen Erträge“ und die „Auszahlung“. Hier erläutern wir die jeweiligen Vor- und Nachteile.

Was sind natürliche Erträge?

Dabei werden die Barausschüttungen einer Anlage herangezogen, das Kapital bleibt jedoch unberührt. Bei Aktien sind es Dividenden (also der an Aktionäre ausgeschüttete Teil des Unternehmensgewinns), bei Bankeinlagen und Anleihen sind es Zinszahlungen und bei Immobilien ist es die Miete. Beispielsweise verzeichnet der Vergleichsindex für die globalen Aktienmärkte (der „MSCI World Index“) am 30. April 2018 eine Dividendenrendite von 2,4 %. Theoretisch würde dies bei einer Anlage im Gesamtwert von 100.000 Euro zur Zahlung von natürlichen Erträgen von 2.400 Euro führen. (Die Renditeentwicklung der Vergangenheit ist kein Maßstab für zukünftige Ergebnisse.)

Was sind die Vorteile?

Der größte Vorteil ist, dass Ihre ursprüngliche Anlagesumme unangetastet bleibt. Ihr Wert schwankt natürlich in Abhängigkeit von den Marktpreisen. Allerdings wird Ihr Kapital nicht aufgezehrt, indem Teile Ihrer Anlage verkauft werden müssen.

Für Ruheständler ist das ein wichtiger Aspekt. In vielen Ländern nimmt die Zeit zu, die wir im Ruhestand verbringen, da das Renteneintrittsalter nicht der gestiegenen Lebenserwartung angepasst wurde. Wenn Sie Ihr Kapital abverkaufen, um Erträge zu generieren, besteht die Gefahr, dass Sie Ihre Anlagen überleben.

Denn je mehr Teile Ihrer Anlage Sie verkaufen, desto schneller fällt der Kapitalbetrag auf null.

Einerseits wird Ihr Kapital nicht aufgezehrt und andererseits haben sie einen gewissen Schutz gegen Inflation – dem Feind jedes ertragsorientierten Anlegers.

Je weiter die Preise steigen, desto mehr Ertrag benötigen Sie, um denselben Lebensstandard zu haben. Diejenigen, die Barmittel auf dem Bankkonto haben, erleben dann, dass die Kaufkraft ihrer Einlagen zurückgeht, wenn die Einlagenzinssätze die Preissteigerungen unterschreiten. Dies war bereits in vielen westlichen Volkswirtschaften in den vergangenen zehn Jahren der Fall.

Allerdings entwickeln sich einige Vermögenspreise tendenziell entsprechend der Inflation, nämlich Aktien und Immobilien. Das bedeutet, dass der Realwert Ihrer Anlage der zersetzenden Wirkung der Inflation besser standhält.

Was aber sind die Nachteile natürlicher Erträge?

Trotz der Vorteile des Kapitalerhalts sind mit natürlichen Erträgen auch einige Nachteile verbunden.

Die Anleger, die regelmäßig feste Beträge benötigen, geraten in Schwierigkeiten, wenn sich die zugrunde liegende Rendite ihrer Portfolios ändert. Die täglichen Sorgen wegen schwankender Erträge können bei der Planung der Ausgaben zu belastend sein. Selbst wenn sich der Renditeprozentsatz nicht verändert, ändert sich bei einer Wertänderung der Anlage der Geldbetrag, den Sie erhalten.

Die Grafik unten zeigt, wie volatil die Methode der natürlichen Erträge während eines Zeitraums von 30 Jahren sein kann. Das Beispielportfolio besteht zu 50 % aus Aktien und zu 50 % aus Anleihen, die jährlich neu gewichtet werden, um diese Aufteilung aufrechtzuerhalten. Wir haben die Equity-Gilt-Studie von Barclays angewandt, die Marktertragsdaten aus 115 Jahren aufweist.

Realrendite natürlicher Erträge aus einem ursprünglichen Portfolio im Wert von 100.000 US-Dollar

Realrendite natürlicher Erträge aus einem ursprünglichen Portfolio im Wert von 100.000 US-Dollar
Realrendite natürlicher Erträge aus einem ursprünglichen Portfolio im Wert von 100.000 US-Dollar

Quelle: Schroders, Juni 2018.

Wertschwankungen sind ein eindeutiger Nachteil. Allerdings sind sie nicht das einzige Problem – eine natürliche Rendite ist möglicherweise nicht ausreichend, um den Ertragsbedarf zu decken.

Wenn eine Anlage eine Rendite von 3 % abwirft, muss ein erheblicher Geldbetrag angelegt werden, um einen Ertrag zu liefern, der hoch genug ist, um beispielsweise die Lebenshaltungskosten zu decken.

Kann ich einfach Teile meines Portfolios verkaufen, wenn ich Geld benötige?

Erhaltene Barausschüttungen können auch wieder investiert werden und wenn Sie Einkommen benötigen, werden Anteile verkauft. Dies wird als „Auszahlung“ bezeichnet. Hier erhalten Sie die wesentlichen Vorteile des Zinseszinses, plus die Flexibilität, Barmittel bei Bedarf zur Verfügung zu haben.

Die größte Gefahr dieser Strategie ist der Zeitpunkt des Verkaufs Ihrer Anlage. Wenn Sie das Portfolio für die Generierung von Erträgen nutzen, können Sie wahrscheinlich nicht nach Belieben verkaufen. Wenn Sie während einer Marktflaute verkaufen, müssen Sie wohl einen größeren Teil Ihres Portfolios verkaufen als in besseren Zeiten. Sollte das wiederholt passieren, kann Ihr finanzielles Polster schnell abschmelzen. In der Anlagebranche wird dies als „Dollar-Cost Ravaging“ (Dollar-Kosten-Verwüstung) bezeichnet.

Die Grafik unten führt die Folgen einer solchen „Dollar-Kosten-Verwüstung“ auf. Sie sind beispielsweise 65 Jahre alt, haben Ersparnisse von 100.000 Euro und heben so lange jeden Monat 750 Euro ab, bis das Ersparte aufgebraucht ist. Für dieses Beispiel haben wir angenommen, dass Ihre Anlage durchschnittlich eine Rendite von 7 % jährlich abwirft. Allerdings liefert der Markt selten einheitliche Erträge, einige Jahre sind besser, andere schlechter. Jede Linie stellt einen unterschiedlichen Weg für die Erreichung dieser durchschnittlichen 7 % während der Anlage dar. Siehe dazu die Renditeabfolge, die rechts in der Grafik aufgeführt wird.

Wie der Grafik zu entnehmen ist, reichen Ihre Ersparnisse fast bis zu Ihrem 90. Lebensjahr, wenn Sie Glück haben und sich der Markt in den ersten Jahren gut entwickelt. Wenn Sie Pech haben, geht Ihnen aber auch schon mit 83 Jahren das Geld aus.

Folgen der „Dollar-Kosten-Verwüstung“

Folgen der „Dollar-Kosten-Verwüstung“
Folgen der „Dollar-Kosten-Verwüstung“

Quelle: Schroders, Juni 2018.

Die Erkenntnis lautet also: Verkaufen Sie Ihr anfängliches Anlagekapital, verstärken Sie den Einfluss der Wertschwankungen am Markt. Der Vorteil ist jedoch, dass Sie einen beständigen Ertragsstrom erhalten können, mit dem die finanzielle Planung und die Ausgaben einfach vorzunehmen sind (da er dauerhaft ist).

Soll ich mich also für den natürlichen Ertrag entscheiden oder das Kapital abverkaufen?

Beide Methoden haben erhebliche Vor- und Nachteile. Die geeignetste Ertragsstrategie ist differenzierter, als sich einfach für die eine oder andere Methode zu entscheiden.

Einkommensfondsmanager versuchen, die Vorteile beider Methoden zu erzielen und gleichzeitig die Nachteile auszugleichen. Einige arbeiten vielleicht mit Finanzinstrumenten, um dies zu erreichen. Dazu muss die positive Seite einer bestimmten Anlage für eine Prämie weitergegeben werden. Die Idee dabei ist, dass Ihre Anlage bei steigenden Märkten nicht so sehr zulegt, bei fallenden Märkten aber auch nicht so sehr sinkt. Das Ziel dieser Strategien ist es, die Beständigkeit der Auszahlungsmethode sicherzustellen und gleichzeitig den Kapitalschutz der Methode der natürlichen Erträge anzustreben.

Da den Anlegern verschiedene Optionen zur Verfügung stehen, ist es wichtig, dass sie ihre Hausaufgaben machen und bei Bedarf professionelle Beratung einholen, damit sie einen Anlageweg einschlagen können, der auf sie bestmöglich abgestimmt ist.

Außerdem muss beachtet werden, dass lokale Steuerregelungen, individuelle Ziele und die individuelle Risikobereitschaft bei der Wahl der geeigneten Strategie zu berücksichtigen sind.

Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar. Der Beitrag wurde am 08.08.18 auch auf schroders.com veröffentlicht.


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