Janus Henderson: Aktien versus Anleihen - gewinnbringend investieren

Marc Pinto ist Portfoliomanager bei Janus Henderson Investors und zeichnet für die Opportunistic Growth Strategie verantwortlich.

Viele Anleger treibt die Frage um, wo sie ihr Geld am besten anlegen sollen. Denn einfache Lösungen, sind Mangelware.

17.09.2018 | 10:38 Uhr

In den letzten Jahren hat sich der US-Aktienmarkt stark entwickelt und dabei die Schwellen- und Industriemärkte in Europa und Asien hinter sich gelassen. Dieses Jahr mussten Anleger jedoch mit stärkeren Marktschwankungen zurechtkommen, wobei die zunehmenden Handelsspannungen die soliden Gewinne und vermehrten M&A-Aktivitäten überlagerten. In den inzwischen weiteren Spreads von Investment-Grade-Unternehmensanleihen spiegeln sich nicht nur die schwächere Nachfrage wegen des Ausstiegs der Zentralbanken aus ihren quantitativen Lockerungsprogrammen wider, sondern auch die jüngsten fremdfinanzierten Konsolidierungen und das relativ große Angebot. Die Entscheidung der US-Notenbank (Fed), ihren Leitzins zum zweiten Mal in diesem Jahr anzuheben, unterstreicht ihr Vertrauen in die Stärke der US-Wirtschaft. Aber während die Fed ihre kurzfristigen Konjunkturprognosen angehoben hat, bleibt ihr langfristiger Wachstumsausblick verhaltener.

Diversifizierung in unsicheren Zeiten

So spät im Zyklus muss grundsätzlich mit Makrorisiken gerechnet werden. Aber das unsichere geopolitische Umfeld kompliziert die Lage, bei dem ein ausgewachsener Handelskrieg die größte, aber aus unserer Sicht unwahrscheinliche Bedrohung darstellt. In dieser Gemengelage treibt viele Anleger die Frage um, wo sie ihr Geld am besten anlegen sollen. Denn einfache Lösungen, die ihnen helfen, ihre Ziele z.B. bei der Altersvorsorge, dem Aufbau eines Notgroschens oder Rücklagen für eine Hochschulbildung zu erreichen, sind Mangelware.

Angesichts dieser Unsicherheiten ist es entscheidend, dass wir bei der Titelauswahl auch weiter diszipliniert vorgehen – sowohl was die von uns bevorzugten Wertpapiere als auch jene anbelangt, von denen wir glauben, dass sie höhere inhärente Risiken bergen. Wir sind daher bestrebt, unser Risiko über ein Engagement in verschiedene Sektoren oder Themen breit zu streuen. Ein wesentliches Merkmal unserer Anlagestrategie ist die Fähigkeit, unser Engagement in verschiedenen Anlageklassen wie Aktien und Anleihen dynamisch anzupassen, je nachdem, wo wir im Vergleich die besten Renditechancen sehen. Die Entscheidung zwischen Aktien und festverzinslichen Wertpapieren ist de facto ein Wettbewerb ums Kapital. Dabei diskutieren wir aktiv darüber, ob das Aktien- oder das Rententeam die besseren Möglichkeiten hat, das Vermögen gewinnbringend anzulegen. Durch diesen aktiven Dialog verfügt unsere Anlagestrategie aus unserer Sicht über einen echten Wettbewerbsvorteil.

Strukturen für Teamarbeit

Am Beispiel des Anbieters von Entscheidungsanalytik Verisk lässt sich gut verdeutlichen, wie die Zusammenarbeit zwischen unseren Aktien- und Rententeams funktioniert. Bei Verisk handelt es sich um ein kleineres, wenig beachtetes Unternehmen, das Schadensdaten von Versicherungsunternehmen sammelt und analysiert. Anschließend werden die Daten zurück verkauft, um die prädikative Analyse zu verbessern, die Versicherern hilft, Risiken zu modellieren. Das Unternehmen ging 2009 an die Börse und emittierte einige Jahre später erstmals Anleihen. Da es sich um sein Debüt als Anleiheemittent handelte, war Verisk am Rentenmarkt ein unbeschriebenes Blatt. Dank der engen Zusammenarbeit zwischen unseren Aktien- und Fixed-Income-Teams konnten unsere Aktienanalysten jedoch schnell die für das Unternehmen relevanten Punkte zusammenstellen. Daraufhin entschieden wir, uns an der Anleiheemission zu beteiligen.

Unser Engagement ging jedoch noch weiter. 2015 gab Verisk die Übernahme von Wood Mackenzie bekannt, einem Datenanalyse-Unternehmen in den Bereichen Energie, Chemie sowie Metalle und Bergbau. Zusammen konnten unsere Aktien- und Anleiheanalysten eine Telefonkonferenz mit dem CEO und CFO vereinbaren, die normalerweise nicht direkt mit Anleihegläubigern in Kontakt treten. In diesem Gespräch diskutierten wir über die Pläne des Managements und insbesondere seine Absicht, die Bilanz nach der Akquisition zu entschulden. In diesem Fall stimmten die Interessen der Aktionäre mit denen der Anleiheinhaber überein, da der Schuldenabbau beiden zugute kommt.

Erträge und Kapitalwachstum im Auge behalten

Wir glauben, dass es wichtig ist, Jahr für Jahr positive absolute Renditen zu generieren unabhängig vom makroökonomischen Umfeld. Unsere Anlageentscheidungen sowohl im Renten- wie auch im Aktienbereich treffen wir mit diesem Ziel vor Augen. Bei Aktien suchen wir nach Unternehmen mit hohen und steigenden Margen, die in Branchen mit Wachstumspotenzial eine angemessene Rendite auf das investierte Kapital (ROIC) und einen freien Cashflow (FCF) erzielen. Die festverzinslichen Wertpapiere bilden das Grundgerüst für das Gesamtportfolio mit einer Kombination aus US-Staatsanleihen und Unternehmensanleihen besserer Qualität, mit denen wir Erträge und Kapitalwachstum anstreben. Wir glauben, dass unsere Anleger letztlich eine positive Gesamtrenditen wollen. Damit können sie ihre Rechnungen bezahlen, und dabei ist es ihnen egal, ob die Renditen aus Kapitalzuwachs oder Erträgen stammen.

Derzeit sind nach unserer Einschätzung Aktien aufgrund des anhaltenden Wirtschaftswachstums und der Unternehmenssteuersenkungen die attraktivere risikobereinigte Anlagechance verglichen mit Anleihen. Wir sind, wie viele andere auch, in der aktuellen Zyklusphase besorgt über das Tempo und die Auswirkungen steigender Zinsen, hoher Bewertungen und schuldenfinanzierter Fusionen und Übernahmen. Dennoch generieren Unternehmen attraktive freie Cashflows und investieren diese wieder in ihr Geschäft, sodass sie ein solides Umsatz- und Gewinnwachstum erzielen. Zusammen mit einem angemessenen Lohnwachstum und anhaltend starkem Konsum verleiht das Aktien als Anlageklasse einen gewissen Rückenwind. Wie immer konzentrieren wir uns dabei auf Unternehmen mit guten Wachstumsaussichten und solche, die mit innovativer Technologie die Effizienz und Qualität ihrer Produkte verbessern.


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