steinbeis & häcker: Schwedischer Aktienmarkt - 'klein aber oho!'

Foto: Blick auf Stockholm

Als aktiver Vermögensverwalter mit einem Faible für wertorientierte Einzeltitelauswahl haben wir jüngst einige der für uns relevanten Unternehmen vor Ort in Stockholm getroffen und dabei auch einige Perlen gefunden.

27.07.2018 | 10:27 Uhr

Der schwedische Aktienmarkt zählt, gemessen am Leitindex OMX Stockholm 30, zu den mittelgroßen in Kontinentaleuropa. Es dominieren die Sektoren Finanzen, Industrie und Dienstleistungen. Die Aktienkultur innerhalb der Bevölkerung ist, wie generell in Nordeuropa, weit fortgeschritten. Der OMX-Index beinhaltet eine Vielzahl an Werten, die erhebliche Umsatzanteile auch außerhalb des Heimatmarktes erzielen. Seit Jahresanfang bewegt sich die Wertentwicklung des breiten Gesamtmarktes im Wesentlichen in Einklang mit den Börsen der Eurozone. 

Aktuelles politisches und wirtschaftliches Umfeld

Schweden finanziert vergleichsweise hohe Sozialleistungen, eine intensive Bildungspolitik und staatliche Forschungsförderung mittels einer ausgeprägten Fiskalpolitik. Daraus resultieren einerseits immense Staatsquoten (Staatsausgaben zu Bruttoinlandsprodukt), andererseits ein Sozialstaat mit einzigartigen Annehmlichkeiten für die Bürgerschaft. Insofern galt das schwedische Modell lange als Vorbild eines solidarisch geprägten, modernen Staatswesens in Europa. Doch das ist nicht die ganze Wahrheit. Aktuell driftet die Vermögensverteilung massiv auseinander, populistische politische Kräfte zermürben die Mitte der Gesellschaft und die überaus liberale Einwanderungspolitik der Vergangenheit zeigt nun ihre Schattenseiten. Einzelne Bereiche der Wirtschaft, wie der Immobilienmarkt, zeigen zudem Anzeichen einer starken Anspannung. Genau deshalb ist es sinnvoll den schwedischen Markt nicht pauschal, sondern auf Ebene einzelner Geschäftsmodelle zu beurteilen.

Investmentperlen in einem vergleichsweise wenig analysierten Gesamtmarkt

In der Auswahl der Einzeltitel achten wir auf Qualitätswerte der Realwirtschaft, unabhängig von Investmentstilen wie „value“ oder „growth“. Auch die Zugehörigkeit zu einem Index oder die jeweilige Marktkapitalisierung sind unerheblich. Insofern bietet der schwedische Markt unseres Erachtens derzeit eine Reihe von attraktiven Unternehmen aus unterschiedlichsten Segmenten.

Aufgrund seiner geografischen Lage sind in Schweden erstklassige Unternehmen, etwa der Forstwirtschaft, anzutreffen. Ein Paradebeispiel substanzorientierter und nachhaltiger Geldanlage. Ein stabiler Ankerinvestor, ein bewährtes Management, eine verlässliche Dividende und die Diversifikation, auch in dem Bereich Erneuerbare Energien, untermauern unseren hervorragenden Gesamteindruck eines solchen Titels. Ebenso können Investitionen in Beteiligungsgesellschaften grundsätzlich einen smarten Zugang zu exzellent gemanagten Unternehmen offerieren, von denen einige im Zuge eines Börsengangs erhebliche Wertschöpfungspotenziale aufweisen. Hier haben wir die Analyse einer weiteren Holding, diesmal aus dem Medizintechnik-Bereich, aufgenommen. Des Weiteren finden wir im Small- und MidCap-Segment Weltmarktführer, so etwa einen Anbieter von computergestützten Kommunikations-Interfaces, wenn Kommunikationswege wie Sprache und Gesten krankheitsbedingt nicht zur Verfügung stehen. Derartige „Eye-tracking“ - Systeme finden auch im Zukunftsmarkt eSports oder in der Automobilindustrie zusätzliche Anwendungsformen. Wie aus früheren Publikationen hervorgeht, sehen wir die Tragfähigkeit und Bilanzqualität der europäischen Bankenindustrie ausgesprochen skeptisch. Vergleichsweise zukunftsfähige Marktteilnehmer finden sich dennoch in Nordeuropa und dort insbesondere in Schweden.

Unter den zukunftsorientierten Thementrends sticht ein schwedischer Medienkonzern hervor, der überwiegend in Skandinavien und dem Baltikum aktiv ist. Zur geringen Verschuldung und einer hohen Dividendenzahlung tritt Phantasie für den eSports-Bereich hinzu, wo jüngst vielversprechende Plattformen gekauft wurden. Des Weiteren wäre ein innovatives Technologie-Unternehmen zu nennen, das u.a. für den Bereich „Digital Gaming“ eine Software entwickelt, die erfasst wohin der Blick des Spieler gerade gerichtet ist. Derartige strukturelle Wachstumsmärkte nutzen wir zur Realisierung von Chancen im Rahmen unseres grundsätzlich vermögenserhaltenden Ansatzes. 

Fazit

Der Glanz der einst vorbildlichen schwedischen Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik ist gegenwärtig ein Stück weit verblasst. Eine bloß passive Abbildung des schwedischen Aktienmarktes bietet, abgesehen von letztlich unkalkulierbaren Währungseffekten, keinen Mehrwert im Kontext eines europäischen Portfolios. Eine Betrachtung auf Einzeltitelebene unter wertorientierten, bewertungstechnischen Maßstäben und die Bereitschaft indexunabhängig zu agieren, fördert demgegenüber jedoch eine Reihe investitionswürdiger Unternehmen zu Tage. Akkurate Bilanzanalyse, Kooperationen mit externen Spezialisten bei Zukunftstrends sowie steter Kontakt zum Management in Verbindung mit Vor-Ort-Besuchen schaden bei der Portfoliokonstruktion keineswegs. 

Die steinbeis & häcker vermögensverwaltung gmbh ist Fondsberater des S&H Income & Opportunities Fund, A12BRG. Der konservative Mischfonds mit Sachwertorientierung hat aktuell einige ausgewählte schwedische Titel allokiert.


Kontakt zum Autor:
Markus Merkel, CEFA
Leiter Mandate und Kooperationspartner
m.merkel@steinbeis-haecker.de


Diesen Beitrag teilen: