
Die US-Midterm-Wahlen rücken näher, doch für die Aktienmärkte dürfte in den nächsten Wochen eine andere Frage wichtiger sein: Können die Unternehmen die hohen Gewinnerwartungen erfüllen?
15.10.2026 | 05:00 Uhr
Darin sieht Dr. Stefan Schüder, Senior Specialist Economics
der apoBank, den entscheidenden Test für das weiterhin konstruktive
Marktumfeld:
„Das größte Risiko für Aktien ist derzeit eher eine Enttäuschung der
Berichtssaison als der Ausgang der Midterm-Wahlen. Trotz höherer Ölpreise
infolge des Iran-Konflikts und gestiegener Anleiherenditen notieren viele
Aktienmärkte nahe ihren Höchstständen. Getragen wird diese Widerstandsfähigkeit
vor allem von robusten Gewinnperspektiven. Auch die steigenden US-Renditen sind
derzeit Ausdruck einer starken Wirtschaft. Solange sie sich durch solides
Wachstum und Investitionen erklären lassen, bleibt die Belastung für Aktien
begrenzt.
Umso wichtiger wird nun die Berichtssaison: Die Messlatte für das dritte
Quartal liegt hoch, doch die Vorzeichen sind bislang eher positiv. Anders als
sonst üblich haben Analysten ihre Gewinnschätzungen zuletzt angehoben, und
ungewöhnlich viele Unternehmen haben positive Ausblicke veröffentlicht. Zugleich
kommt die Gewinndynamik zunehmend nicht mehr nur aus dem Technologiesektor,
sondern auch aus Industrie-, Finanz- und weiteren zyklischen Bereichen.
Der KI-Investitionsboom bleibt ein wichtiger Treiber des US-Gewinnwachstums.
Sollte die Dynamik nachlassen, dürfte das vor allem einzelne Technologie- und
Infrastrukturwerte treffen, nicht zwangsläufig den gesamten Markt. Die
Midterms können zwar kurzfristig für Schwankungen sorgen, bestimmen aber kaum
den langfristigen Markttrend. Sollten die Demokraten sowohl im
Repräsentantenhaus als auch im Senat gewinnen, würde ein politischer Stillstand
wahrscheinlicher: Wegen des Vetorechts von Präsident Trump wären größere
Kurswechsel nur schwer durchzusetzen.
Unser Basisszenario für Aktien bleibt deshalb konstruktiv. Solange die
Gewinne robust bleiben und die KI-Investitionen nicht spürbar nachlassen,
spricht mehr für eine Fortsetzung des positiven Marktumfelds als für eine
nachhaltige Korrektur.“
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