
Der DAX wirkt 2026 auf den ersten Blick stabil, doch hinter dem Index verbergen sich sehr unterschiedliche Gewinner und Verlierer.
03.09.2026 | 07:20 Uhr
Während einige Industrie- und Technologiewerte stark
zulegen, stehen die deutschen Autobauer deutlich unter Druck, vor allem mit
Blick auf China, so Timo Steinbusch, Leiter Portfoliomanagement der apoBank:
„Der DAX ist derzeit kein einheitlicher Markt, sondern das gemeinsame
Etikett für zwei völlig unterschiedliche wirtschaftliche Geschichten. Seit
Jahresbeginn hat der Index nur moderat zugelegt, während Infineon um fast 50
Prozent gestiegen ist. BASF, Siemens und Allianz liegen ebenfalls zweistellig
im Plus. Demgegenüber notieren die großen Autohersteller klar im Minus.
Zwischen Infineon und BMW liegen derzeit rund 80 Prozentpunkte
Performanceunterschied.
Diese Kluft ist nicht nur konjunkturell bedingt. Vor allem in China
haben die deutschen Autobauer ein strukturelles Wettbewerbsproblem.
Deutsche Marken verlieren Marktanteile, während lokale Anbieter und der Wandel
zur Elektromobilität den Druck erhöhen. Die deutschen Fahrzeug- und
Teileexporte nach China liegen deutlich unter dem Vorjahresniveau aber auch die
Absatzzahlen aus den lokal produzierenden Werken sind weiter unter Druck.
Für Anleger ist China kein einheitlicher Rückenwind. Entscheidend ist
deshalb nicht allein, ob Peking stimuliert, sondern was Peking stimuliert.
Infrastruktur- und Produktionsprogramme wirken direkter auf Chemie,
Automatisierung und Halbleiter, während Konsumimpulse die deutschen
Premiumhersteller später und mit größerer Unsicherheit erreichen. BASF
etwa profitiert stärker von einer industriell geprägten Erholung als ein reiner
Konsumimpuls es könnte.
China ist der Swing-Faktor für einzelne Unternehmen, im Basisszenario aber
nicht stark genug, den gespaltenen DAX wieder zu vereinen. China kann die
Spreizung im DAX verringern, im Basisszenario aber nicht aufheben. Für den
Gesamtmarkt bleibt das globale Wachstum der wichtigste Treiber. Für
Anleger zählt deshalb weniger der DAX als Ganzes, sondern die bewusste
Entscheidung, welche dieser beiden Geschichten sie im Portfolio spielen
wollen.“
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