
Die hohe Bewertung von SpaceX verdeutlicht, wie ausgeprägt der aktuelle Techno-Optimismus an den Kapitalmärkten ist, so Joeri de Wilde, Ökonom bei Triodos Investment Management (IM)
16.06.2026 | 09:42 Uhr

Visionen von Rechenzentren im All, einer groß angelegten Raumfahrtindustrie und letztlich sogar der Kolonisierung des Mars beflügeln die Fantasie, obwohl viele dieser Szenarien auf absehbare Zeit mit erheblichen Unsicherheiten behaftet bleiben. Gleichwohl scheint ein Teil der Bewertung von SpaceX auf dem Vertrauen in genau diese Zukunftsbilder zu beruhen.
Solche Erzählungen nähren die Erwartung, dass technologische Innovation uns von den physischen Grenzen des Planeten entkoppeln könne. Wenn Rohstoffe knapp werden oder ökologische Belastungsgrenzen in Sicht kommen, sollen neue Technologien oder gar neue Welten die Lösung bieten. Die Gefahr dabei: Grundlegende Fragen zu Konsummustern, dauerhaftem Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch treten in den Hintergrund.
Die Faszination für SpaceX spiegelt daher mehr wider, als die reine Erwartung an ein einzelnes Unternehmen oder eine bestimmte Technologie. Sie steht auch für eine breitere gesellschaftliche Hoffnung, den heutigen Lebensstil mithilfe technischen Fortschritts im Kern unverändert fortführen zu können. Aus Sicht der planetaren Grenzen ist dies ein beunruhigender Gedanke – denn ein starkes Vertrauen in zukünftige technologische Durchbrüche kann die notwendige Bereitschaft schwächen, Wirtschaft und Konsum bereits heute konsequent umzusteuern.
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