DNCA: "Tea for two and two for tea”

Igor de Maack, Fondsmanager

Während aus europäischen Aktien in dieser Woche 4,6 Mrd. Dollar abgezogen wurden, konnten US-Aktien mit 25,5 Mrd. Dollar die stärksten Zuflüsseseit einem Jahr verbuchen.

19.03.2019 | 08:55 Uhr

Wer den Louis-de-Funès-Klassiker „Drei Bruchpiloten in Paris“ gesehen hat, kennt diese aus einem 1925 am Broadway produzierten amerikanischen Musical (No, No Nanette) entlehnte Melodie. Obwohl sie im Juni 2016 für einen Austritt aus der Europäischen Union votiert hatten, beharren die Briten standhaft darauf, weiterhin mit ihren europäischen Partnern Tee zu trinken. In einem Abstimmungsmarathon sprachen sich die Abgeordneten in Westminster diese Woche nun für einen Aufschub der eigentlich am 29. März ablaufenden Austrittsfrist aus, in der Hoffnung, den Europäern weitere Zugeständnisse abringen zu können.

Diese Unsicherheit schürt weiterhin Misstrauen gegenüber europäischen Aktien (aus denen in dieser Woche 4,6 Mrd. Dollar abgezogen wurden), während US-Aktien die seit einem Jahr stärksten Zuflüsse innerhalb einer Woche verbuchen konnten (25,5 Mrd. Dollar). Und wie seit Jahresbeginn setzen die Märkte derweil ihren unaufhaltsamen Anstieg auf immer neue Jahreshöchststände fort.

Dies verblüfft insbesondere in Europa, wo die Schwarzmaler den Ton angeben. Eine Rezession lässt sich jedoch bislang nicht blicken. Auch die Ankündigungen der EZB haben nichts an der Einschätzung der Anleger zum Euroraum geändert, der sich zwar weiterhin durch schwache Wachstums- und Inflationsdaten auszeichnet, dafür aber ausgeglichene Finanzhaushalte vorweisen kann. In den Geschäftsberichten spiegelt sich noch immer die Konjunkturabkühlung des letzten Quartals 2018 wider.

Der Brexit wird weiterhin Vorbehalte gegenüber dem europäischen Kontinent nähren, da das britische Referendum als Vorläufer eines Auseinanderreißens Europas gewertet wird. Tatsächlich jedoch haben die Briten in der europäischen Geschichte oft die Außenseiterrolle gespielt. Zudem ist das Vereinigte Königreich nicht Teil derselben Währungsgemeinschaft. Der Euroraum indes hat sich in der griechischen, der portugiesischen und der irischen Krise als solide bewährt. Angesichts der jenseits des Ärmelkanals herrschenden Unschlüssigkeit darüber, wie (und warum) der EU-Austritt zu vollziehen sei, könnten die Brüsseler Entscheidungsträger es unseren britischen Partnern vielleicht mit einer anderen Zeile aus dem anfangs erwähnten Lied versuchen: „Darling, this place is a lovely oasis“!

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