Vontobel Emerging Markets Blend: „Eine Gesamtrendite nahe an großen Aktienindizes"

Der Vontobel Fund Emerging Markets Blend bündelt Schwellenländeranleihen zu einem kompakten Portfolio. Im Gespräch erklärt Dario Scheurer, wie der Ansatz funktioniert, wo aktuell die größten Investment-Chancen liegen und wie er die Folgen des Irankonflikts einordnet.

10.03.2026 | 10:00 Uhr von «Peter Gewalt»

TiAM FundResearch: Herr Scheurer, warum braucht es den Vontobel Fund Emerging Markets Blend, wenn es schon reine Hartwährungs‑ oder Lokalwährungs‑Strategien aus Ihrem Haus gibt?
Dario Scheurer: Weil die drei Emerging-Markets‑Bausteine – Staatsanleihen in Hartwährung, Unternehmensanleihen in Hartwährung und Staatsanleihen in Lokalwährung – je nach Umfeld unterschiedlich laufen. Der Vontobel Fund – Emerging Markets Blend kombiniert die jeweils attraktivsten Quellen für Risikoaufschläge und laufende Zinsen und nimmt so den Investoren die ständige Umschichtung zwischen den Teilsegmenten ab. Philosophie und Prozess sind aber ähnlich. Das heißt, es steht das fundamentale Bond Picking mit einem Contrarian-Value-Ansatz im Mittelpunkt.

TiAM FundResearch: Wie ist der Mix im Fonds – gibt es Vorgaben?
Scheurer: Als Grundaufstellung hat sich rund zwei Drittel Hartwährung zu einem Drittel Lokalwährung bewährt, ohne starre Quote. Wir bauen das Portfolio von unten nach oben: erst die besten Ideen je Land und Emittent, dann die Mischung. Rating, Laufzeiten und die Fremdwährungsquote des Fonds halten wir relativ stabil, das Durchschnittsrating bleibt nah am Vergleichsindex.

TiAM FundResearch: Sie sagen, der Vontobel Fund – Emerging Markets Blend kann „aktienähnliche Renditen bei geringeren Rücksetzern“ liefern. Woraus speist sich diese Aussage?
Scheurer: Aus unseren Vergleichsreihen: Gegen Euro‑Schwankungen abgesichert lag die Gesamtrendite unseres Portfolios über bestimmte Zeiträume nahe an großen Aktienindizes, bei schwächeren Einbrüchen in Stressphasen. Das wurde etwa beim Zoll-Marktschock durch US-Präsident Donald Trump im April 2025 deutlich.

TiAM FundResearch: Was verstehen Sie konkret unter „mehr Risikoaufschlag für ähnliches Risiko“?
Scheurer: Wir vergleichen Anleihen mit ähnlichem Kredit‑ und Zinsrisiko und nehmen die höher vergütete. Häufig bieten staatliche oder staatsnahe Unternehmen in EM mehr Aufschlag als der jeweilige Staat, obwohl die wirtschaftliche Verankerung ähnlich ist. Das ist etwa bei Saudi-Aramco und saudischen Staatsanleihen der Fall. Solche Vergleichspaare setzen wir breit ein – ebenso Kurven‑ und Währungsvergleiche, wenn Preisrelationen aus dem üblichen Rahmen laufen.

TiAM FundResearch: Ein Dauerthema ist Index‑Abdeckung und ETF. Wo entstehen die größeren Preisfehler?
Scheurer: Börsengehandelte Indexfonds replizieren oft Kernindizes mit Anleihen, deren Emissionsgröße häufig über einer 1 Milliarde US‑Dollar liegen muss. Viele interessante EM‑Anleihen sind aber kleiner – sie fallen aus dem Index und werden von großen Häusern kaum analysiert. Genau hier entsteht fehl bepreiste Qualität, etwa bei afrikanischen Emittenten mit nur einer ausstehenden Anleihe. Aktives Research ist in diesem Teil des Marktes ein großer Vorteil.

TiAM FundResearch: Und regional – wo finden Sie derzeit die meisten Investmentideen?
Scheurer: Lateinamerika ist für Anlagen in Landeswährungen attraktiv. Viele Notenbanken haben dort früh geldpolitisch gegengesteuert, sodass die Inflation sinkt. Dabei bleiben die Realzinsen überdurchschnittlich – das stützt den laufenden Zinsertrag; ein stabiler bis schwächerer US‑Dollar hilft zudem. In Afrika sehen wir Bottom‑up‑Chancen bei kleineren Emittenten, die abseits der Standardindizes laufen. Wir setzen beides selektiv und risikokontrolliert um.

TiAM FundResearch: Wie haben sich die Grunddaten der Anlageklasse verändert?
Scheurer: Es gibt seit 2023 einen Trend zu mehr Hochstufungen als Herabstufungen bei EM‑Staaten; gleichzeitig sind die Ausfallraten gesunken. Das verbessert den Marktzugang – Ecuador konnte nach fünf Jahren wieder zwei große Anleihe begeben. Fitch hat das Rating kurz darauf hochgestuft. Solche Rückkopplungen zwischen Fundamentaldaten, Ratingveränderungen und Risikoaufschlägen sind wichtige Performancetreiber dieser Anlageklasse.

TiAM FundResearch: Was erwarten Sie für die Ertragsquellen: eher laufende Zinsen oder weitere Aufschlags‑Rückgänge?
Scheurer: Die Risikoaufschläge sind geringer als vor einem Jahr; daher wird der laufende Zinsertrag wichtiger. In der Vontobel Fund Emerging Markets Blend Strategie lagen wir zuletzt bei rund 8,5 Prozent Rendite bis Endfälligkeit (per 31.01.2026, in US‑Dollar). Wie viel davon am Ende bleibt, hängt davon ab, ob Aufschläge noch etwas steigen oder US‑Zinsen etwas fallen – beides kann sich teilweise ausgleichen.

TiAM FundResearch: Wo sehen Sie derzeit bessere Chancen: bei Staats‑ oder Unternehmensanleihen?
Scheurer: Staatsanleihen im Hochzinsbereich haben in den vergangenen 12 Monaten stärker aufgeholt als Unternehmensanleihen. Das macht letztere relativ attraktiver – natürlich selektiv und unter Risikogesichtspunkten. Branchen wie Rohstoffe, Versorger und Banken sind gut vertreten, aber auch hier entscheidet die Qualität der Einzeltitel.

TiAM FundResearch: In einem Interview vor einem Jahr haben Sie uns gegenüber gesagt Wir lieben den Pessimismus der Investoren“. Wie setzen Sie das im Vontobel Fund – Emerging Markets Blend um?
Scheurer: Über nüchterne Fundamentalanalyse – nicht über Mutproben. Pessimismus sorgt oft für überzogene Risikoaufschläge. Wir steigen dort ein, wo Bilanz, Cashflow, Tragfähigkeit der Schulden und Anreize passen – und wo es Katalysatoren für eine Normalisierung gibt. Wenn die Stimmung dreht, bauen wir Positionen diszipliniert ab.

TiAM FundResearch: Wie groß ist Ihr Team – und wie stellen Sie sicher, dass Ideen schnell im Portfolio ankommen?
Scheurer: Das EM‑Fixed‑Income‑Team umfasst zwölf Spezialistinnen und Spezialisten, dazu Handel, Makro‑Plattform und Nachhaltigkeit‑Expertise. Kurze Wege und klare Rollen helfen, Preisfehler zügig zu nutzen und gleichzeitig die Abweichung vom Vergleichsindex bewusst dort hochzuhalten, wo es sich lohnt

TiAM FundResearch: Zum Schluss: Wo liegen die Hauptrisiken – und was heißt das für die Steuerung?
Scheurer: Die größten Risiken kommen weniger aus den Schwellenländern selbst als aus schwindender Vorhersehbarkeit der US‑Geld‑ und Fiskalpolitik und der damit verbundener Neubewertung globaler Risikoaufschläge.

TiAM FundResearch: Wie können Sie gegensteuern?

Wir erhöhen oder senken Risiko schrittweise, nicht sprunghaft. – Puffer bei Liquidität, ausbalancierte Gegenpositionen, stabile Laufseitensteuerung und Währungsdisziplin bleiben wichtige Komponenten um das Risiko zu steuern.

TiAM FundResearch: Eine aktuelle Frage liegt auf der Hand: Welche Konsequenzen erwarten Sie angesichts der Eskalation im Nahen Osten für die EM-Anleihemärkte?

Die Anlageklasse zeichnet sich durch eine breite regionale und nationale Diversifikation aus. Die Abhängigkeit einzelner Emittenten von Rohstoffpreisen ist divers und wirkt ausgleichend. Es gibt Gewinner und Verlierer bei den aktuell erhöhten Ölpreisen. Die durchschnittliche Risikoprämie blieb bis jetzt stabil, denn der Nahe Osten stellt nur einen begrenzten Teil der Anlageklasse dar, gleichzeitig genießen viele Golfstaaten eine sehr hohe Liquidität und Solvenz. 

TiAM FundResearch: Und wenn die Energiepreise weiter anziehen?

Bleibt der Ölpreis länger auf hohem Niveau, kann dies inflationär wirken für Länder mit Nettoimporten. Dies wiederum könnte eine restriktivere Geldpolitik erfordern. Aktuell sind die konkreten Auswirkungen des Nahostkonflikts für Länder und Emittenten außerhalb der Region noch schwer abschätzbar. Verbesserte Fundamentaldaten und Rekordemissionen bisher haben die Resilienz der Emittenten erhöht.

Fakten zum Fonds:

Fondsname Vontobel Fund - Emerging Markets Blend I, USD
Portfoliomanagement Luc D'hooge / Carlos de Sousa / Dario Scheurer /
Fondsvolumen USD 414.43 Mio.
ISIN LU1256229680
Laufende Kosten (inkl. Verw.-geb.) 0.85%
Ausschüttungsart thesaurierend
Diesen Beitrag teilen: