Gute Unternehmensführung: Das sind die Tops- und Flops aus DAX und MDAX

Gute Unternehmensführung (Corporate Governance) ist entscheidend für nachhaltigen Unternehmenserfolg. Deshalb hat Union Investment mit dem Stimmrechtsberater IVOX Glass Lewis ein Corporate-Governance-Ranking entwickelt, das jetzt zum achten Mal für den DAX und zum sechsten Mal für den MDAX vorliegt.

18.05.2026 | 11:40 Uhr

„Das Ranking möchte für die Wichtigkeit des Themas sensibilisieren und Defizite offenlegen“, sagt Vanda Rothacker, Senior ESG-Strategin bei Union Investment. „Die Unternehmen sollen das Ranking nicht als Kritik, sondern als Ansporn verstehen. Dann wird der Kapitalmarkt zum Motor für gute Unternehmensführung, wovon Unternehmen und Aktionäre gleichermaßen profitieren“, erläutert Rothacker. Sie plädiert dafür, das Thema Corporate Governance nicht isoliert zu betrachten, sondern in einem breiteren ESG-Kontext zu sehen: „Nachhaltigkeit ist fundamental geworden. Wir wollen als Treuhänder die Transformation der Unternehmen zu mehr Nachhaltigkeit aktiv begleiten.“

Der Notenschnitt liegt im DAX bei 2,7 (Vorjahr: 2,8) und im MDAX bei 3,7 (Vorjahr: 3,6). Spitzenreiter im DAX mit Note 2+ ist die Deutsche Börse, Schlusslicht ist die Porsche SE mit Note 5-.

Im MDAX führt auch in diesem Jahr TAG Immobilien das Feld mit Note 2 an, während hier gleich acht Unternehmen die für eine ausreichende Leistung nötige Mindestpunktzahl von 50 Punkten nicht erreichen: Rational, CTS Eventim, Nemetschek, Auto1, Ionos, Traton, Wacker Chemie und die Porsche AG. Mit Blick auf die großen Notenunterschiede im MDAX bemängelt Rothacker: „Wenn man im Ranking weiter nach unten schaut, wird es düster. Hier haben die Unternehmen noch sehr viele Hausaufgaben zu machen.“

Verbesserungsbedarf sieht Rothacker insbesondere bei Ämterhäufung, Unabhängigkeit, Diversität und der Transparenz von Kompetenzen von Vorstands- und Aufsichtsratsmitgliedern.

Bei 34 DAX-Unternehmen hält mindestens ein Aufsichtsratsmitglied zu viele Mandate gleichzeitig. Dass sich dieser Wert seit der letzten Erhebung von 27 auf 34 verschlechtert hat, kritisiert Rothacker als Fehlentwicklung und nimmt die Verantwortlichen in die Pflicht: „Die Aufsichtsratsvorsitzenden dürfen die Kritik an der Ämterhäufung in ihren Gremien nicht länger an sich abprallen lassen, denn nur wer ausreichend Zeit hat, kann seine Expertise gewinnbringend einsetzen.“

Zudem mangelt es oft an unabhängiger Kontrolle, insbesondere im Vorsitz des Aufsichtsrats. Für eine effektive Überwachung fordert Rothacker Kontrollgremien, die zu mehr als der Hälfte unabhängig besetzt sind: „Die Aufsichtsratsvorsitzenden dürfen es sich bei der Nachfolgeplanung nicht zu einfach machen, sondern müssen auch über das eigene Netzwerk hinaus qualifizierte Personen identifizieren und für diese anspruchsvolle Aufgabe gewinnen.“

Bei der Diversität in den Führungsetagen gibt es deutlichen Nachholbedarf; nur 13 DAX-Unternehmen weisen einen Frauenanteil von über 30 Prozent im Vorstand auf. Rothacker bemängelt: „Ein zu geringer Frauenanteil in den Vorständen ist nicht mehr zeitgemäß, da er Belegschaft und Gesellschaft schlicht unzureichend abbildet.“

Bei der Qualifikation der Vorstände herrscht Intransparenz; 38 DAX-Unternehmen legen bisher keine individuelle Kompetenzmatrix vor. Lediglich BASF und Daimler Truck erfüllen diese Erwartung bereits vollständig. Rothacker fordert volle Transparenz: „Aktionäre wollen heute aussagekräftige Kompetenzprofile nicht nur für den Aufsichtsrat, sondern auch für den Vorstand.“

Das Ranking basiert auf 82 bewerteten Fragen zu sieben Themenfeldern, die für Union Investment bei der Bewertung der Corporate Governance von Unternehmen relevant sind: 1. Kapital, 2. Vorstand, 3. Aufsichtsrat, 4. Vergütung des Vorstands, 5. Vergütung des Aufsichtsrats, 6. Audit und 7. Transparenz und Aktionärsrechte. Die erhobenen Datenpunkte werden auf einer Bewertungsskala von 0 bis 3 gewichtet. Maximal können 100 Punkte erreicht werden. Die Gesamtpunktzahl wird in ein Schulnotensystem übersetzt: Für eine ausreichende Leistung (Note 4) müssen mindestens 50 Punkte erreicht werden. Das Ranking ist im Sinne bestmöglicher Objektivität und Vergleichbarkeit rein quantitativ angelegt und beruht auf breiter Datengrundlage. Bewertungsbasis bei allen Unternehmen sind die öffentlich verfügbaren Daten per Januar 2026.

Diesen Beitrag teilen: