Globale Investoren-Studie: Anleger bullish mit neuen Favoriten
Die Aktienindizes notieren derzeit auf Rekordniveau. Droht nun eine Korrektur? Keineswegs, meinen Portfoliomanager weltweit. Im Gegenteil: Die Mehrheit der Anlageprofis ist „extrem optimistisch“. Das geht aus der aktuellen Umfrage der Bank of America (BofA) hervor.20.02.2026 | 10:00 Uhr von «Matthias von Arnim»
Die Börsenkurse steigen derzeit von einem Hoch zum nächsten. Skepsis, dass sich das in naher Zukunft ändern könnte, ist aktuell nicht zu vernehmen. Das ist der Eindruck, der entsteht, wenn man sich das Global Fund Manager Survey der Bank of America vom Februar 2026 ansieht. Also ist alles im grünen Bereich? Geht es einfach so weiter wie bisher? Das wohl eher nicht. Denn die seit Jahren vielbeachtete Stimmungsbarometer-Studie unter professionellen Portfoliomanagern, die hunderte von Milliarden US-Dollar an verwaltetem Vermögen repräsentieren, offenbart eine deutliche Neuausrichtung von Allokationsstrategien. Während Anlageklassen wie hohe Technologiesektoren und sicherheitsorientierte Investments in der Vergangenheit dominiert haben, zeichnen sich laut der aktuellen Umfrage klare Rotationen in Regionen, Sektoren und Währungspositionen ab. Drei Trends stehen dabei im Zentrum der Debatte darüber, wohin Kapital künftig fließen soll – und warum.
Vom Dollar und US-Markt weg, hin zu Europa und Schwellenländern
Einer der auffälligsten Ergebnisse der Umfrage ist die Abkehr von traditionellen Schwergewichten wie dem US-Aktienmarkt und dem US-Dollar. Portfoliomanager haben im Februar US-Assets netto reduziert und sich zunehmend aus dem US-Dollar zurückgezogen. Das deutet auf ein erhebliches Misstrauen gegenüber künftigen Wachstums- und Zinsperspektiven in den Vereinigten Staaten hin. Diese Skepsis ist laut Studie sowohl auf geopolitische Unsicherheiten als auch auf die Erwartung sinkender Zinsen und eines möglichen Nachlasses der wirtschaftlichen Dynamik zurückzuführen, was die Attraktivität des Dollars als sicherer Anlagewährung beeinträchtigt.
Im Gegenzug wächst die relative Attraktivität europäischer und Schwellenländeraktien: Fondsmanager übergewichten zunehmend Aktien aus der Eurozone und Emerging Markets. Antreiber sind günstigere Bewertungsniveaus und positivere Wirtschaftsaussichten in Europa. Diese Kapitalverschiebung aus den USA hinaus ist laut der Umfrage statistisch signifikant. Und sie steht im Einklang mit den von vielen Befragten geäußerten wachsenden Wunsch, Kapital international stärker zu diversifizieren. Im Klartext: Die US-Kapitalmarkt ist immer noch attraktiv, aber für immer mehr große Investoren nicht mehr der unangefochtene Mittelpunkt der Welt. Die Risiken der Politik der aktuellen Regierung rücken demnach deutlicher ins Bewusstsein der Investoren.
Starke Aktienallokation trotz Risiken – Cash auf Rekordtief
Apropos Risiken: Ein zweiter Trend der Studie betrifft das übergeordnete Risikoempfinden. Die Portfoliomanager zeigen sich ungeachtet einer Reihe makroökonomischer Risiken grundsätzlich außerordentlich optimistisch gegenüber Aktien. Die Allokation in Aktien hat relative Höchststände erreicht, während Cash-Positionen auf äußerst niedrige Niveaus gesunken sind – ein klarer Ausdruck der Erwartung weiterer Gewinne an den Aktienmärkten. Besonders bemerkenswert ist, dass diese Euphorie nicht nur auf traditionelle Sektoren beschränkt ist. Auch Rohstoffe rücken wieder in den Fokus der professionellen Anleger. Gold und andere Basismetalle erleben Zuflüsse, die auf Absicherungs- und Diversifikationsbedürfnisse hindeuten. Festverzinsliche Wertpapiere sind dagegen weniger gefragt. Diese starke Aktienallokation trotz wahrgenommener Blasenrisiken – etwa durch übermäßige Technologie-Investitionen – ist bemerkenswert. Offensichtlich sehen die Mehrheit der Portfoliomanager weiterhin Renditechancen. Defensive Barbestände werden jedenfalls kaum gehalten.
Sektorale und thematische Neugewichtung jenseits der „Tech-Blase“
Der dritte zentrale Trend zeigt sich in der sektoralen Rotation innerhalb der Aktienmärkte: Während traditionelle große Technologieunternehmen in der Vergangenheit oft im Mittelpunkt standen, verlagert sich die Präferenz vieler Manager nun in Richtung von Sektoren, die als stabiler oder unterbewertet gelten. Energie, Basiskonsumgüter und Materialien gewinnen in den Portfolios an relativer Allokationsgewichtung gegenüber hochkapitalisierten Technologie-Titeln, die zunehmend kritisch bewertet werden. Ein wichtiger Grund dafür ist, dass eine überwältigende Mehrheit der Befragten glaubt, Unternehmen würden zu viel Kapital in KI-bezogene Investitionen stecken.
Diese Einschätzung hat erhebliche Auswirkungen auf Investmentthemen: Anleger sind vorsichtiger gegenüber reinem Tech-Wachstum und favorisieren stattdessen nun Unternehmen und Branchen, die konjunkturell resilienter erscheinen oder von strukturellen Trends wie der Energiewende und steigender Nachfrage nach Basiskonsumgütern profitieren. Die Neugewichtung reflektiert eine Vermischung aus makroökonomischer Vorsicht und der Suche nach attraktiveren Risiko-Rendite-Profilen abseits der bisherigen „Magnificent Seven“-Fokuswelt.
Fazit: Die Februar-Umfrage der Bank of America zeigt ein komplexes Bild. Portfoliomanager verlagern Kapital weg von traditionellen US-Fokus-Positionen und Cash, hin zu global diversifizierten Aktien, Rohstoffen und alternativen Regionen. Zugleich führt eine kritische Neubewertung von Technologie-Investitionen zu thematischen und sektoralen Anpassungen. Für Anleger bedeutet dies, dass 2026 ein Jahr der strategischen Rotationen und Neubewertungen sein könnte – getrieben von makroökonomischen Unsicherheiten, geopolitischen Risiken und der Neubewertung langfristiger Wachstumstreiber.