Umfrage: Deutsche Sparer setzen stärker auf Fonds
Die Finanzwelt hat sich in den vergangenen 25 Jahren grundlegend verändert: Globalisierung, Digitalisierung und wiederkehrende Krisen haben die Märkte geprägt. Doch haben sich deutsche Anleger in diesem Umfeld weiterentwickelt? Das aktuelle Anlegerbarometer von Union Investment liefert eine klare Antwort: Die Grundhaltung hat sich kaum verändert– bei gleichzeitig spürbarem Wandel in der Anlagestrategie.31.03.2026 | 08:00 Uhr
Altersvorsorge bleibt das dominierende Sparziel
Über 25 Jahre hinweg steht ein Motiv unangefochten an der Spitze: die private Altersvorsorge. In der aktuellen Erhebung von Union Investment nennen sie rund 84 Prozent der Befragten als wichtigstes Sparziel – ein Niveau nahe dem Rekordwert von 87 Prozent aus dem Jahr 2025. Nur vereinzelt wurde dieser Spitzenplatz von der Notfallrücklage verdrängt. Dabei zeigt sich: Auch prägende Ereignisse wie die Finanzkrise oder die Corona-Pandemie haben die Priorität dieses Ziels kaum erschüttert. Vielmehr hat die Bedeutung der privaten Vorsorge zuletzt sogar zugenommen – nicht zuletzt vor dem Hintergrund wachsender Zweifel an der Leistungsfähigkeit der gesetzlichen Rente.
Vom Sparbuch zum Fonds
Während die Sparziele stabil bleiben, verändert sich der Weg dorthin deutlich. Anfang der 2000er Jahre dominierten klassische Versicherungsprodukte und das Sparbuch. Heute gewinnen Investmentfonds massiv an Bedeutung: Zwei Drittel der Befragten (66 Prozent) besitzen inzwischen Fonds – deutlich mehr als noch 2001. Auch Aktien sind auf dem Vormarsch: Mit aktuell 35 Prozent erreicht die Aktionärsquote einen Höchststand. Gleichzeitig verliert das Sparbuch kontinuierlich an Bedeutung. „In den letzten 25 Jahren hat das Sparbuch hierzulande deutlich an Bedeutung verloren. Für immer mehr Sparerinnen und Sparer ist klar: Wer Vermögen aufbauen will, setzt auf Diversifikation, Langfristigkeit und ein gutes Verständnis von Chancen und Risiken“, sagt Kerstin Knoefel, Segmentleiterin Privatkunden bei Union Investment.
Rendite rückt stärker in den Fokus
Parallel dazu wächst das Interesse an Kapitalmarktchancen. Während in den Jahren nach der Dotcom-Krise und während der Niedrigzinsphase Sicherheitsaspekte dominierten, rückt inzwischen die Rendite stärker in den Fokus: 37 Prozent der Befragten geben aktuell an, gezielt auf Kapitalmarkterträge zu setzen – besonders ausgeprägt ist dieser Trend bei jüngeren Anlegern. Knoefel erklärt diese Entwicklung so: „Das Bewusstsein dafür, dass private Altersvorsorge essenziell ist, um den eigenen Lebensstandard im Alter zu halten, steigt. Damit rücken Renditechancen stärker in den Fokus.“
Gelassenheit trotz Krisen
Auffällig ist zudem ein psychologisches Muster, das sich über die gesamte Zeitreihe zieht: Die Deutschen beurteilen ihre eigene finanzielle Zukunft deutlich optimistischer als die gesamtwirtschaftliche Lage. Während externe Schocks wie die Finanzkrise oder der Ukraine-Krieg zu spürbaren Einbrüchen im Konjunkturoptimismus führten, blieb das Vertrauen in die eigene finanzielle Situation vergleichsweise stabil. Aktuell erwarten sogar 29 Prozent der Befragten eine Verbesserung ihrer persönlichen Finanzen – ein historischer Höchstwert. Gleichzeitig bleibt die Skepsis gegenüber der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung hoch.
Rationales Verhalten in turbulenten Zeiten
Bemerkenswert ist auch das Verhalten in Krisenphasen. Selbst während massiver Marktturbulenzen neigen deutsche Anleger kaum zu panischen Verkäufen. So hielten während der Finanzkrise 2009 rund 80 Prozent der Anleger an ihrer Strategie fest oder nutzten Kursrückgänge sogar für Zukäufe. Für Knoefel ist das ein zentrales Ergebnis der Langzeitanalyse: „Viele Anleger blieben auch in turbulenten Zeiten besonnen und zeigten ein rationales Krisenverhalten mit klarem Fokus auf den langfristigen Vermögensaufbau.“
Evolution statt Revolution
Die Union Investment-Studie zeigt: Die deutsche Sparkultur befindet sich im Wandel. Sicherheitsdenken, Sparbereitschaft und der Fokus auf Altersvorsorge bleiben zwar tief verankert. Gleichzeitig vollzieht sich eine Wendung hin zu fondsbasierten Lösungen und mehr Renditebewusstsein. (jk)
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