Neuer Dividendenrekord erwartet

Europäische Unternehmen bleiben großzügig: Trotz konjunktureller Unsicherheiten dürften die Dividendenauszahlungen 2026 weiter zulegen. Besonders Banken und Versicherer treiben das Wachstum – während zyklische Konsumwerte unter Druck stehen.

15.01.2026 | 08:00 Uhr

Dividendenrekord in Sicht 

Europas Aktionäre können sich auch 2026 auf steigende Ausschüttungen freuen. Nach Berechnungen von Allianz Global Investors (AllianzGI) dürften die Dividendenauszahlungen der im STOXX Europe 600 gelisteten Unternehmen im kommenden Jahr auf rund 454 Milliarden Euro steigen. Das entspräche einem Plus von vier Prozent gegenüber 2025, als rund 437 Milliarden Euro an die Aktionäre geflossen waren. Auch deutsche Unternehmen tragen ihren Teil dazu bei: Für 2026 werden Dividendenzahlungen von etwa 58 Milliarden Euro erwartet, nach rund 56 Milliarden Euro im Vorjahr. Das entspricht einem moderaten Zuwachs von drei Prozent.

Finanzwerte bleiben die Dividenden-Lokomotive

Treiber der positiven Entwicklung ist erneut der Finanzsektor. Banken und Versicherungen dürften ihre Ausschüttungen weiter erhöhen und auch über 2026 hinaus die größten Dividendenzahler Europas bleiben. Dagegen zeigt sich im Segment der zyklischen Konsumgüter ein anderes Bild: In Bereichen wie Automobilindustrie und Luxusgüter werden für 2026 rückläufige Dividenden erwartet – eine Folge schwächerer Unternehmensgewinne im Jahr 2025.

„Die Tendenz steigender Dividendenauszahlungen in Europa setzt sich fort“, erklärt Dr. Hans-Jörg Naumer, Leiter Kapitalmarktanalyse bei AllianzGI. Für 2027 rechnet er sogar mit einem deutlich stärkeren Anstieg, getragen von höheren Unternehmensgewinnen im Geschäftsjahr 2026.

Attraktive Dividendenrenditen im Vergleich zu Anleihen

Mit den steigenden Ausschüttungen ziehen auch die Dividendenrenditen an. Für den STOXX Europe 600 wird 2026 eine durchschnittliche Rendite von 3,2 Prozent erwartet – ein Niveau, das in etwa mit 15-jährigen deutschen Bundesanleihen vergleichbar ist. Deutsche Aktien kommen laut AllianzGI auf rund 2,8 Prozent.

Im europäischen Ländervergleich könnte Norwegen mit einer erwarteten Dividendenrendite von 5,8 Prozent die Spitzenposition einnehmen.

Dividenden als unterschätzter Renditebaustein

Die neue AllianzGI Dividendenstudie 2026 unterstreicht erneut die Bedeutung von Dividenden für den langfristigen Anlageerfolg. In den vergangenen 40 Jahren stammten beim MSCI Europe rund 39 Prozent der Gesamtrendite aus Dividenden. In Nordamerika lag der Anteil bei etwa 21 Prozent, im asiatisch-pazifischen Raum sogar bei mehr als 49 Prozent.

Zugleich wirken Dividenden stabilisierend auf Portfolios. Aktien mit höheren Ausschüttungsquoten weisen laut Studie eine geringere Volatilität auf als Titel mit niedrigen Dividendenzahlungen.

Defensive Sektoren dominieren bei hohen Dividenden

Ein Blick auf die Sektorstruktur zeigt: Portfolios mit den 25 Prozent der höchsten Dividendenzahler im STOXX Europe 600 und im S&P 500 sind besonders stark in Versorger, Telekommunikation und nicht-zyklische Konsumgüter investiert. Portfolios mit den niedrigsten Dividendenzahlern hingegen haben höhere Anteile an Technologie, Finanzen, zyklischen Konsumgütern und Energie.

Auffällig ist zudem die Stabilität der Ausschüttungspolitik: In den vergangenen 20 Jahren hat die Mehrheit der Unternehmen im STOXX Europe 600 ihre Dividenden regelmäßig erhöht, während Kürzungen eher die Ausnahme blieben. (jk)

Die Komplette Studie finden Sie hier

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