Krise bei Offenen Immobilienfonds verschärft sich

Nachdem schon zum 15. Januar die Rücknahme und Ausgabe von Anteilen des WERTGRUND WohnSelect D ausgesetzt wurde, zieht nun der nächste Fonds die Reißleine. Die Rücknahme und Ausgabe der Anteile für den offenen Immobilien-Publikumsfonds Fokus Wohnen Deutschland werden mit Wirkung zum 26. Februar, 12.00 Uhr, ausgesetzt. 

26.02.2026 | 15:43 Uhr

Die Rücknahme der Anteile wurde gemäß den gesetzlichen Vorgaben ausgesetzt, weil die liquiden Mittel des Sondervermögens nicht ausreichen oder nicht sogleich zur Verfügung stehen, um sowohl den Rücknahmepreis für die zur Rückgabe fälligen Anteile zu zahlen als auch die ordnungsgemäße laufende Bewirtschaftung des Sondervermögens sicherzustellen.

Zinswende belastet Immobilienmarkt

Auslöser der Maßnahme ist die anhaltende Krise am Immobilienmarkt, die maßgeblich durch die abrupte Zinswende im Jahr 2022 geprägt wurde. Seither sind Finanzierungen deutlich teurer geworden, Transaktionen ziehen sich länger hin und das Marktvolumen ist spürbar zurückgegangen. Gleichzeitig haben sich im veränderten Kapitalmarktumfeld alternative Anlageformen für viele Investoren wieder als attraktiver erwiesen.

Offene Immobilien-Publikumsfonds spüren diese Entwicklung mit zeitlicher Verzögerung. Seit mehr als zwei Jahren verzeichnen sie hohe Nettomittelabflüsse – eine Trendwende ist derzeit nicht erkennbar.

Auch der Fokus Wohnen Deutschland blieb davon nicht verschont. Insbesondere seit Dezember 2025 hat sich der Mittelabfluss nochmals verstärkt. Vor diesem Hintergrund entschied die IntReal International Real Estate Kapitalverwaltungsgesellschaft mbH, die das Sondervermögen verwaltet, nach sorgfältiger Abwägung die Anteilrücknahme auszusetzen.

Seit 2024 wurden zehn Immobilien mit einem Gesamtvolumen von 163 Millionen Euro veräußert. Dennoch reichten die bisherigen Verkäufe nicht aus, um ausreichend Liquidität zu schaffen. Zudem bleibt sowohl der Erfolg weiterer Transaktionen als auch die Entwicklung möglicher weiterer Mittelabflüsse schwer kalkulierbar.

Interessen der Anleger im Fokus

Thomas Wirtz FRICS, Geschäftsführer der INDUSTRIA Immobilien GmbH, betont:
„Die Entscheidung über die Aussetzung wurde nach einer sorgfältigen Abwägung aller Argumente getroffen. Oberstes Ziel ist, die Interessen aller Anleger zu wahren – die Interessen der investierten Anleger und die Interessen derjenigen, die ihre Anteile zurückgegeben haben oder dies noch tun werden.“

Jens Grathwol, Head of Fund Management bei INDUSTRIA, ergänzt:
„Unsere Kapitalverwaltungsgesellschaft ist bestrebt, die Rücknahme der Anteile so schnell wie möglich wieder aufzunehmen. Aktuell wurden zehn Immobilien für Verkäufe identifiziert, um weitere Liquidität für die Bedienung von Anteilrückgaben zu generieren. Diese Objekte werden aktuell am Markt angeboten.“

Fondsprofil

Der Fokus Wohnen Deutschland wurde 2015 von der IntReal International Real Estate Kapitalverwaltungsgesellschaft mbH aufgelegt und wird seitdem von ihr administriert. Das Asset Management verantwortet von Beginn an INDUSTRIA Immobilien.

Das Sondervermögen investiert schwerpunktmäßig in deutsche Wohnimmobilien in Ballungsräumen. Der Bestand umfasst derzeit 45 Objekte mit insgesamt 2.743 Wohn- sowie 163 Gewerbeeinheiten. Das Bruttofondsvermögen liegt bei rund 993 Millionen Euro.

Thomas Wirtz ordnet die Marktperspektiven wie folgt ein:
„Neben den generellen immobilienwirtschaftlichen Risiken, die auch im deutschen Wohnimmobilienmarkt vorhanden sind, bieten sich aufgrund der aktuellen Nachfrageüberhänge insbesondere in den Ballungsräumen Chancen, da die Fertigstellungszahlen seit Jahren den Bedarf nicht decken und somit gute Vermietungsquoten und weiteres Mietwachstum möglich werden.“ (jk)

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