Junge Vermögende erwarten eine andere Finanzberatung
Eine aktuelle Studie des CFA Institute zeigt: Wohlhabende Anleger der Generation Z und Millennials verändern die Spielregeln im Wealth Management grundlegend. Digitale Nähe, individuelle Lösungen und ein neues Verständnis von Vertrauen rücken in den Mittelpunkt.09.04.2026 | 12:15 Uhr
Generationenwechsel mit weitreichenden Folgen
Die Vermögensverwaltung steht vor einem strukturellen Umbruch. Im Zuge des sogenannten „Great Wealth Transfer“, bei dem Billionenvermögen an jüngere Generationen übergehen, verschieben sich Erwartungen und Verhaltensmuster der Anleger deutlich.
Die Untersuchung „Next-Gen Investors: A Guide for Wealth Managers and Financial Advisers“ basiert auf einer Befragung von mehr als 2.400 vermögenden und sehr vermögenden Investoren in zentralen Märkten wie den USA, Großbritannien und Singapur. Das Ergebnis: Die nächste Anlegergeneration ist digital geprägt, anspruchsvoll – und keineswegs beratungsavers.
Hohe Nachfrage nach Beratung – aber anders
Entgegen mancher Annahmen wenden sich junge vermögende Investoren nicht von professioneller Beratung ab. Im Gegenteil: Über 90 Prozent nutzen kostenpflichtige Angebote – von klassischen Finanzberatern bis hin zu Robo-Advisors.
Allerdings unterscheiden sich die Präferenzen:
Gen Z setzt stärker auf automatisierte Lösungen und Angebote über den Arbeitsplatz.
Millennials bevorzugen weiterhin klassische Berater, häufig eingebettet in Banken oder Family Offices.
Auffällig ist auch die Intensität der Betreuung: Rund 70 Prozent der jungen Kunden stehen mindestens monatlich mit ihren Beratern in Kontakt – ein deutlich höherer Interaktionsgrad als bei älteren Generationen.
Zwischen Innovationsdrang und FOMO
Ein prägendes Merkmal: die Offenheit für neue Anlageklassen. Mehr als die Hälfte der jungen High-Net-Worth-Investoren gibt an, Anlageentscheidungen aus „Fear of Missing Out“ (FOMO) zu treffen – insbesondere bei Trends wie Kryptowährungen.
Das stellt Berater vor neue Anforderungen. Sie sollen nicht nur Chancen aufzeigen, sondern auch Risiken einordnen und als strategische Sparringspartner agieren. Gefragt ist eine Balance zwischen Innovationsbegleitung und disziplinierter Langfristorientierung.
Vertrauen wird neu definiert
Auch beim Thema Vertrauen zeigen sich deutliche Unterschiede zu älteren Anlegern. Zwar bleiben Eigenschaften wie Integrität und Ethik zentral, doch junge Investoren legen zusätzlich Wert auf:
- Messbare Performance
- Transparenz bei Kosten
- Nachweisbare Qualifikationen
- Datensicherheit und Cybersecurity
Vertrauen entsteht somit weniger durch persönliche Nähe allein, sondern durch überprüfbare Kompetenz und digitale Verlässlichkeit.
Digital affine Anleger – aber Mensch bleibt zentral
Die Nutzung digitaler Informationsquellen ist hoch: Rund ein Drittel der Befragten greift bereits auf generative KI zur Finanzbildung zurück. Dennoch bleibt der menschliche Berater die wichtigste Vertrauensinstanz.
Besonders Millennials zeigen eine hybride Präferenz: Sie kombinieren klassische Beratung mit digitalen Tools. Gen Z hingegen nutzt häufiger ausschließlich Robo-Advisory-Angebote.
Konsequenzen für die Branche
Die Studienautoren sehen darin einen klaren Handlungsauftrag für die Branche. Künftige Erfolgsmodelle werden hybride Strukturen sein, die persönliche Beratung mit technologischer Skalierbarkeit verbinden.
Kernanforderungen sind:
- Echtzeit-Zugriff auf Informationen
- Individuell zugeschnittene Anlagestrategien
- Integration von Lebenszielen in die Finanzplanung
- Stärkere Einbindung der Kunden in Entscheidungsprozesse
Technologien wie Künstliche Intelligenz dürften dabei eine Schlüsselrolle spielen – insbesondere bei der Personalisierung von Angeboten.
Fazit
Die nächste Generation vermögender Anleger ist nicht nur digitaler, sondern auch anspruchsvoller und aktiver in der Gestaltung ihrer Finanzstrategie. Für Vermögensverwalter bedeutet das: Wer künftig relevant bleiben will, muss Beratung neu denken – datengetrieben, transparent und konsequent kundenorientiert. (jk)
Die komplette Studie finden Sie hier