Demografie als Stresstest: Sparkassen und Volksbanken geraten unter Druck

Die deutsche Bevölkerung schrumpft – und mit ihr das Kundenpotenzial vieler Banken. Eine PwC-Analyse zeigt: Besonders Sparkassen und Volksbanken stehen vor strukturellen Herausforderungen.

30.04.2026 | 07:30 Uhr

Der demografische Wandel entwickelt sich zunehmend zu einem zentralen Risikofaktor für den deutschen Bankensektor. Während das Bevölkerungswachstum der vergangenen Jahre stabilisierend wirkte, deutet nun vieles auf eine strukturelle Trendwende hin – mit weitreichenden Folgen, insbesondere für Sparkassen und Volksbanken.

Vom Wachstum in die Schrumpfung

Zwischen 2011 und 2025 wuchs die Bevölkerung in Deutschland um rund 3,1 Millionen Menschen, getragen vor allem durch Zuwanderung in den Jahren 2015 und 2023. Laut der PwC-Analyse „Banken im Demografie-Check“ ist dieser Rückenwind jedoch vorbei: Seit 2025 schrumpft die Bevölkerung wieder, bis 2045 wird im Basisszenario ein Rückgang von rund 3,7 Prozent erwartet.

Diese Entwicklung markiert einen Wendepunkt. Der bisherige demografische Rückenwind habe strukturelle Schwächen in Geschäftsmodellen überdeckt, erklärt PwC. Mit einer alternden und stagnierenden Gesellschaft geraten diese zunehmend unter Druck.

Regionalprinzip wird zum Risiko

Besonders betroffen sind regional verankerte Institute. Mehr als 1000 Sparkassen und Volksbanken operieren in klar abgegrenzten Geschäftsgebieten – und sind damit direkt von lokalen demografischen Entwicklungen abhängig.

Die Studie zeigt, dass künftig über 60 Prozent der deutschen Gemeinden kein Bevölkerungswachstum mehr aufweisen werden. Gleichzeitig reichen die regionalen Unterschiede von Wachstum bis hin zu Rückgängen von über 30 Prozent.

Für Sparkassen und Volksbanken wird das Regionalprinzip damit zunehmend zum Risikofaktor: Nicht die nationale Entwicklung entscheidet, sondern die Dynamik im jeweiligen Geschäftsgebiet.

Deutliche Einbußen bei Wachstum und Marktanteilen

Bereits ein Blick auf die Marktentwicklung verdeutlicht laut der PwC-Analyse die Verschiebung: In den vergangenen zehn Jahren wuchsen Privatbanken im Schnitt um 7,7 Prozent, Volksbanken um 4,2 Prozent und Sparkassen um drei Prozent.

Für die Zukunft kehrt sich dieses Bild um. Insgesamt wird ein Marktrückgang von durchschnittlich 0,7 Prozent erwartet. Besonders hart trifft es regionale Institute: Sparkassen müssen mit einem Minus von 2,6 Prozent rechnen, während Privatbanken weiterhin ein Wachstumspotenzial von rund 4,5 Prozent aufweisen.

60 Prozent der Sparkassen und über 40 Prozent der Volksbanken stehen damit vor stagnierenden oder schrumpfenden Märkten.

Kundenverluste treffen Sparkassen besonders stark

Noch deutlicher wird die Entwicklung beim Blick auf die Kundenbasis. Bis 2045 könnten Sparkassen im Durchschnitt rund zwölf Prozent ihrer Kunden verlieren, Volksbanken etwa sechs Prozent. In Einzelfällen sind sogar Rückgänge von über 30 Prozent möglich.

Bemerkenswert: Diese Verschiebungen ergeben sich laut PwC allein aus der demografischen Entwicklung – ohne Berücksichtigung von Wettbewerb, veränderten Kundenpräferenzen oder technologischen Umbrüchen. Diese Faktoren könnten den Druck zusätzlich erhöhen.

Strukturwandel mit Handlungsdruck

Die PwC-Analyse macht deutlich, dass der demografische Wandel keine abstrakte Größe ist, sondern konkrete und messbare Auswirkungen auf Geschäftsmodelle hat.

Vor allem Sparkassen und Volksbanken stehen vor erheblichen strukturellen Herausforderungen. Ohne strategische Anpassungen – etwa an regionale Wachstumspotenziale und sich verändernde Kundenstrukturen – dürfte sich der Druck in den kommenden Jahren deutlich verschärfen. (jk)

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