BofA-Fondsmanagerumfrage: Investoren gehen „all-in“
Die globale Anlegerstimmung hat sich im Mai deutlich aufgehellt, zeigt die jüngste Fondsmanagerumfrage der Bank of America. Doch während Investoren so offensiv positioniert sind wie seit Jahren nicht mehr, mehren sich gleichzeitig die Indikatoren, die auf eine Konsolidierung hindeuten.19.05.2026 | 15:30 Uhr
An der aktuellen globalen Fondsmanagerumfrage der Bank of America haben im Mai 170 Investoren teilgenommen, die zusammen rund 461 Milliarden US-Dollar verwalten. Angesichts dieses Gewichts gilt die Umfrage als verlässlicher Gradmesser für die Positionierung institutioneller Anleger. Die neuesten Ergebnisse zeigen: Die Stimmung hat sich deutlich verbessert, doch gleichzeitig bewegen sich die Märkte in eine zunehmend sensible Phase.
Anleger setzen massiv auf Aktien
Auffällig ist vor allem, wie konsequent Fondsmanager auf Risiko setzen. Innerhalb nur eines Monats stieg die Aktienquote so stark wie noch nie. Die Netto-Übergewichtung sprang von 13 auf 50 Prozent und liegt damit auf dem höchsten Stand seit Anfang 2022.
Gleichzeitig wurde Liquidität deutlich reduziert. Die durchschnittliche Cashquote fiel auf 3,9 Prozent und unterschritt damit eine wichtige Marke. Historisch galt ein solch niedriger Wert häufig als Warnsignal, weil Investoren dann bereits stark investiert sind und wenig Spielraum für zusätzliche Käufe bleibt.
Unterm Strich zeigt sich,dass kaum noch Anleger an der Seitenlinie stehen. Das erhöht die Anfälligkeit für Rücksetzer, denn neue Käufer fehlen.
Konjunkturhoffnungen kehren zurück
Die bessere Positionierung hängt eng mit einer spürbaren Stimmungsaufhellung zusammen. Die Sorge vor einer schweren Wirtschaftskrise ist stark zurückgegangen. Nur noch ein sehr kleiner Teil der Befragten rechnet mit einer harten Landung der Weltwirtschaft.
Viele erwarten stattdessen ein moderates Wachstum oder sogar ein stabiles Umfeld ohne größere Delle. Auch die Einschätzung der globalen Konjunktur hat sich deutlich verbessert, auch wenn sie im Saldo noch leicht negativ bleibt.
Besonders stark ist der Stimmungsumschwung bei den Unternehmensgewinnen. Nachdem im Vormonat noch überwiegend pessimistische Erwartungen vorherrschten, rechnet nun wieder eine Mehrheit mit steigenden Profiten. Dieser schnelle Wechsel zeigt, wie stark sich die Erwartungen aktuell verändern.
Inflation bleibt das zentrale Risiko
Trotz der besseren Konjunkturperspektiven ist die Unsicherheit nicht verschwunden. Der Fokus der Investoren liegt nun wieder stärker auf der Inflation.
Ein großer Teil der Fondsmanager sieht eine mögliche zweite Inflationswelle als wichtigste Gefahr für die Märkte. Entsprechend gehen viele davon aus, dass die Preise in den kommenden Monaten weiter steigen werden.
Diese Einschätzung hat direkte Folgen für die Zinsmärkte. Viele Investoren erwarten, dass langfristige Renditen eher steigen als fallen. Genau das könnte zum Problem für Aktien werden, denn höhere Zinsen belasten in der Regel die Bewertungen.
Klare Ausrichtung auf zyklische Branchen
Die aktuelle Positionierung zeigt sehr klar, worauf Anleger setzen. Gefragt sind vor allem wachstumsabhängige Sektoren wie Technologie, Industrie und Banken. Defensive Bereiche wie Konsumgüter oder klassische Stabilitätswerte werden dagegen eher gemieden.
Auch regional wird Risiko gesucht. Investoren bauen Positionen in den USA und in Schwellenländern aus, während insbesondere Anleihen deutlich untergewichtet bleiben.
Das Gesamtbild ist eindeutig: Fondsmanager positionieren sich für ein Umfeld mit Wachstum, steigenden Gewinnen und hoher Dynamik.
Einseitige Positionierung wird zum Risiko
Gerade diese klare Ausrichtung birgt Gefahren. In der Umfrage zeigen sich deutliche Klumpenrisiken. Besonders im Fokus stehen Halbleiteraktien, die von einer großen Mehrheit der Investoren als derzeit überlaufenster Markt angesehen werden.
Wenn sehr viele Marktteilnehmer auf dieselben Trends setzen, steigt die Wahrscheinlichkeit abrupter Gegenbewegungen. Schon kleinere Enttäuschungen können dann größere Verkäufe auslösen.
Zusätzlich sehen Investoren potenzielle Risiken im Finanzsystem, etwa im Bereich des Schattenbankings oder durch hohe Investitionen in neue Technologien. Das unterstreicht, dass trotz Optimismus ein gewisses Unbehagen bleibt.
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