Anlagetrends 2026: „Wir erwarten einen langen und starken KI-Investitionszyklus"
TiAM FundResearch hat Investment-Profis zu den großen Trends an den Kapitalmärkten in diesem Jahr befragt. Thomas Meyer, Country Head Germany von DPAM, zu den Chancen und Risiken für Anleger 2026.16.01.2026 | 14:00 Uhr von «Peter Gewalt»
TiAM FundResearch: Welche übergeordneten Markt- und Konjunkturtrends werden aus Ihrer Sicht das Anlagejahr 2026 prägen, und was bedeutet das für Ihre Asset- Allocation?
Thomas Meyer: Die erhöhten Verteidigungsausgaben in Europa und die Umsetzung der One Big Beautiful Bill in den USA dürften zu anhaltenden Haushaltsdefiziten führen. Viele Anleger werden auf Europas Bemühungen um die Gestaltung der eigenen Zukunft setzen. Damit einher gehen Investitionsströme für Verteidigung, Cybersicherheit, erneuerbare Energien, Stromnetze und Halbleiterausrüstung sowie das Recycling kritischer Materialien und eine sichere Cloud-Dateninfrastruktur. Bis zu 800 Milliarden Euro sollen in die Verteidigung und die industriellen Kapazitäten investiert werden.
TiAM FundResearch: Wo sehen Sie 2026 die attraktivsten Chancen – sei es regional, auf Ebene der Assetklassen oder bei Themen wie KI, Energiewende und Infrastruktur?
Thomas Meyer: Die Sorgen vor einer KI-Blase halten wir für übertrieben, da sich die Kurse im IT-Sektor weitgehend parallel zum Gewinnwachstum entwickelt haben. Die Bewertungen sind vertretbar, Produktivitätssteigerungen sichtbar. Wir erwarten einen langen und starken KI-Investitionszyklus, der vor allem Chancen bietet. Anleihen aus Schwellenländern dürften ihre Aufholjagd fortsetzen, auch weil diese Volkswirtschaften heute klarere geld- und fiskalpolitische Signale senden als vor der Finanzkrise.
TiAM FundResearch: Welche zentralen Risiken – etwa Inflation, Zinsen, politische Eingriffe oder geopolitische Konflikte – bereiten Ihnen für 2026 am meisten Sorge, und wie steuern Sie diese im Portfolio?
Thomas Meyer: Wenn KI-Basismodelle schneller als erwartet zu Massenware werden, könnte die Preissetzungsmacht schwinden. Regulierung und Datenvorschriften könnten die Einführung in sensiblen Sektoren verlangsamen, geopolitische Risiken im Zusammenhang mit Chips, Taiwan und kritischen Materialien zu einer Verknappung des Angebots führen. Die Kapitalintensität des Ausbaus bedeutet, dass falsch zugewiesene Investitionen bestraft werden.