Anlagetrends 2026: „Lockere Geldpolitik wird den Goldpreis weiter beflügeln“

TiAM FundResearch hat Investment-Profis zu den großen Trends an den Kapitalmärkten in diesem Jahr befragt. Sven Kuhlbrodt, Senior Consultant Investor Relations & Macro Analysis bei Baker Steel Capital Managers, zu Chancen und Risiken für Anleger 2026.

22.01.2026 | 14:00 Uhr von «Peter Gewalt»

TiAM FundResearch: Welche übergeordneten Markt- und Konjunkturtrends werden aus Ihrer Sicht das Anlagejahr 2026 prägen, und was bedeutet das für Ihre Asset Allocation? 

Sven Kuhlbrodt: Wir bei Baker Steel Capital Managers gehen von einem durchschnittlichen weltweiten Wirtschaftswachstum von 2,5 Prozent bis 3 Prozent für das nächste Jahr aus. Dies stellt ein zufriedenstellendes bis gutes Umfeld für die Rohstoffbranche dar. Allerdings sind Angebots- und Nachfragedynamiken sehr unterschiedlich, je nach Region und industriellem Sektor. Grundsätzlich bestimmen aber eher säkulare Trends wie KI, die Energiewende und Robotik den Sektor – in 2026 und weit darüber hinaus. Des Weiteren ist davon auszugehen, dass sich in vielen Regionen der Welt, insbesondere in den USA, die Staats- und private Verschuldung weiter verschlechtert. Dies, das kontinuierliche Bestreben von Zentralbanken, sich vom Dollar weg zu diversifizieren, und eine etwas lockere Geldpolitik werden den Goldpreis weiter beflügeln.

TiAM FundResearch: Wo sehen Sie 2026 die attraktivsten Chancen – sei es regional, auf Ebene der Assetklassen oder bei Themen wie KI, Energiewende und Infrastruktur? 

Sven Kuhlbrodt: Wir sehen weiterhin herausragende Chancen im chinesischen Solarsektor, in der amerikanischen KI-Industrie, insbesondere bei Cloud-Servern und auch in der Kernenergie, z.B. bei den SMR-Kleinstreaktoren. Sicherlich wird daneben der militärische Sektor verstärkt Spezialmetalle nachfragen. Die Energiewende wird nicht nur in China, sondern vor allem in Europa und, trotz Trump, auch in den USA weiterhin ein wichtiger Nachfragetreiber für verschiedene Industriemetalle darstellen. Ein Grund für höhere Kupferpreise, neben dem schwächeren Dollar, sind Infrastrukturinvestitionen, vor allem in China, in den USA und in Deutschland. 

TiAM FundResearch: Welche zentralen Risiken – etwa Inflation, Zinsen, politische Eingriffe oder geopolitische Konflikte – bereiten Ihnen für 2026 am meisten Sorge, und wie steuern Sie diese im Portfolio? 

Sven Kuhlbrodt: Geopolitische und wirtschaftliche Risiken werden in 2026 eher zu-, als abnehmen. Dies kann u.a. Unterbrechungen von Lieferketten zur Folge haben, was auf der einen Seite zu Preiserhöhungen von Metallen führen kann, aber auch mittelfristig zu geringerem Wirtschaftswachstum, was vor allem zyklischen Rohstoffverbrauch negativ beeinflussen könnte. In den USA gibt es im Zusammenspiel der fiskalischen Politik, Protektionismus und einer politisierten Fed die reale Gefahr einer Stagflation, die ggf. nur eine Zeit lang durch den KI-Boom überdeckt werden kann. Wir können mit einem aktiven Top Down- und Bottom-Up Prozess unser Rohstoffaktienportfolio jedem Szenario optimal anpassen.


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