Die besten Alternativen zum MSCI World

ETFs auf den MSCI World Index galten bislang als Basis-Investments für Spar- und Vermögenspläne. Doch die Zeiten haben sich geändert. Der US-Index ist fragiler als vielen Anlegern bewusst ist. Zum Glück gibt es gute Alternativen.

06.02.2026 | 09:30 Uhr von «Matthias von Arnim»

Der MSCI World gilt als das Basis-Investment schlechthin. Rund 111 Milliarden Euro verwaltet allein der größte in Deutschland handelbare ETF auf diesen Index. Mit mehr als 1.300 Unternehmen aus 23 Industrieländern verspricht er weltweite Diversifikation. Doch bei genauerem Hinsehen offenbart sich ein massives Klumpenrisiko: Rund 70 Prozent des Index entfallen auf US-Unternehmen. Allein die sieben großen Tech-Giganten Nvidia, Apple, Microsoft, Amazon, Alphabet, Broadcom und Meta Platforms machen mehr als 25 Prozent des gesamten Index aus.

Dieses Ungleichgewicht hat sich in den vergangenen Jahren dramatisch verschärft. Während europäische Länder vor zehn Jahren noch etwa 17 bis 20 Prozent des MSCI World ausmachten, ist ihr Anteil auf nur noch rund 16 Prozent gesunken. Der Grund liegt im explosiven Wachstum der Börsenwerte US-amerikanischer Technologiekonzerne, die die Marktkapitalisierung des gesamten Index in den vergangenen Jahren in die Höhe getrieben haben.

Spätestens das Jahr 2025 die Risiken dieser Konzentration deutlich sichtbar gemacht. Im März und April brach der MSCI World um rund 20 Prozent gegenüber dem Jahresanfang ein. Ursache war die erratische Wirtschaftspolitik der Trump-Administration mit ihren angekündigten Zöllen. Zwar erholte sich der Aktienmarkt von diesem Schock. Doch am Ende des Jahres blieben US-Aktien auf breiter Basis weit hinter europäischen Aktienwerten zurück. Für Anleger aus dem Euroraum kam erschwerend hinzu: Die deutliche Abwertung des US-Dollars zehrt seit Monaten einen Großteil der Kursgewinne auf. In lokaler Währung verzeichnete die Wall Street zwar Zuwächse, doch in Euro gerechnet blieb in den zurückliegenden zwölf Monaten lediglich ein bescheidenes Plus von rund vier Prozent übrig – die schwächste relative Performance der USA gegenüber dem Rest der Welt seit 32 Jahren.

Warum weniger USA mehr Sicherheit bedeuten kann

Die Frage, die sich immer mehr Anleger nun stellen, lautet: War das Jahr 2025 nur ein Ausrutscher? Sind US-Aktien jetzt nicht sogar so günstig bewertet, dass ein hoher US-Anteil im Portfolio ein Vorteil ist? Klare Antwort: Nein. Die hohe Gewichtung US-amerikanischer Aktien im Portfolio birgt mehrere strukturelle Risiken, die über die normale Marktvolatilität hinausgehen. Erstens führt die Konzentration auf einen einzigen Wirtschaftsraum grundsätzlich zu einer erhöhten Anfälligkeit gegenüber regionalen Entwicklungen. Handelskonflikte, Regulierungsänderungen oder innenpolitische Unsicherheiten in den USA wirken sich unmittelbar und massiv auf das Gesamtportfolio aus.

Zweitens besteht ein ausgeprägtes Sektorrisiko. Der hohe Technologieanteil im MSCI World von fast 30 Prozent bedeutet, dass Anleger stark von der Bewertung und Performance weniger Tech-Giganten abhängen. Die KI-Euphorie der vergangenen Jahre hat einige dieser Unternehmen auf Bewertungsniveaus getrieben, die bei vielen Marktteilnehmern Sorgen um eine mögliche Blase auslösen. Als Anfang 2025 das chinesische Unternehmen DeepSeek demonstrierte, dass leistungsfähige Sprachmodelle mit deutlich geringerem Kosten- und Hardwareaufwand trainiert werden können, gerieten die Kurse der großen US-Technologiekonzerne massiv unter Druck.

Drittens spielt das Währungsrisiko eine bedeutende Rolle. Da die meisten US-Aktien in Dollar notieren, haben Anleger aus dem Euroraum ein automatisches Währungsrisiko. Ein schwacher Dollar kann, wie 2025 geschehen, die Rendite erheblich schmälern. Eine breitere geografische Streuung über verschiedene Währungsräume reduziert dieses Risiko deutlich.

Viertens verpassen Anleger mit einer zu starken US-Fokussierung Wachstumschancen in anderen Regionen. Europäische Aktien erleben, seit Donald Trump die Welt mit seiner erratischen Zollpolitik verunsichert, eine bemerkenswerte Erholung, nachdem sie jahrelang im Schatten der USA standen.

Weniger USA bedeuteten in den vergangenen zwölf Monaten mehr Rendite

Ein Vergleich verschiedener Index-ETFs, die weltweit investieren, zeigt: Je geringer der US-Anteil im Portfolio war, desto besser performten die Fonds (siehe Tabelle) zuletzt.

ISIN ETF-Name Index US-Anteil TER p.a. Performance 12M
LU0908500753 Amundi STOXX Europe 600 UCITS ETF STOXX Europe 600 0% 0,07% +19,29%
DE0002635307 iShares STOXX Europe 600 UCITS ETF (DE) STOXX Europe 600 0% 0,20% +19,00%
IE00B4K48X80 iShares Core MSCI Europe UCITS ETF MSCI Europe 0% 0,12% +18,39%
LU0274209237 Xtrackers MSCI Europe UCITS ETF MSCI Europe 0% 0,12% +17,82%
IE00085PWS28 Amundi MSCI World Ex USA UCITS ETF Acc MSCI World ex USA 0% 0,14% +17,58%
IE000OEF25S1 Invesco MSCI World Equal Weight UCITS ETF MSCI World Equal Weight ca. 38% 0,20% +8,12%
IE00B3YLTY66 SPDR MSCI ACWI IMI UCITS ETF (Acc) MSCI ACWI IMI ca. 62% 0,17% +7,25%
IE00B3RBWM25 Vanguard FTSE All-World UCITS ETF (Dist) FTSE All-World ca. 64% 0,22% +7,06%
IE00BK5BQT80 Vanguard FTSE All-World UCITS ETF (Acc) FTSE All-World ca. 64% 0,19% +7,05%
IE00B6R52259 iShares MSCI ACWI UCITS ETF MSCI ACWI ca. 65% 0,20% +6,79%
IE00B4L5Y983 iShares Core MSCI World UCITS ETF (Acc) MSCI World ca. 70% 0,20% +4,86%

Die Tabelle zeigt deutlich, dass im betrachteten Zeitraum Europas Aktien die beste Performance lieferten, gefolgt von breit gestreuten Weltindizes mit Schwellenländern. Der SPDR MSCI ACWI IMI profitierte von seiner maximalen Diversifikation über alle Unternehmensgrößen hinweg. Die beiden Vanguard FTSE All-World ETFs folgen dicht dahinter und überzeugen durch ihre Kombination aus breiter Streuung, niedrigen Kosten und hervorragender Liquidität. Schlusslicht sind ETFs auf den MSCI World Index – in der Tabelle stellvertretend dargestellt durch den ETF von iShares.

Strategien zur US-Reduktion

Die Erfahrung der vergangenen zwölf Monate ist natürlich keine Projektion für die Zukunft. Doch es kann ein Anstoß sein, darüber nachzudenken, den US-Anteil im eigenen Aktienportfolio deutlich herunterzufahren. Anleger, die den US-Anteil in ihrem Portfolio gezielt reduzieren möchten, stehen mehrere bewährte Strategien zur Verfügung. Die Wahl der richtigen Strategie hängt vom individuellen Aufwand ab, den man betreiben möchte, sowie von der gewünschten Kontrolle über die geografische Allokation.

Strategie 1: Weltindizes mit Schwellenländern

Die einfachste Möglichkeit, den US-Anteil zu reduzieren, besteht darin, von einem reinen Industrieländer-Index wie dem MSCI World auf einen Index umzusteigen, der auch Schwellenländer einbezieht. Der MSCI ACWI (All Country World Index) oder der FTSE All-World vereinen Industrie- und Schwellenländer in einem Index. Durch die Einbeziehung von Märkten wie China, Indien, Brasilien oder Taiwan sinkt der US-Anteil automatisch auf etwa 64 bis 65 Prozent.

Der große Vorteil dieser Lösung liegt in ihrer Einfachheit: Mit nur einem einzigen ETF erhält man eine sehr breite globale Streuung. Der FTSE All-World umfasst über 4.200 Unternehmen aus 49 Ländern und deckt etwa 90 bis 95 Prozent der weltweiten börsennotierten Marktkapitalisierung ab. Noch umfassender ist der MSCI ACWI IMI (Investable Market Index), der zusätzlich auch kleine Unternehmen (Small Caps) einbezieht und damit auf über 9.000 Titel und eine Marktabdeckung von 99 Prozent kommt.

Die historische Performance dieser breiten Weltindizes unterscheidet sich kaum voneinander. Im Zeitraum von 2020 bis 2024 erzielte der MSCI ACWI eine durchschnittliche Jahresrendite von 11,86 Prozent, während der MSCI ACWI IMI auf 11,45 Prozent kam. Der FTSE All-World lag mit ähnlichen Werten dazwischen. Diese Indizes haben in den vergangenen fünf Jahren zwar etwas schlechter abgeschnitten als der reine MSCI World, doch rückblickend auf die vergangenen zwölf Monate haben sie im Vergleich die Nase vorn.

Strategie 2: Gleichgewichtete Indizes

Eine innovative Lösung zur Reduktion des US-Anteils bieten gleichgewichtete Indizes wie der MSCI World Equal Weight. Dieser Index enthält dieselben rund 1.400 Unternehmen wie der klassische MSCI World, gewichtet sie jedoch alle gleich mit jeweils etwa 0,07 Prozent, unabhängig von ihrer Marktkapitalisierung. Durch diese Gleichgewichtung sinkt der US-Anteil von über 70 Prozent auf etwa 38 Prozent. Die zehn größten Aktien machen zusammen nur noch ein Prozent aus statt über 25 Prozent im klassischen Index.

Der Vorteil dieser Strategie liegt in der deutlich geringeren Konzentration auf einzelne Megakonzerne und Regionen. Der Technologiesektor macht nur noch 11 statt 26 Prozent aus. Historisch haben gleichgewichtete Strategien oft eine leichte Outperformance gezeigt, da sie automatisch eine antizyklische Anlagepolitik verfolgen: Bei der vierteljährlichen Neugewichtung werden Gewinner teilweise verkauft und in Verlierer investiert.

Allerdings hat diese Strategie auch Nachteile. Die häufige Umschichtung führt zu höheren Transaktionskosten, die sich in einer etwas höheren Gesamtkostenquote niederschlagen. Der Invesco MSCI World Equal Weight UCITS ETF zum Beispiel verlangt eine TER von 0,20 Prozent pro Jahr. Zudem besteht das Risiko der Underperformance in Phasen, in denen große Unternehmen besonders stark performen – wie es in den Jahren 2023 und 2024 der Fall war. In diesen Jahren blieben gleichgewichtete ETFs deutlich hinter dem klassischen MSCI World zurück.

Strategie 3: Modularer Aufbau mit MSCI World ex USA

Die flexibelste, aber auch aufwändigste Lösung ist der modulare Aufbau des Portfolios. Kernstück ist dabei ein ETF auf den MSCI World ex USA, der alle Unternehmen des MSCI World enthält, jedoch ohne US-Beteiligung. In diesem Index haben Japan mit 19,50 Prozent, Großbritannien mit 11,32 Prozent und Kanada mit 10,57 Prozent die größten Gewichte. Die größten Branchen sind Finanzen mit rund 25 Prozent, Industrie mit 17 und Gesundheitswesen mit etwa 11 Prozent.

Dieser ETF wird dann gezielt mit einem US-Index wie dem S&P 500 kombiniert. So können Anleger den US-Anteil exakt nach ihren Vorstellungen steuern. Wer beispielsweise nur 40 Prozent USA im Portfolio haben möchte, investiert 60 Prozent in den MSCI World ex USA und 40 Prozent in einen S&P-500-ETF. Zusätzlich lassen sich durch weitere ETFs gezielt Europa, Asien oder Schwellenländer übergewichten.

Der große Vorteil dieser Methode ist die präzise Kontrolle über die geografische Allokation. Der Nachteil liegt im höheren Verwaltungsaufwand: Das Portfolio muss regelmäßig rebalanciert werden, um die Zielgewichtung aufrechtzuerhalten. Zudem fallen bei mehreren ETFs auch mehrere Sparplangebühren an, sofern keine kostenlosen Sparpläne verfügbar sind.

Strategie 4: Europa als Gegenpol

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, den klassischen MSCI World oder FTSE All-World beizubehalten und gezielt einen Europa-ETF beizumischen. Der STOXX Europe 600 umfasst die 600 größten Unternehmen aus 17 europäischen Ländern, darunter auch Großbritannien und die Schweiz. Mit dieser Beimischung lässt sich der effektive US-Anteil im Gesamtportfolio deutlich senken.

Ein Portfolio, das zu 60 Prozent aus dem MSCI World und zu 40 Prozent aus dem STOXX Europe 600 besteht, hätte in den vergangenen 14 Jahren eine durchschnittliche Jahresrendite von 10,4 Prozent erzielt – bei deutlich geringerer Abhängigkeit vom US-Markt. Besonders eindrucksvoll zeigte sich der Vorteil dieser Strategie in der ersten Jahreshälfte 2025: Während der MSCI World um 2,7 Prozent nachgab, erzielte ein solches Mischportfolio ein Plus von rund 2 Prozent.

Europa bietet derzeit interessante Bewertungsvorteile. Während US-Aktien mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 28 handeln, liegt das Bewertungsniveau in Europa deutlich darunter. Der STOXX Europe 600 weist ein KGV von etwa 18 auf. Experten sehen in Europa derzeit unterschätztes Potenzial, insbesondere in Bereichen wie Substanzwerten, Energie- und Umwelttechnik sowie bei der Anwendung künstlicher Intelligenz.

Fazit: Die Frage, ob und wie stark Anleger ihren US-Anteil reduzieren sollten, lässt sich nicht pauschal beantworten. Sie hängt von individuellen Faktoren wie Risikobereitschaft, Anlagehorizont und persönlichen Überzeugungen ab. Klar ist: Die Konzentration auf über 70 Prozent US-Aktien im klassischen MSCI World stellt ein bedeutendes Klumpenrisiko dar, das nicht zu jedem Anleger passt. Die gute Nachricht: Deutsche Anleger haben heute eine Fülle hochwertiger Alternativen zur Verfügung. Ob weltweite Indizes mit Schwellenländern, gleichgewichtete Strategien, modulare Lösungen oder gezielte Europa-Beimischungen – für jeden Ansatz existieren kostengünstige, liquide ETFs. Die Produktqualität hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert, und der Wettbewerb zwischen den Anbietern führt zu immer niedrigeren Gebühren.

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