BaFin sieht Private Debt und ELTIFs kritisch

Die Finanzaufsicht BaFin verschärft ihren Blick auf Risiken im Finanzsystem. Neben geopolitischen Unsicherheiten und Cyberangriffen rücken zunehmend Private-Debt-Investments, ELTIFs und riskante Immobilienfinanzierungen in den Fokus der Behörde. Verbraucherschutz und Finanzstabilität seien „gleichrangige Ziele“, betont BaFin-Präsident Mark Branson.

15.05.2026 | 11:00 Uhr

BaFin verschärft Fokus auf Verbraucherschutz und Finanzrisiken

Die deutsche Finanzaufsicht Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) stellt Verbraucherschutz und Stabilität des Finanzsystems künftig noch stärker auf eine Stufe. Angesichts geopolitischer Unsicherheiten, steigender Cyberrisiken und wachsender Risiken im Markt für alternative Anlagen warnt die Behörde vor neuen Verwundbarkeiten im Finanzsystem.

BaFin-Präsident Mark Branson machte bei einem Pressegespräch in Frankfurt deutlich, dass sich Finanzaufsicht längst nicht mehr allein auf Banken und Versicherer konzentriere. „Es geht auf dem Finanzmarkt immer auch um Menschen“, sagte Branson. Ein stabiles Finanzsystem und funktionierender Verbraucherschutz seien untrennbar miteinander verbunden.

Cyberangriffe werden zum systemischen Risiko

Besonders alarmiert zeigt sich die Aufsicht über die zunehmende Gefahr von Cyberattacken. Laut BaFin steigt die Zahl der Angriffe auf Finanzunternehmen kontinuierlich – und Künstliche Intelligenz verschärft die Bedrohung zusätzlich.

KI-Anwendungen könnten Schwachstellen in IT-Systemen inzwischen automatisiert identifizieren und ausnutzen, warnte Branson. Die Folge: Finanzunternehmen müssten Sicherheitslücken deutlich schneller schließen als bisher. Die Aufsicht kündigte deshalb an, ihre Prüfungen im Bereich Cyberrisiken personell auszubauen.

Damit rückt ein Thema in den Vordergrund, das zunehmend systemische Bedeutung bekommt. Denn erfolgreiche Cyberangriffe treffen nicht nur einzelne Institute, sondern potenziell die Erreichbarkeit und Funktionsfähigkeit zentraler Finanzdienstleistungen.

Private Debt und ELTIFs unter Beobachtung

Kritisch blickt die BaFin außerdem auf den boomenden Markt für Private Debt. Vor allem mangelnde Transparenz und die enge Vernetzung zwischen Fonds, Banken und Versicherungen bereiten der Behörde Sorgen.

Besonders problematisch sei, dass Banken Private-Debt-Anbieter finanzieren und Versicherer verstärkt in alternative Kreditstrukturen investieren. Risiken könnten dadurch leichter in den traditionellen Finanzsektor überschwappen.

Branson verwies zudem auf wachsende Risiken für Privatanleger durch sogenannte European Long-Term Investment Funds (ELTIFs). Diese Fonds investieren häufig in schwer handelbare Vermögenswerte wie Infrastruktur- oder Private-Market-Anlagen.

Die Aufsicht warnt insbesondere vor Liquiditätsrisiken und mangelnder Transparenz. Anleger könnten ihre Investments im Krisenfall oft nur mit hohen Abschlägen verkaufen. Zudem seien Bewertungen schwer nachvollziehbar und die Kostenstrukturen komplex.

Die BaFin fordert deshalb strengere europäische Regeln und mehr Transparenz bei Risikoindikatoren solcher Produkte.

Warnsignal am deutschen Immobilienmarkt

Auch der deutsche Wohnimmobilienmarkt bleibt im Fokus der Aufsicht. Nach Angaben der BaFin weist inzwischen jeder siebte neu vergebene Immobilienkredit eine Finanzierung oberhalb des Immobilienwertes auf.

Solche hoch belehnten Kredite bergen laut Branson erhebliche Risiken – sowohl für Banken als auch für Kreditnehmer. Sollten Immobilienpreise erneut unter Druck geraten, könnten daraus schnell Problemkredite entstehen.

Die Behörde schloss deshalb weitere regulatorische Maßnahmen ausdrücklich nicht aus.

Kampf gegen Finanzkriminalität intensiviert

Parallel verschärft die BaFin ihr Vorgehen gegen unerlaubte Finanzgeschäfte. Gemeinsam mit Strafverfolgungsbehörden habe die Aufsicht zuletzt mehrere Erfolge gegen organisierte Geldwäsche und Cyberkriminalität erzielt.

Allein im Jahr 2025 veröffentlichte die Behörde mehr als 800 Warnungen vor betrügerischen Finanzangeboten auf Websites und in Messenger-Diensten.

Die Botschaft der Aufsicht ist klar: Regulierung soll nicht nur Stabilität sichern, sondern auch Verbraucher aktiv vor Missbrauch schützen.

Strategiewechsel der Aufsicht

Die Aussagen der BaFin zeigen, wie stark sich die Prioritäten der Finanzaufsicht verschieben. Während nach der Finanzkrise vor allem Bankenstabilität im Zentrum stand, geraten nun neue Risiken in den Fokus: alternative Anlagen, digitale Bedrohungen und Verbraucherschutz.

Für Finanzhäuser bedeutet das steigende Anforderungen an Risikomanagement, Transparenz und IT-Sicherheit. Gleichzeitig signalisiert die BaFin, dass sie bei problematischen Entwicklungen früher und offensiver eingreifen will. (jk)

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