Unabhängig von der Konjunktur investieren: die besten Infrastrukturfonds
Angesichts von Krise, Krieg und schwächelnder Konjunktur suchen immer mehr Anleger nach Anlagealternativen, die vor allem solide Erträge erwirtschaften.13.05.2026 | 10:00 Uhr von «Matthias von Arnim»
Die Volatilität ist mit Wucht an die Kapitalmärkte zurückgekehrt – und mit ihr ein altbekanntes Bedürfnis: Planbarkeit. Zwischen geopolitischen Spannungen, Zinswenden und konjunkturellen Fragezeichen erleben defensive Anlagestrategien derzeit eine stille, aber deutliche Renaissance. Im Fokus zunehmend vieler Anleger stehen Fonds, die in Unternehmen mit Geschäftsmodellen investieren, die sich dem Auf und Ab der Wirtschaft weitgehend entziehen. Die nachvollziehbare Motivation vieler Privatanleger: Sie wollen einfach wieder ruhiger schlafen können. Aktuelle Studien untermauern den Nachfrageboom nach defensiven, cashflow-starken Strategien deutlich. So zeigt etwa das Brown Brothers Harriman Global ETF Investor Survey 2026, dass 96 Prozent der Investoren ihre ETF-Allokation erhöhen wollen – mit klarem Fokus auf Income-Strategien und Volatilitätsschutz. Auch laut des Natixis Investment Managers Institutional Outlook Survey 2026 erwarten rund drei Viertel der institutionellen Anleger steigende Marktrisiken, was die Nachfrage nach stabilen, inflationssensitiven Erträgen zusätzlich verstärkt. Franklin Templeton beobachtet ebenfalls, dass Anleger defensive Strategien mit Fokus auf Infrastruktur stärker nachfragen. Zusammengenommen zeigen diese Ergebnisse klar: Die Suche nach planbaren Cashflows und Resilienz ist derzeit einer der zentralen Treiber der Kapitalallokation.
Resilienz in unsicheren Zeiten – mit positivem Ausblick
Das Gefühl vieler Anleger, defensive Infrastruktur-Investments könnten in unsicheren Zeiten dem Portfolio mehr Stabilität verleihen, hält einem Realitäts-Check tatsächlich stand. Ein Blick in die Historie zeigt: In Stressphasen haben sich viele Infrastrukturwerte als vergleichsweise resilient erwiesen. Die Transparenz der Cashflows erleichtert die Bewertung – ein Vorteil, wenn Märkte nervös werden. Auch der Ausblick bleibt konstruktiv. Der globale Investitionsbedarf in Infrastruktur ist enorm. Staaten stoßen zunehmend an finanzielle Grenzen und sind auf privates Kapital angewiesen. Für Investoren entstehen daraus langfristige Opportunitäten – insbesondere in Bereichen wie Energie, Digitalisierung und soziale Infrastruktur.
Maut, Rechte und Lizenzen – zurücklehnen und mitverdienen
Besonders interessant erscheinen deshalb derzeit Unternehmen, die nicht von Konsumlaunen leben, sondern von Notwendigkeiten. Betreiber von Netzen, Infrastrukturen und Rechten – kurz: die Betreiber der ökonomischen Grundversorgung – sind derzeit besonders gefragt. Die Idee: Unternehmen, die mit Mautstraßen, dem Betrieb von Stromnetzen oder mit Medikamentenlizenzen ihr Geld verdienen, erzielen damit in der Regel einen stetigen, häufig sogar inflationsindexierten Cashflow.
Warum diese Modelle tragen – gerade in der Krise
Der Kern der betreffenden Investmentstrategie ist so simpel wie robust: Unverzichtbares wird auch in der Rezession nachgefragt. Wasser fließt, Strom wird verbraucht, und Daten werden übertragen – unabhängig vom BIP-Wachstum. Infrastrukturunternehmen operieren oft in Märkten mit quasi-monopolistischen Strukturen. Nicht etwa, weil Wettbewerb verboten wäre, sondern weil er ökonomisch unsinnig ist. Niemand baut für dieselbe Strecke parallel eine zweite Autobahn oder ein zweites Stromnetz. Hinzu kommt die regulatorische Architektur. Viele Versorger arbeiten auf Basis einer festgelegten Kapitalverzinsung – die sogenannte Regulated Asset Base. Der Staat definiert eine „angemessene“ Rendite, die dem Betreiber zusteht. Das Ergebnis sind planbare Erträge, weitgehend entkoppelt von Marktschwankungen. Denn bei nutzerfinanzierten Assets wie Mautstraßen oder Flughäfen greifen langfristige Konzessionen. Diese enthalten häufig automatische Preisanpassungen entlang der Inflation. Für Investoren bedeutet das einen eingebauten Inflationsschutz, der reale Erträge stabilisiert.
Wenn die Maut digital wird
Infrastruktur endet längst nicht mehr bei Beton und Stahl. Die Logik der „Mautstelle“ hat sich in die digitale Welt verlagert. Zahlungsdienstleister, Plattformbetreiber, Telekom-Gesellschaften und Patentinhaber kassieren bei jeder Transaktion, jeder Nutzung und jedem Verkauf. Das Prinzip ist identisch: Wer den Engpass kontrolliert, verdient. Ob es sich um eine Kreditkartenzahlung, ein Telefonat, eine Suchanfrage oder die Nutzung eines Medikaments handelt – irgendwo fließt immer eine Gebühr, entweder direkt nutzungsabhängig oder pauschal. Die Geschäftsmodelle sind oft hoch skalierbar, ihre Grenzkosten minimal. Für Anleger entsteht daraus ein Profil, das klassische Infrastruktur mit den Wachstumsdynamiken der Digitalökonomie verbindet.
Der Burggraben als Selektionskriterium
Für die qualitative Analyse, die aus den vielen Infrastrukturunternehmen die passenden für die jeweiligen Fonds herausfiltert, bleibt nicht zuletzt das Konzept des „Economic Moat“ zentral. Unternehmen mit nachhaltigen Wettbewerbsvorteilen sichern ihre Ertragskraft über Jahrzehnte. Diese Vorteile können aus hohen Wechselkosten, Netzwerkeffekten oder immateriellen Assets wie Marken und Patenten entstehen. Gerade im Infrastrukturkontext sind diese Burggräben oft besonders tief. Ein Stromnetz lässt sich nicht ersetzen, ein Funkmast-Portfolio ist kaum zu replizieren, eine starke Marke lässt sich nur schwer angreifen. Für die Portfoliokonstruktion bedeutet das: Qualität ist hier weniger eine Frage von Innovation, sondern von Unersetzbarkeit.
Produktlandschaft: Breiter, differenzierter, zugänglicher
Für professionelle Intermediäre sind all dies keine neuen Erkenntnisse – wohl aber, dass diese vormals institutionell dominierte Assetklasse inzwischen breit zugänglich ist. Fonds und ETFs haben die Eintrittsbarrieren deutlich gesenkt. Die „Geld-Maschinen“ sind im Retail angekommen. Für Privatanleger in Deutschland hat sich das Spektrum der verfügbaren Produkte in den vergangenen Jahren erheblich erweitert, vor allem durch klassische, aktiv verwaltete Aktienfonds sowie kosteneffiziente ETFs.
Ein Beispiel für einen aktiv verwalteten Fonds in diesem Segment sind etwa die beiden Fonds DWS Invest Global Infrastructure und DWS Infrastruktur Europa. Die Portfoliomanager investieren gezielt in Unternehmen, die von globalen Megatrends wie Urbanisierung, Dekarbonisierung und Digitalisierung profitieren. Anlageschwerpunkte sind Transport (Flughäfen, Häfen, Schienen), Energie (Gas- und Stromnetze) sowie Kommunikation (Funkmasten, Satelliten). Mit einem verwalteten Vermögen von zusammen über drei Milliarden Euro zählen die beiden Fonds zu den Schwergewichten im deutschen Vertrieb.
Im Bereich der passiven Anlagen bieten Infrastruktur-ETFs oft eine sehr breite Diversifikation. Ein Beispiel dafür ist der iShares Global Infrastructure UCITS ETF mit mehr als 260 Unternehmen im rund zwei Milliarden Euro schweren Portfolio. Ein interessanter Hybridansatz wiederum findet sich im SPDR Morningstar Multi-Asset Global Infrastructure UCITS ETF, der nicht nur in Aktien, sondern zu gleichen Teilen in Anleihen von Infrastrukturunternehmen investiert. Dies reduziert die Volatilität und zielt durch die Zinseinnahmen auf eine noch stabilere Ertragsstruktur ab. Die folgende Tabelle bietet eine Auswahl an in Deutschland handelbaren Fonds, die dieses Segment abdecken.
Auswahl an spezialisierten Infrastrukturfonds
| ISIN | Name | Auflegung | Perf. 1 Jahr | Perf. 3 Jahre p.a. | Lfd. Kosten p.a. |
|---|---|---|---|---|---|
| IE00B1FZS467 | iShares Global Infrastructure UCITS ETF USD Dist | 20.10.06 | 14,84% | 8,84% | 0,65% |
| IE00BL0BMZ89 | VanEck Morningstar Global Wide Moat UCITS ETF | 07.07.20 | 11,30% | 11,21% | 0,52% |
| LU0384381660 | Morgan Stanley INVF QuantActive Global Infrastr Fd (USD) A | 14.06.10 | 11,19% | 7,59% | 1,74% |
| IE00BQWJFQ70 | SPDR Morningstar Multi-Asset Global Infrastructure UCITS ETF (Dist) | 14.04.15 | 10,21% | 6,90% | 0,40% |
| LU0329760770 | DWS Invest Global Infrastructure LC | 14.01.08 | 8,61% | 8,02% | 1,77% |
| LU1877914132 | Phaidros Funds - Schumpeter Aktien A | 21.12.18 | 3,85% | 8,20% | 1,94% |
| DE000DWSE213 | DWS Infrastruktur Europa AC | 16.04.23 | 3,80% | 5,04% | 0,65% |
Quelle: FVBS professional, Stand: 07.05.2026
Risiken nicht vergessen: Regulierung schlägt Markt
Auch wenn die Cashflows vieler Infrastruktur-Unternehmen stabil wirken, gibt es natürlich auch Risiken. An erster Stelle steht die Regulierung. Wer kritische Infrastruktur betreibt, steht unter politischer Beobachtung. Eingriffe in Preisstrukturen oder Renditevorgaben können die Profitabilität direkt treffen. Hinzu kommt die Kapitalstruktur. Infrastruktur ist kapitalintensiv und häufig fremdfinanziert. Steigende Zinsen erhöhen die Finanzierungskosten – auch wenn viele Unternehmen langfristig und zu festen Konditionen finanziert sind. Der Inflationslink vieler Einnahmen wirkt hier allerdings als natürlicher Puffer.
Fazit: Die gezielte Investition in Infrastruktur- und Lizenzmodelle ist keine neue Idee. Aber sie trifft den Nerv der Zeit. In einem Umfeld, das von Unsicherheit geprägt ist, bietet sie genau das, was vielen Portfolios fehlt: Stabilität, Planbarkeit und reale Erträge. Für Anleger können die betreffenden Fonds damit ein sinnvoller strategischer Baustein sein – einer, der nicht auf die nächste große Innovation setzt, sondern auf das, was immer gebraucht wird. Oder anders gesagt: Wer die Brücke besitzt, muss sich um den Verkehr darauf weniger Sorgen machen.