TiAM Investment-Konferenz Berchtesgaden: Sichere Investmentideen für eine unsichere Welt

Auf der TiAM Investment-Konferenz in Berchtesgaden zeigen die Investmentexperten führender Fondsgesellschaften, welche Renditechancen die verschiedenen Assetklassen bieten. Teil 1: Themenaktienfonds, europäische Unternehmensanleihen, Wachstumsaktien und nachhaltige Infrastruktur.

17.04.2026 | 11:45 Uhr von «M. von Arnim, P. Gewalt und J.Kränicke»

Irankrieg, Ölpeisrekorde, volatile Börsen und die zunehmende Angst vor einer anziehenden Inflation - die Finanzwelt muss sich aktuell vielen neuen Herausforderungen stellen. Und genau deshalb zieht es Investoren, Analysten und Fondsmanager zur TiAM Investment‑Konferenz nach Berchtesgaden. Denn das Treffen der Finanzprofis bietet auch in diesem Jahr den Rahmen, um die jüngsten geopolitischen Spannungen und ihre Auswirkungen auf die Kapitalmärkte einzuordnen und passende Investmentstrategien zu diskutieren.  

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Renommierte Kapitalmarkt‑Experten präsentieren auf rund 1000 Metern Höhe im Hotel Kempinski in den bayerischen Alpen ihre Einschätzungen und zeigen auf, welche Anlagelösungen in diesem Umfeld Stabilität und Chancen bieten können. Wie schon in den Vorjahren bereichern hochkarätige Redner das Programm, darunter erneut der Ökonom Dr. Martin Lück. Doch bevor er die Bühne betritt, gehören die ersten Impulse den Experten der eingeladenen Fondsgesellschaften.

Rückblick auf die Expertenvorträge am Donnerstag

Als erster Referent an diesem Tag stellte Daniel Röger, Senior Sales Publikumsfonds / Retail Distribution, in seinem Vortrag den Aktienfonds LBBW Sicher Leben in den Mittelpunkt und begann mit den einleitenden Worte, die die besonderen Kompetenzen der LBBW herausstellten. Röger hob hervor, dass die LBBW als Institut über integrierte Research-Kapazitäten, ein breites Vertriebsnetz im Retail- und Beratersegment, ausgeprägte Risikomanagement-Prozesse sowie institutionelle Expertise in Themen- und Sektorstrategien verfüge Diese Kompetenzen bildeten die Grundlage dafür, wie LBBW Sicher Leben konzipiert, gesteuert und gegenüber Beratern sowie Endkunden kommuniziert werde. „Wir sind ein Spezialist für Themenfonds und glauben an aktives Mangement.“

Daniel Röger, LBBW AM

„Wir sind ein Spezialist für Themenfonds und glauben an aktives Mangement.“ 

Im Anschluss erläuterte Röger die Anlageidee des Fonds: Der LBBW Sicher Leben ist ein thematisch ausgerichteter Artikel-6-Fonds, der sich auf Unternehmen konzentriert, die von strukturellen Sicherheitsbedarfen profitieren. Unter der Leitung der Fondsmanager Yannik Schiele und Felix Jäger investiert der Fonds in drei klar definierte Sicherheitsbereiche: „Im Mittelpunkt stehen Verteidigung und Rüstung, digitale Sicherheit sowie physische Sicherheit.“ Diese Dreiteilung ermögliche eine thematisch fokussierte, zugleich breit diversifizierte Allokation.

Röger untermauerte die Strategie mit aktuellen Marktbeobachtungen: Anhaltende geopolitische Spannungen, steigende Verteidigungsausgaben und die Zunahme hochentwickelter Cyberangriffe führten zu nachhaltiger Nachfrage nach Lösungen aus diesen Sektoren. Er verwies auf die jüngsten Kursbewegungen bei sicherheitsrelevanten Titeln als Bestätigung für die Relevanz des Themas. Besonders eindrücklich waren seine Beispiele zum Nachholbedarf militärischer Güter in Europa, sowie aktuellen Cybervorfällen, die die Notwendigkeit robuster digitaler Sicherheitslösungen verdeutlichten. „Cyber-Sicherheit ist ein Thema, das angesichts der vielen Attacken aus dem Netz immer mehr Priorität bei den Unternehmen aber auch Privatpersonen gewinnt.“ Aber auch im Bereich physische Sicherheit konstatiert Röger einen Boom, „da das Sicherheitsgefühl vielen Menschen immer wichtiger wird und die Unternehmen immer bessere Lösungen anbieten.“

Durch die Bündelung mehrerer Segmente innerhalb eines Portfolios werde das Risiko reduziert, ohne dass die Performance leide, so Röger. Konkrete Portfoliopositionen und Struktur nannte Röger mit Zahlen (Stand: 16.04.2026): Verteidigungswerte machen 42 Prozent, digitale Sicherheit 34 Prozent, und physische Sicherheit 22 Porzent aus; der Rest entfalle auf Liquidität und Sektorüberlappungen. Geografisch liege der Fokus auf Nordamerika und Europa, das Anlageuniversum umfasse rund 440 Unternehmen weltweit. Aktuell ist das Portfolio auf etwa 76 Titel verteilt, deren Gewichtung aktiv gesteuert wird. Zu den größten Positionen zählen unter anderem Broadcom, RTX, Rheinmetall und Rolls-Royce.

Röger betonte die strengen Auswahlkriterien: Neben fundamentalen Kennzahlen und Wachstumsperspektiven flössen Technologiekompetenz, Marktzugang, Regulatorik-Resilienz und Nachhaltigkeitsaspekte in die Titelauswahl ein. Ethische Ausschlüsse seien klar definiert; Hersteller von Streubomben und Anti-Personenminen sowie andere besonders kontroverse Rüstungssegmente würden nicht berücksichtigt. Ziel sei es, Unternehmen mit nachhaltigen Geschäftsmodellen und stabilen Cashflows zu identifizieren, ohne die thematische Ausrichtung zu verwässern.

Ein weiterer Schwerpunkt des Vortrags war die Rolle der LBBW-Kompetenzen in der Fondssteuerung. „Hier arbeiten erfahrene und frische Manager im Portfoliomanagement sehr erfolgreich zusammen“, so Röger. Die enge Verzahnung von Research, Portfoliomanagement und Vertrieb ermögliche eine schnelle Reaktionsfähigkeit auf geopolitische Ereignisse und

technologische Disruptionen. Röger erläuterte, wie das interne Risiko- und Compliance-Framework dazu beitrage, Klumpenrisiken zu vermeiden und die Einhaltung regulatorischer Vorgaben sicherzustellen.

Zur Nachfrageentwicklung berichtete Röger von dynamischen Mittelzuflüssen, die das Interesse der Kunden an einem thematisch fokussierten, zugleich defensiv ausgerichteten Produkt widerspiegeln. Er empfahl Beratern, den Fonds als komplementären Baustein in Portfolios zu prüfen — insbesondere dort, wo Kunden an einer thematischen Beteiligung an Sicherheitsmegatrends interessiert seien, ohne auf Diversifikation verzichten zu wollen.

Euro-Kredit im Wandel: Wie man mit Flexibilität dem Zinsschock trotzt

Im Anschluss an den spannenden Vortrag von Daniel Röger wendet sich Gonzague Hachette von BNP Paribas Asset Management der Geldpolitik und dem Zinsmarkt zu. Er erläutert, wie sich die Strategie des AXA WF Euro Credit Total Return gerade in herausfordernden Marktsituationen bewährt. Zunächst analysiert Hachette die Entwicklungen im laufenden Jahr: „Das Marktumfeld war zunächst positiv. Moderate Wachstumserwartungen, fiskalpolitische Unterstützung aus Deutschland und eine lockere Geldpolitik der US-Notenbank Fed haben den Rentenmarkt unterstützt. Doch das Bild hat sich seither eingetrübt," erklärt Hachette. „Anhaltende geopolitische Spannungen im Nahen Osten trieben die Energiepreise auf Rekordniveaus und ließen die Inflationserwartungen in Europa stärker steigen als in den USA. Das wecke Erinnerungen an das schwierige Jahr 2022“, so Hachette. Doch er sieht einen entscheidenden Unterschied: „Die Leitzinsen starten bereits von einem höheren Niveau, während die Wirtschaft nicht mehr die nachpandemische Dynamik der Jahre 2021 und 2022 aufweist. Das bedeutet, dass eine geringere Zinserhöhung ausreichen dürfte, um die inflationären Effekte der Energiepreisbewegungen einzudämmen.. Hinzu komme, dass steigende Anleihezinsen in der Regel auf robuste Nachfrage renditeorientierter Investoren träfen – dies sei eine strukturelle Unterstützung für den Markt.“

Gonzague Hachette, Investment Specialist Fixed Income BNP Paribas

„Der AXA WF Euro Credit Total Return investiert ohne feste Benchmark quer durch das gesamte Euro-Credit-Universum “

Hachette beobachtet gleichzeitig, dass das Emissionsvolumen im Segment der Euro-Investment-Grade-Anleihen auf der Angebotsseite hoch bleibe. 2026 laufe auf ein weiteres Rekordjahr zu, unter anderem durch starke Aktivität sogenannter Hyperscaler – also großer Tech-Konzerne wie Microsoft oder Google. Die Nachfrageseite hingegen zeige erste Schwächezeichen, insbesondere im High-Yield-Segment, wo die Zuflüsse zuletzt spürbar nachgelassen hätten.

Vor diesem komplexen Hintergrund erklärt Hachette die Stärke der Strategie des AXA WF Euro Credit Total Return – nämlich maximale Flexibilität. Konkret: „Der Fonds investiert ohne feste Benchmark quer durch das gesamte Euro-Credit-Universum – von kurzlaufenden Investment-Grade-Papieren bis hin zu High-Yield-Anleihen und nachrangigen Finanzinstrumenten. Die Duration kann zwischen minus zwei und plus sechs Jahren variieren und wird aktiv über Zins-Futures gesteuert, um schnell auf Zinsvolatilität reagieren zu können.“ Rund 26 Prozent des Portfolios seien in High-Yield-Titeln investiert, was Diversifikationsvorteile und Renditepotenzial kombiniere. „Zusätzlich setzt das Team Credit Default Swaps (CDS) taktisch ein, um das Kreditrisiko flexibel zu steuern“, ergänzt Hachette.

Sektoral bleibe der Fonds klar übergewichtet in Finanztiteln – vor allem in Senior-Anleihen europäischer Banken. Seine Begründung: „Diese Titel überzeugen mit soliden Fundamentaldaten und attraktiven Bewertungen. Zudem sehen wir nur eine begrenzte direkte Überschneidung europäischer Banken mit dem wachsenden Private-Credit-Markt, den wir zunehmend kritisch sehen“. Auch der Immobiliensektor gelte trotz jüngster Underperformance – bedingt durch Zinsängste – als interessant, da sich die Bewertungen im Jahr 2025 stabilisiert hätten und Bundesanleiherenditen bereits über 2,5 Prozent lägen. Zum Schluss seines Vortrags weist Gonzague Hachette auf die erfolgreiche Performance und Resilienz des Fonds hin: Seit Auflegung im Jahr 2015 habe der AXA WF Euro Credit Total Return seine Morningstar-Vergleichsgruppe deutlich übertroffen: einem kumulierten Netto-Ertrag von rund 59 Prozent stehe ein Peer-Group-Ergebnis von gut 10 Prozent gegenüber – ein Beleg dafür, dass die flexible Strategie auch durch verschiedene Marktphasen hinweg funktioniere, von der Brexit-Unsicherheit über die COVID-Krise bis zum Zinsschock 2022.

Von AI bis Asien: Warum die 2030er an der Börse anders werden als gedacht

Der Blick vom Obersalzberg auf den Watzmann, seine Frau und die fünf Kinder aus dem bis auf den letzten Platz gefüllten Konferenzraum ist spektakulär – doch an diesem Tag richtete sich die Aufmerksamkeit der Teilnehmer der TiAM-Investmentkonferenz weniger auf die schneebedeckten Gipfel als auf die Welt von morgen. Auf der Bühne: Jan-Christoph Herbst, der den Nachmittag auf der Investmentkonferenz eröffnete. Sein Thema: „Von AI bis Asien – Die Wachstumsstorys der 2030er“. Was folgte, war kein vorsichtiger Marktausblick, sondern ein Plädoyer für Konsequenz, Mut – und einen klaren Bruch mit den herkömmlichen Sichtweisen.

Jan-Christoph Herbst, Senior Portfoliomanager Laiqon

„Die digitale Zukunft braucht physische Ressourcen“ 





Angriff statt Anpassung

Herbst lässt gleich zu Beginn keinen Zweifel daran, wie er aktives Management versteht. „Wenn wir aktiv sind, dann richtig“, sagte er. Sein Ansatz: kompromisslos „unconstrained“. Das bedeutet: keine Benchmark-Nähe – dafür ein bewusst hoher Tracking Error. Die Logik dahinter ist ebenso einfach wie provokant: Wer den Index wirklich schlagen will, darf ihm nicht ähneln. Oder wie Herbst es formuliert: „Index-Schmuser“ hätten rein rechnerisch kaum eine Chance auf Outperformance nach Kosten.Diese Haltung zieht sich durch den gesamten Vortrag. Es ist ein Plädoyer gegen Mittelmaß – und für klare Überzeugungen.

Ein Weltbild mit System: Das „SPEED-Regime“

Im Zentrum seiner Investmentphilosophie steht ein Begriff: das SPEED-Regime. Dahinter verbirgt sich ein makroökonomisches Weltbild, das mehrere Trends bündelt:

· strukturell hohe Verschuldung

· anhaltende Inflation und negative Realzinsen

· technologische Disruption durch KI, Daten und Automatisierung

· eine zunehmend multipolare Welt mit wachsender Bedeutung Asiens

Besonders deutlich wird Herbst, wenn es um die geografische Perspektive geht. Die Wachstumslandkarte der 2030er werde neu gezeichnet – und Europa spielt dabei nur eine Nebenrolle.

Seine Regionengewichtung zeigt dies deutlich:

· 45–50 % Nordamerika

· 30–40 % Asien und Schwellenländer

· unter 10 % Europa

Der Grund: Während die USA weiterhin Innovationsmotor bleiben, sieht Herbst die dynamischsten Impulse klar in Asien. In seiner Präsentation unterstreicht er dies mit dem Hinweis auf eine „multipolare Welt“, in der insbesondere China und die BRICS-Staaten an Einfluss gewinnen. Europa hingegen bleibt zurück – strukturell, demografisch und politisch.

KI-Boom trifft Rohstoff-Realität

Einer der spannendsten Teile des Vortrags ist die Verbindung zweier auf den ersten Blick gegensätzlicher Themen: Künstliche Intelligenz und Rohstoffe. Herbst argumentiert, dass der KI-Boom eine physische Basis hat – und diese wird oft unterschätzt. Rechenzentren, Elektromobilität, dezentrale Energie: All das treibt den Bedarf an Metallen massiv nach oben. Die Investitionen in Rechenzentren könnten bis 2030 auf mehrere Billionen Dollar steigen, mit jährlichen Wachstumsraten von über 20 Prozent.

Gleichzeitig sinken die Erzgrade im Kupferabbau, neue Funde werden seltener. Das Ergebnis: strukturelle Knappheit. Für Herbst ist das kein Randthema, sondern die zentrale Investmentstory: „Die digitale Zukunft braucht physische Ressourcen“, sagt er

Die Gewinner der KI-Wertschöpfung

Auf der Technologieseite setzt Herbst weniger auf die allseits bekannten großen US-Namen sondern vielmehr auf die „Schaufelhersteller“. Dazu zählen Titel aus folgenden Branchen:

· Halbleiterhersteller

· Speicherlösungen

· Cloud-Infrastruktur

· Plattformanbieter mit Datenzugang

Die Präsentation zeigte Herbst klar auf: Die Gewinne im Technologiesektor sind der dominante Treiber der Aktienmärkte – und das seit Jahren. Doch nicht jedes Geschäftsmodell wird überleben. Gerade im Softwarebereich trennt sich laut Herbst zunehmend die Spreu vom Weizen. Entscheidend sei, ob ein Unternehmen über exklusive Daten verfügt und echten Kundenzugang hat. Denn: „Der Zugang zum Kunden schlägt oft das beste Produkt.“

Stock Picking bleibt entscheidend

Trotz aller großen Themen bleibt Herbst im Kern Stock Picker. Sein Anspruch an Unternehmen ist klar definiert: mindestens 15, besser 20 Prozent organisches Umsatzwachstum pro Jahr. Das ist ambitioniert – aber aus seiner Sicht notwendig. Denn langfristig folgen Aktienkurse den Gewinnen, und diese wiederum dem Umsatzwachstum. Die Beispiele im Portfolio reichen von Halbleitergiganten bis zu Rohstoffproduzenten – eine bewusst ungewöhnliche Mischung für einen Wachstumsfonds. Genau darin sieht Herbst jedoch den Vorteil: thematische Diversifikation bei gleichzeitig klarer Fokussierung.

Stabiles Wachstum in einem unsicheren Umfeld und Diversifikation mit Müll und Wasser

In der zweiten Nachmittagssession auf der TiAM Investmentkonferenz in Berchtesgaden überzeugte Bertrand Lecourt das Auditorium mit seinem Vortag, der unter dem Motto stand: „Ohne Wasser gibt es keine Wirtschaft, ohne Abfallwirtschaft keine nachhaltige Wirtschaft“. Lecourt ist Head of Thematic Investment Strategies bei J O Hambro und Senior Portfolio Manager des Regnan Sustainable Water and Waste Fonds. Er zeigte in seiner Präsentation den aufmerksamen Zuhörern warum das Thema Wasser und Abfall jedes Depot bereichert. Tatsächlich gehörten beide Sektoren zu den grundlegenden Infrastrukturen moderner Volkswirtschaften und profitieren von langfristigen Megatrends. Diese beiden Bereiche vereinen für den J O Hambro Fondsmanager strukturelles Wachstum mit defensiven Eigenschaften – und böten zugleich Diversifikationspotenzial gegenüber klassischen Aktienmärkten. „Wir bezeichnen die beiden Themen auch gerne als unsichtbare aber absolut notwendige Infrastruktur“, sagt Lecourt.

Bertrand Lecourt, Senior Portfolio Manager J O Hambro

„Ohne Wasser gibt es keine Wirtschaft, ohne Abfallwirtschaft keine nachhaltige Wirtschaft“ 





Strukturelle Wachstumstreiber

Die Nachfrage nach Wasser- und Abfalllösungen wächst laut Lecourt schneller als die globale Wirtschaftsleistung. Der Abfallsektor bietet zahlreiche langfristige strukturelle Wachstumschancen, da die Abfallmenge bis 2050 voraussichtlich doppelt so schnell wächst wie die Weltbevölkerung. „Treiber sind vor allem Urbanisierung, steigender Wohlstand und zunehmende Regulierung. Bis 2050 werden rund 70 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben – mit entsprechendem Druck auf Infrastruktur und Ressourcen.“

Lecourt zeigte auf, dass parallel dazu der Ressourcenverbrauch zunimmt. „Mit wachsendem Einkommen steigt der Konsum wasserintensiver Güter erheblich: Für ein Kilogramm Rindfleisch werden beispielsweise mehr als 15.000 Liter Wasser benötigt, für eine Jeans fast 8.000 Liter. Diese Entwicklung erhöht den Bedarf an effizientem Wassermanagement massiv.“

Wasser entwickelt sich für den Franzosen zunehmend zu einem eigenständigen Investmentthema. Prognosen zufolge könnten die Investitionen in Wassersicherheit in den kommenden zehn Jahren auf rund 12,6 Billionen US-Dollar ansteigen. Der Bedarf reiche dabei von Infrastrukturprojekten über Aufbereitungstechnologien bis hin zu intelligenten Verteilungsnetzen.

Entlang der gesamten Wertschöpfungskette ergeben sich für Lecourt Chancen: von der Rohwassergewinnung über Transport und Speicherung bis hin zur Aufbereitung und Wiederverwendung. „Besonders dynamisch entwickelt sich der Bereich „Smart Water“, also digitale Lösungen zur Effizienzsteigerung, etwa durch Leckage-Erkennung oder automatisierte Steuerungssysteme“, betont der Fondsmanager.

Ein weiterer Faktor sei die Preisentwicklung. „Wasserpreise steigen langfristig mit wachsendem Wohlstand, bleiben jedoch im Verhältnis zur Kaufkraft vieler Länder moderat – was zusätzlichen Spielraum für Investitionen schafft“, so Lecourt.

Während Wasser ein knappes Gut bleibe, werde Abfall zunehmend als Ressource verstanden. Die Transformation von einer linearen zu einer zirkulären Wirtschaft eröffnete neue Wertschöpfungspotenziale. Dennoch ist der Handlungsbedarf für Lecourt enorm: „Seit 1950 wurden weltweit rund 8,3 Milliarden Tonnen Plastik produziert – nur 1,2 Prozent davon wurde recycelt.“

Der globale Markt für Abfallmanagement wächst laut Lecourt kontinuierlich und könnte bis 2030 ein Volumen von nahezu zwei Billionen US-Dollar erreichen. Gleichzeitig entstünden neue Geschäftsmodelle entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von Sammlung und Transport über Sortierung und Verarbeitung bis hin zur Wiederverwertung als Sekundärrohstoff oder Energiequelle. In Schwellenländern hingegen stünden zunächst grundlegende Infrastrukturen wie Müllabfuhr und Deponien im Vordergrund.

Stabilität und Resilienz im Portfolio

Ein zentraler Vorteil von Investments in Wasser- und Abfallunternehmen liege in ihrer relativen Stabilität. Viele Geschäftsmodelle basierten auf regulierten Einnahmen oder langfristigen Verträgen, was zu hoher Visibilität bei Cashflows führt.

Historische Daten zeigten zudem, dass die Sektoren über längere Zeiträume eine attraktive risikoadjustierte Rendite liefern konnten. Gleichzeitig wiesen sie eine vergleichsweise geringe Korrelation zu klassischen Aktiensegmenten wie Technologie oder Finanzwerten auf. Diese Eigenschaften machten Wasser- und Abfallaktien besonders interessant in volatilen Marktphasen. Während konjunktursensitive Sektoren stark schwanken können, bleiben grundlegende Dienstleistungen wie Wasserversorgung oder Müllentsorgung weitgehend stabil.

Ein weiterer Vorteil liege in der Diversifikation – sowohl innerhalb des Themas als auch im Gesamtportfolio. Die Kombination aus Wasser- und Abfallunternehmen reduziere Überschneidungen mit breiten Aktienindizes erheblich.

Zudem wachse das investierbare Universum kontinuierlich: „Heute umfasst es rund 350 börsennotierte Unternehmen weltweit – ein Vielfaches im Vergleich zu den 1990er-Jahren. Neue Börsengänge, Spin-offs und M&A-Aktivitäten sorgen für zusätzliche Dynamik“, so Lecourt.

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